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Alles Impro!

«Tatort»
Julia Stephan
Julia Stephan, Kulturredaktorin (Bild: Nadia Schärli/LZ)

Julia Stephan, Kulturredaktorin (Bild: Nadia Schärli/LZ)

Man hatte uns den neuen Ludwigshafener«Tatort» als ersten Improvisations-«Tatort» der Geschichte angekündigt. Als Genaueres durchsickerte, bekam ich es mit der Angst zu tun. Die Schauspieler: Laiendarsteller der Ludwigshafener Mundartbühne Hemshofschachtel. Stand des Drehbuchs bei Drehbeginn: ohne Dialoge. Der Mörder: während des Drehs nur dem Regieteam bekannt. Der Regisseur: Urheber von Filmen, die «Ich fühl mich Disco» heissen. Dass die Laiendarsteller im tiefsten Pfälzisch brabbeln würden wie meine deutschen Verwandten, erschwerte die wertneutrale Haltung meinerseits zusätzlich.

Doch dann geschah ein Wunder: Ich war begeistert! Nicht dass der Fall über eine mit einem Mohn-Croissant vergif­tete Theaterleiterin in meiner Seele tiefe Schürfungen hinterlassen hätte. Das mit Mohn infizierte Backwerk («Todes-Hörnchen» genannt) und die 38 Jahre tapfer durchgehaltene Ménage à trois der Ermordeten hätten auch im Stück der Laienbühne auftauchen können.

Nun experimentiert man im «Tatort» viel. Aber immer sind das elitäre Avantgarde-Ausflüge. Bezüge zu Filmklassikern oder selbstreferenzielle Abenteuer im Stil französischer Nouvelle-Vague-Filme. Warum hat man die dem «Tatort» innewohnende Bodenständigkeit noch nie so herrlich mit der Experimentierfreude junger Regisseure wie Axel Ranisch gekreuzt?

Für das verknöcherte Ludwigshafener Format bedeutet die Impro Katharsis! Die Dialoge sind banal, aber authentisch. Am meisten gut getan hat das gesellige Zusammensein mit den Laien Ulrike Folkerts. Selten sah man die Schauspielerin mit so gelösten Gesichtszügen. Und auch Kollegin Johanna Stern darf endlich ihr toughes Image als Karrierefrau abgeben und Kinderwagen schieben. Zwischen den zerstrittenen Frauen gibts neu so etwas wie weibliche Komplizenschaft.

Der Schluss, der ist, naja,etwas über-«reizt». Aber in einer Liebeserklärung ans Laientheater geht das völlig in Ordnung.

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«Tatort: Babbeldasch».

Heute, 20.05 Uhr, SRF 1.

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