ALLMEND ROCKT: Gölä räumt in Luzern ab

Was flau begann, endet in einem tollen Konzertabend. Das erste Rock-Open-Air in der Allmend erfüllte fast alle Erwartungen.

Roman Kühne
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Furioses Finale beim gestrigen Open Air "Allmend rockt!" in der Luzerner Swissporarena: Gölä heizt dem Publikum mächtig ein. (Bilder Philipp Schmidli)

Furioses Finale beim gestrigen Open Air "Allmend rockt!" in der Luzerner Swissporarena: Gölä heizt dem Publikum mächtig ein. (Bilder Philipp Schmidli)

Dann, wenn alle gleich in die Hände klatschen, dann, wenn die Luft bebt und die Leiber wogen, dann entstehen sie, diese magischen Momente, die für immer in der Erinnerung haften bleiben. Beim ersten Rock-Event in der Swissporarena wird es fast 20 Uhr, bis diese Minute kommt. Die deutsche Band Boss Hoss lässt die Zuschauer auf den Boden knien und miteinander in die Luft springen – und die Stimmung ist da. Für diese Augenblicke, so simpel sie funktionieren, braucht es oft die Stars.

Richtige Männer

Aber ein Open Air lebt eben nicht nur von den grossen Abräumern, auch «kleinere» Namen sollen hier ihren Platz haben. Relativ kurzfristig wurde zum Beispiel der Luzerner Kunz ins Programm aufgenommen. Vor dem Stadion unterhielt er vor dem Konzert und in den Umbaupausen. Live wirken seine Stücke direkter, lebendiger als auf der Debüt-CD «Einfach so». Dennoch, viele Kompositionen sind dem Schlager zugetan, es fehlt der packende Funke. Ein Gegensatz zu den härteren Klängen im Stadioninnern, wo die «richtigen Männer» spielen, wie sich eine Besucherin ausdrückte.

Moment der Freiheit

Zu diesen gehört, immer musikalisch gemeint, der Kanada-Schweizer Fabian Anderhub. Der Gewinner der «Swiss Blues Challenge» spielt schnell und hart. Dennoch bleibt die Stimmung flau. Das Publikum ist erst spärlich anwesend. Aber auch seine Stücke besitzen spärlichen Erkennungswert, bleiben austauschbar.

Gölä war für das grosse Finale besorgt. (Bild: Philipp Schmidli)
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Bild: Philipp Schmidli
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John Prakesh gab seine Abschiedsvorstellung als Sänger der Gruppe Shakra. (Bild: Keystone)
Fans von The BossHoss während deren Auftritt. (Bild: Philipp Schmidli)
The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
Legten sich mächtig ins Zeug. Die Berliner Band The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
The BossHoss. (Bild: Philipp Schmidli)
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Gölä war für das grosse Finale besorgt. (Bild: Philipp Schmidli)

Musikalisch abwechslungsreicher ist die Band Shakra aus dem Emmental. Ihr Klang und ihre Stückarchitektur sind variantenvoll, ja manchmal überraschend. Teils wird die Musik fast hängen gelassen, kurzer Moment der Freiheit, bis das Stück seinen Drive wieder findet. Die Kompositionen gehen fliessend ineinander über. Stücke wie «Rising High» oder «Back on Track» verfehlen ihre Wirkung nicht. Schade, ist es das letzte Konzert des Leadsängers John Prakesh. Seine bewegliche, facettenreiche Stimme, ihr hoher Identifikationsgehalt wird der Band fehlen.

Und dann eben The Boss Hoss. Einerseits sind sie richtige Live-Tiere. Alec «Boss Burns»-Völkl wirft schon im dritten Stück sein T-Shirt weg, lässt sich im sechsten durchs Publikum tragen. Ein Bläsersatz, Solos auf Mundharmonika und Congas weiten den Klanghorizont, in hohem Tempo wird eingeheizt. Wenn The Boss Hoss Stücke adaptieren, so geschieht dies ohne Anbiederung. Elvis’ «Heartbreak Hotel» ist schnell, wenig erinnert an die ursprüngliche hochklassige, Schnulze. Zum ersten Mal kommt an diesem Abend richtig Stimmung auf.

Göläs grosses Finale

Für das grosse Finale ist dann Gölä besorgt. Musikalisch überzeugend, mit trockenem, präzisem und klarem Layout ist er der zweite Abräumer des Abends. Er nützt seinen Heimvorteil voll aus, begeistert das Publikum mit einem grossen Mix aus aktuellen und alten Stücken, die sanften Mundartballaden seines Albums grösstenteils zur Seite lassend. Vollends aus dem Häuschen gerieten die Besucher, als Gölä noch Komiker Peach Weber auf die Bühne holte.

Zweite Ausgabe geplant

Publikumsmässig wurde wohl die angestrebte 10 000er-Grenze nicht geknackt. Ein Glück ist es sicher, dass die Schweizer Nati ihr Spiel am Freitag hatte. Pech, dass das «Rock the Ring»-Open-Air in Hinwil mit Bryan Adams und Gotthard sich am selben Abend an ein ähnliches Publikum richtete. Doch für die Organisatoren ist jetzt schon klar: «Allmend rockt!» findet auch 2015 wieder statt.