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Ausstellung im sic! Elephanthouse:
Alltag als Ort, wo Kunst entsteht

Zwei Künstlerinnen brechen ein Tabu des Kunstbetriebs: Wie lebt es sich von der Kunst?
Susanne Holz
Bitte sportlich nehmen: Denn hier ehrt sich die Künstlerin selbst. Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 22. Oktober 2019)

Bitte sportlich nehmen: Denn hier ehrt sich die Künstlerin selbst. Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 22. Oktober 2019)

Pokale über Pokale stehen hier im sic! Raum für Kunst in Luzern. Sie erinnern einen an die vielen niedlichen Pokale, die kleine Buben nach Fussballwettkämpfen bekommen – egal, wie glorreich sie gespielt haben. In diese Richtung muss auch die Künstlerin Lena Lieselotte Schuster – geboren 1981 in Bayreuth und heute wohnhaft in Wien – gedacht haben, als sie für sich die zahlreichen Pokale «bastelte», die nun in Luzern zu bewundern sind. Das funkelnde Werk heisst «Egotuning» – entstanden 2010 bis 2019.

Da wäre der «Turner Prize», von dem golden ein Rennfahrer grüsst: im Lorbeerkranz oben ist zu lesen: «MSC Auerbach». Eine Umnutzung par excellence. Oder der «Preis der Nationalgalerie», der sich bei genauerem Hinsehen als Pokal für Hund oder Hundebesitzer erweist – wie auch immer, jedenfalls krönen stolze Hundehäupter das edle Prestigeobjekt in Gold.

Eine Branche, die meist wenig Gewinn verheisst

Die Absicht ist klar, die Ausführung witzig: Hier macht sich eine Künstlerin ihre Gedanken zu Kunstpreisen, die nicht nur eine Auszeichnung künstlerischen Schaffens sind, sondern auch Einnahmequelle und Wertschöpfungsgrundlage für ihre Gewinner in einer Branche, die meist wenig Gewinn verheisst. Künstler kämpfen um ihr Einkommen – es sei denn, sie sind vom Rang eines Damien Hirst.

An keinen Geringeren als diesen hat Lena Lieselotte Schuster eine Mail verfasst, die bei der Vernissage am vergangenen Samstag ein Performer vortrug: «For the Love of God». Schuster erinnert in dieser Mail den grossen Künstler an eine imaginäre alte Freundschaft zu ihr: «Machs gut, Deine Lena. PS: Ich wohne jetzt übrigens in Wien.»

«Subversive Strategien, sich irgendwo anzudocken», so meint Laura Breitschmid, Kuratorin des sic! Raum für Kunst, schmunzelnd. Kuratiert haben die Ausstellung unter dem Titel «Studio Inkognito» aber zwei Gastkuratorinnen: Katharina Brandl aus Wien und Daniela Brugger aus Basel. Diese beiden holten Lena Lieselotte Schuster aus Wien und Lena Kiss aus Berlin ins Boot, um der Frage nach den Arbeits- und Lebensbedingungen im Kunstbetrieb kreativ auf den Grund zu gehen.

Wie der Alltag in ihre Kunst reinspielt, das verdeutlicht Kiss beispielsweise mit ihrer Installation «First Floor» von 2019: Kiss verdient sich ihre Brötchen in einem Laden für Künstlerbedarf in der deutschen Hauptstadt. Ihre Installation zeigt Szenen aus ihrem Job, aufgebügelt auf hängenden Stoff, kombiniert mit bemalter Seide und ungebrannten Tonfiguren. Der Alltag inspiriert die Kunst.

Originell ist auch Lena Lieselotte Schusters Werk «HALLO» (2018). Schuster arbeitet im Kunstraum Niederösterreich in Wien und schmuggelte ihre eigene Person ins Zentrum von Fotos diverser Vernissagen: Jedes Mal formt sie mit den Fingern einen Buchstaben. Auf fünf Bildern zusammen ergibt das ein «Hallo.» Alltag wird Kunst.

Hinweis

Ausstellung «Studio Inkognito» im sic! Raum für Kunst, Neustadtstrasse 29, Luzern. Bis 30. November. Geöffnet Do/Fr 15-19 Uhr; Sa 14-17 Uhr. Am Samstag, 16. November, um 18 Uhr: «Survival of the Fittest», ein interaktives Spiel. www.sic-raum.ch

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