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Alanis Morissette am Blue Balls: Nostalgie mit Power

Gegensätzlicher könnten zwei Konzerte nicht mehr sein. Während der kanadische Superstar Alanis Morissette mit Power den Saal aufpeitscht betört die Schwedin Anna Ternheim durch sinnliche Poesie.
Roman Kühne
Alanis Morissette brauchte etwas Zeit, um die Stimmung anzuheizen. Umso mehr ging es danach ab. (Bild: Manuela Jans Koch, 26. Juli 2018)

Alanis Morissette brauchte etwas Zeit, um die Stimmung anzuheizen. Umso mehr ging es danach ab. (Bild: Manuela Jans Koch, 26. Juli 2018)

Noch um 22 Uhr halten Hoffnungsvolle ihre Schilder hoch: Tickets gesucht. Alanis Morissette zieht noch immer. Schliesslich war sie mal ein echter Superstar. Über 33 Millionen Mal verkaufte sie ihre Meisterplatte «Jagged Little Pill» (1995). Eine Sammlung, die es in diverse Bestenlisten schaffte.

Wenn so ein Überflieger den Weg ans Blue Balls in Luzern findet, dann glänzt sein Stern oft nicht mehr ganz so hell. Dies muss überhaupt nicht negativ sein. Das KKL hat nun mal nicht 20000 Plätze. Und es gibt immer wieder magische Momente. Man denke nur an das absolut denkwürdige Konzert mit John Fogerty vor neun Jahren. Einem der ersten Abende, wo es dem Altmeister wieder erlaubt war, all seine Nummer-1-Hits zu spielen.

Kommt hinzu: Die Schweiz ist Alanis-Morissette-Land. Nirgendwo sonst haben es mehr ihrer Alben auf Platz 1 geschafft. Nämlich vier und somit die Hälfte. Darunter ist auch ihr Letztes «Havoc and Bright Lights», das sich weltweit etwa 100’000 mal verkaufte. Was immer noch eine stattliche Zahl ist.

Ohne Pausen geht es von einem Stück zum nächsten

Ihr Konzert vom Donnerstagabend am Blue Balls im Luzerner Saal des KKL ist mehr eine Rückblende als etwas Visionäres. Alanis Morissette spielt vor allem Kompositionen von ihrem Erfolgsalbum aus den 90er Jahren. Zwar werden die Einleitungen der Stücke teils modifiziert, wandern die Riffs durch teilweise andere Akkorde. Doch rasch wird jeweils auf das Hauptthema eingeschwenkt. Aber die Power ist voll da. Vom ersten Moment an springt und tanzt die Kanadierin über die Bühne. Ohne Pausen geht es von einem Stück zum nächsten. In der einen Hand das Mikrofon, in der anderen eine Mundharmonika, welche sie mit viel Leidenschaft, aber wenig Variation bespielt. Das Instrument ist im Konzert mehr ein Gadget, denn wirklicher Sinnstifter, hat jedoch durchaus seine Momente, vermag hie und da einen zusätzlichen Farbtupfer zu setzen.

Sänger Theo Hutchcraft von der britischen Band Hurts. (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Die Band machte sich einen Namen mit Sogs wie «Wonderful life» und «Stay». (Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
(Bild: KEYSTONE/Urs Flüeler, 29. Juli 2018)
Alanis Morissette. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Count Gabba & Friends auf dem Schweizerhof Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Trailhead auf dem KKL Plaza. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Essensstände laden zum Verweilen ein. Bild: Manuela-Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)
Besucher am Blue Balls 2018. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Melody Gardot. Bild: Pius Amrein (Luzern, 25. Juli 2018)
Jodie Abacus. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Tom Odell. Bild: Alexandra Wey / Keystone (Luzern, 25. Juli 2018)
Sie geht am Blue Balls ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie tanzen am Blue Balls. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Am Konzert am Schweizerhof geht die Post ab. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zahlreiche Essensstände rund um den See laden ein. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Das Publikum ist vom gebotenen begeistert- Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Darf noch ein Drink sein? Das Blue Balls zu später Stunde. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Zur Vorabendzeit sind die Stände vor dem Pavillon gut besucht. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Sie nimmt einen kühlen Schluck. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)
Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Jessie J. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 24. Juli 2018)

