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Anna Netrebko im KKL Luzern:
Alles rundherum wird Klang

Die Starsopranistin Anna Netrebko und der Tenor Yusif Eyvazov stellten sich als «Traumpaar der Klassik» erstmals in der Schweiz vor. Auch im KKL Luzern blieb der Tenor aber im Schatten der Ausnahmesängerin.
Urs Mattenberger
Sie lassen sich feiern: Anna Netrebko, Yusif Eyvazov (links) und Dirigent Michelangelo Mazza. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 4. Februar 2019)

Sie lassen sich feiern: Anna Netrebko, Yusif Eyvazov (links) und Dirigent Michelangelo Mazza. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 4. Februar 2019)

Ein aktuelles Sachbuch kehrt das Klischee von dienstfertigen Frauen im Hintergrund um und thematisiert «Männer an der Seite erfolgreicher Frauen». Ein prominentes Beispiele dafür bieten die Sopranistin Anna Netrebko und der aserbaidschanische Tenor Yusif Eyvazov als das aktuelle «Traumpaar der Klassikszene». Wozu das Berühmtheitsgefälle innerhalb einer Beziehung führt, zeigt sich da umso deutlicher, als der Mann sich nicht im Hintergrund hält, sondern selber mit im Rampenlicht steht.

Vor laufenden Handy-Kameras

Erstmals live erleben konnte man dies in der Schweiz am Montag im KKL Luzern, wo sich Netrebko und Eyvazov mit der Philharmonie Baden-Baden vorstellten (Leitung: Michelangelo Mazza). Dass der Event vom Hallenstadion in den KKL-Konzertsaal verlegt wurde, rückte – ohne Verstärkung – den Aspekt des Wettbewerbs zwischen der Sängerin und dem Sänger zusätzlich in den Vordergrund.

Den Event-Charakter behielt das Konzert aber auch in diesem vergleichsweise familiären Rahmen. Dass vor allem ein nationales und weltläufiges Publikum nach Luzern gereist war, das sich Preise zwischen 100 und 500 Franken leisten konnte, zeigten die Konversationen auf Englisch und Russisch, der Pelz-Chic der Garderoben sowie die Unverblümtheit, mit der während des Konzerts mit laufendem Handylicht gefilmt wurde.

Dabei gab die Verlegung in den KKL-Konzertsaal dem durchaus Gegensteuer. Und das taten auch die beiden Künstler. Liebenswürdig und diskret spielten Netrebko und ihr Mann den Paarbonus aus, zu Beginn mit einer Umarmung, die privat wirkte und doch bereits Teil der Bühnenshow war. Denn diese begann mit «Già nella notte densa» aus Verdis «Otello» passend mit einem Eheduett, das beide im intimen Zwiegesang vereinte. Schon hier deutete sich allerdings an, dass Eyvazov seine Stimme forcieren muss, um seiner Partnerin zu folgen.

Grosse Ausnahmestimme

Das freilich ist kein Wunder angesichts von Netrebkos Ausnahmestimme, die auch an diesem Abend ohne Einschränkung als solche zu bewundern war. Das ist umso bemerkenswerter, als die 47-jährige Sängerin sich in tieferen Lagen zwar ein neues, sinnlich-dunkles Ausdrucksvolumen erschloss, gleichzeitig aber den triumphalen Glanz, ja die Leichtigkeit in hohen Lagen erstaunlich bewahrt hat. Schon Verdis «Pace, pace, mio Dio» verhalf dies zu einer ergreifenden Ausdruckskraft, die Netrebko über alles Gesangstechnische hinaus zu einer der bedeutendsten und unverkennbarsten Stimme der Gegenwart machen und mitunter an Maria Callas erinnert.

Luigi Arditis «Il bacio» zeigte tänzelnde Beweglichkeit mit einer Phrasierungskunst, die die Töne verschmolz und die Linien mit einer an Magie grenzenden Schwerelosigkeit schweben liess. In Dvořáks «Lied an den Mond», das sie mit lauerndem Gang hinter dem Dirigentenpult theatralisierte, liess Netrebko aus dunkel raunender Tiefe dramatische Stichflammen schiessen, die eine weitere Qualität dieser Stimme zeigten: Netrebkos Gesang erlangt wie ohne Kraftanstrengung eine körperhafte Präsenz, die sich mühelos über das Orchester erhob und den Raum füllte. Da wird alles rundherum Klang.

Im Verbund mit ihrem Tenorpartner steigerte sich das zwar auch mal zu überwältigender Strahlkraft («Non ti scordar»). Aber es blieb offensichtlich, dass Eyvazovs Tenor nicht über die­selben Ressourcen verfügt. Am ebenbürtigsten an der Seite seiner Frau agierte er als Alfredo im Trinklied aus der «Traviata» und – allein – in «La donna è mobile», wo seine Stimme zu mehr Beweglichkeit, aber nicht zu mehr Schmelz und Farben fand. Solche Qualitäten rückten die erfolgreich bewältigten Kraftakte von «Nessun dorma» und «E lucevan le Stelle» ohnehin zurück. Dass Männer an der Seite erfolgreicher Frauen sich von diesen nicht zu sehr über ihre Grenzen hinaus pushen lassen sollten, verriet die Zugabe «O Solo mio», jetzt mit einem Augenzwinkern serviert, riss das Publikum im ausverkauften Saal zu einer weiteren Standing Ovations hin.

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