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Alpentöne: Das Festival ist universaler geworden

Alpentöne hat Scharen von Publikum angezogen. Und sich als Festival des volksmusikalischen Crossovers etabliert.
Pirmin Bossart
Unter dem Motto «Building Bridges» trat auch der Sitar-Spieler Gaurav Mazumdar mit seiner Formation auf. (Bild: Urs Hanhart, 17. August 2019)

Unter dem Motto «Building Bridges» trat auch der Sitar-Spieler Gaurav Mazumdar mit seiner Formation auf. (Bild: Urs Hanhart, 17. August 2019)

Vielfalt weit über die Alpen hinaus: Das war am Samstagabend in Altdorf zu erleben, als sich Musikerinnen und Musiker aus Indien, Österreich, der Ukraine, Italien, Iran und der Schweiz versammelten, um die Resultate ihres einwöchigen Workshops auf dem Monte Verità im Theater Uri zu präsentieren.

«Building Bridges» war ein ruhiges, vielseitiges Konzert, das die Seele dessen wurde, was sich in den letzten Tagen am Festival zusammengebraut hatte: Musik, die Grenzen auflöst, und dennoch die Traditionen der jeweiligen Gebiete und Nationen durchscheinen lässt.

Alpenraum und östliche Exotik

Plötzlich war es ganz einfach, einem Walzer aus der Ukraine zu folgen, der mit Santur, Drehleier, Sitar, Trommeln und Cello gespielt wurde und dennoch mindestens so stark nach Alpenraum klang wie nach östlicher Exotik. Selbst in den Intensivierungen eines Ragas drang dieses beschwingt Vehemente und fast Trancehafte durch, das auch perfekt eingeölte Volksmusiker aus dem Alpenraum haben, wenn sie ins Grooven kommen.

Kern von Alpentöne bleibt Musik aus dem Alpenraum, die dieses Jahr besonders international tönte. Zum einen tauschen sich Musikerinnen und Musiker aus dem Alpenraum zunehmend mit Musikern aus der halben Welt aus. Bei The Big Amithias war mit dem Flötisten Arnith Nadig ein aus Indien stammender Musiker beteiligt und setzte die Sängerin Sarah Buechi gekonnt für den südindischen Sprechgesang (Konnakol) ein. Aber als Ganzes fieberte dieses «Allgäu meets India»-Projekt des musikalischen Tausendsassa Matthias Schriefl (Trompete, Alphorn) im reduzierten Big Band Sound etwas grell und heterogen zwischen Jazz, 13-Takt-Blues und heimatlichen Tönungen.

Zum andern waren dieses Jahr Studierende von Musikhochschulen aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland eingeladen, die in diversen Kombinationen an den drei Festivaltagen in Erscheinung traten. Das skandinavische Folk-Konzentrat hörten wir im Cinema Leuzinger, einem neuen und attraktiven Spielort des Festivals. Die fünf Studierenden von Farandi erzeugten mit Nyckelharpa, Akkordeon, Flöten und Dudelsack ein feines Beben aus ­Melodien, Tänzen und transparenten Pluckereien. Ganz sanft klang das, mit nördlich-klaren Melodien. Das war am anderen Ende von grobschlächtig angesiedelt und wurde so selbstbewusst wie sympathisch performt.

Am Samstag trafen sich die Skandinavier mit den Alpinis, dem Volksmusikensemble der Musikhochschule Luzern, zur Alpentöne Folk Big Band. Eine Woche lang hatte man sich ausgetauscht. Auf der Bühne wurde ein bunter Strauss von alpin und skandinavisch gefärbten Stücken intoniert und auch vorsichtig gejammt. Die Alpinis (Leitung Albin Brun) musizierten am Freitag vor vollem Haus ein eher eingängiges wenn auch vielseitiges Repertoire, diesmal deutlich alpin und notenbezogen.

Frisch und anders klang das Alpinis-Stück von Kristina Brunner auf dem Schwyzerörgeli. Die Musikerin, die auch Cello spielt, gab später Albin Brun (Schwyzerörgeli, Saxofon) ein wunderbar intimes Konzert im vollen Kinosaal. Gleichzeitig rief im ebenfalls ausverkauften Tellspielhaus das Alpentöne Blasorchester zum Festakt mit ausgelassener Banda-Musik, den Solisten Michel Godard (Tuba, Serpent) und Nataša Mirković (Gesang) sowie dem tanzenden Dirigenten Pino Minafra. Volksmusik hüben wie drüben.

«Hackbrettuniversum» im Kirchenraum begraben

Kristina Brunner und Albin Brun waren wiederum im Andreas Gabriel Ensemble dabei, das mit Spitzenmusikern der neuen Volksmusikgeneration besetzt war. Die sinfonische Komposition «Verändler» des Nidwaldner Violinisten zog sich etwas in die Länge. Indes «verländerte» sich das Stück in oft jazzigen Passagen mit Drive und vielschichtigen Interaktionen. Im Hall des Kirchenraumes begraben wurde das «Hackbrettuniversum» des Appenzellers Töbi Tobler, dessen diffuse Schallwellen ein Maschengitter aus verwehtem Geklöppel legten und den Genuss von Toblers sakral-rockigen Dramaturgien stark schmälerten.

Vom Universum zurück zum Universalen. Im Garten des «Haus für Kunst Uri» wurde der alpine Geist verdünnt und aufgelöst, bis er nur noch Geräusch und Raum war. Die Performance-Lounge des Chuchchepati Orchestras mit Kontrabass (Patrick Kessler), Schlagzeug (Julian Sartorius), Plattenspielern (Dieb 13) und Elektronik (Ludwig Berger) vibrierte mit Elektroakustischem durch die Nacht, als ob die Alpen längst weggeräumt wären. Und es nur noch Töne unter freiem Himmel gäbe.

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