Wolfmother Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
Black Pistol Fire mit Sänger Kevin McKeown. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 23. Juli 2018)
The British soul singer Beverley Knight at the Blue Balls Festival in Lucerne, Switzerland, Monday July 23, 2018. The music event runs from 20 to 28 July. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Gary Clark Jr. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Züri West. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 21. Juli 2018)
Unter dem KKL versammeln sich die Konzertbesucher. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Milow. Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 22. Juli 2018)
Künstler am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Marius Bear Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Sari Schorr Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Ein Paar tanzt am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Zwei Kinder tanzen am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Miss T & The Mad Tubes am Blue Balls Festival 2018. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Juli 2018)
Kunst entsteht live: Das Brüderpaar One Truth bei der Arbeit im Pavillon am Luzerner Seebecken. Bild: Manuela Jans-Koch (20. Juli 2018)
Seven (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Rose Ann (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Kail Baxley (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Keir. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Juli 2018))
Festival-Direktor Urs Leierer (links) mit Fotografin Leonn Ward und Musiker Keir beim Auftakt zum Blue Balls Festival (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Zuschauer versammeln sich unter dem KKL-Dach. (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
Keir (Bild: Urs Flüeler (Keystone, 20. Juli 2018))
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Blue Balls Festival 2018

Ihrer Stimme merkt man die Jahre an. Vor allem bei langen Noten und in der Höhe wirkt sie etwas abgenutzt. Die Begleitmusiker spielen solide, im Rahmen des zu erwartenden. An ihr und der Band liegt es nicht, dass lange die Stimmung und Kraft auf der Bühne gewaltiger ist als im Publikum. Die Abmischung ist schlichtweg zu schlecht.

Man muss das Resultat nicht einmal mit den CDs vergleichen, wo Morissettes Stimme prominent im Zentrum steht. An diesem Konzert bleiben ihre Songtexte bis zum Schluss völlig unverständlich. Es braucht lange, fünf bis sechs Stücke, bis die Tonqualität ein einigermassen vernünftiges Hörerlebnis liefert. Vorher ist vieles massig und dick.

Erst bei «Hand In My Pocket» zündet der Funke im ganzen Saal, singt das Publikum die bekannten Zeilen aus vollem Halse. Musikalisch die besten Augenblicke hat das Konzert, wenn mal nicht aus vollen Rohren geschossen wird, der Sound auch Platz für Nuancen lässt, wie dies in der harten, verschlüsselten Ballade «Uninvited» der Fall ist. Doch die Dramaturgie stimmt. Ab «Ironic» gibt es im Publikum kein Halten mehr. Im anschliessenden «You Oughta Know» peitschen sich Morissette und der Drummer gegenseitig hoch, entfesseln endlich etwas dieses kreative Moment, für das sich der Besuch von Live-Konzerten wirklich lohnt.

Anna Ternheim im KKL. (Bild: Keystone/Patrick Huerlimann, 26. Juli 2018)

Anna Ternheim im KKL. (Bild: Keystone/Patrick Huerlimann, 26. Juli 2018)

Nachdenkliches Kammerspiel

Der Auftritt von Anna Ternheim im Konzertsaal des KKL ist das reine Kontrastprogramm, spricht ein völlig anderes Publikum an. Die schwedische Sängerin ist der Prototyp einer Liedermacherin. Alleine steht sie auf dem grossen Bühnenrund, in der Hand eine Gitarre. Ihre Lieder sind ruhig, erzählen vom Leben, der Liebe, dem Schmerz. Es ist ein reduziertes Kammerspiel, das hier die Herzen öffnet.

Musikalisch lehnen sich ihre Songs an Jazz und Folk an. Die sehnsüchtige Akkordik der amerikanischen Country-Musik spielt eine wichtige Rolle. Ihre Artikulation ist hervorragend, die Texte jederzeit verständlich und tiefgehend. Es ist ein Abend wie eine Erzählung, ein philosophisches Lagerfeuer im Kreis von Freunden. Schade ist nur das Parkett besetzt. Dieser Moment hätte definitiv mehr Menschen gefallen. Ein stiller, nachdenklicher Spaziergang, den die Zuschauer am Schluss zu Recht mit einer Standing Ovation verdanken.

Hinweis: Das Blue Balls Festival geht am Samstag zu Ende.

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