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Landesstreik 1918: Als eine Viertelmillion Nein sagte

1918 eskalierten die sozialen Gegensätze in der Schweiz, 250000 organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen streikten. Ein Theaterereignis in Olten erinnert an die Auseinandersetzung, und alle Ostschweizer Kantone machen mit.
Dieter Langhart
Truppen auf dem Berner Waisenhausplatz während des Landesstreiks im November 1918. (Bild: Swiss Federal Archives)

Truppen auf dem Berner Waisenhausplatz während des Landesstreiks im November 1918. (Bild: Swiss Federal Archives)

Geschichte mit Geschichten erzählen, das will das Theaterprojekt «1918.ch». Auch wenn es in Olten spielt, geht es um unser Land. Fast alle Kantone machen mit, um an den Landesstreik zu erinnern, an den grössten sozialpolitischen Kampf der Schweiz: aus der Ostschweiz der Thurgau, St. Gallen, die beiden Appenzell, ebenso Schaffhausen und Glarus.

Federführend bei der Inszenierung ist der Kanton Solothurn, gespielt wird in Olten, denn da sass damals das Aktionskomitee. Der Solothurner Beitrag gibt den dramaturgischen Rahmen, in den sich weitere Theatergruppen aus allen Regionen mit Szenen einfügen und so den Streik ihres Kantons oder ihrer Stadt sichtbar machen: In Biel plündern hungrige Bieler einen Kartoffelwagen, in Graubünden hat der erste rätoromanische Bundesrat schlaflose Nächte, der Thurgau hungerte die Revoluzzer aus.

Eine logistische ­Herausforderung

Nie tritt das ganze Land auf, fast jede Vorstellung setzt sich aus anderen regionalen Szenen zusammen.

Das nationale und mehrsprachige Projekt will bewusst Brücken bauen und versteht sich als «Ort der Begegnung und des Begreifens».

Liliana Heimberg hält alle Fäden zusammen, führt Regie und leitet das künstlerische Team. Ihm gehören unter anderem der Thurgauer Historiker Stefan Keller, die Choreografinnen Gisa Frank aus Rehetobel und Mara Natter aus Trogen an. Und den Thurgauer Beitrag leitet der Schauspieler und Regisseur Giuseppe Spina, der gerade in den Proben zum neuen Sommerstück der Theaterwerkstatt Frauenfeld steckt. Liliana Heimberg kontaktierte Gruppen und Truppen aus dem ganzen Land, sammelte Ideen für die Szenen, traf sich mit allen in Olten und koordinierte: Welche Themen passen zueinander, überschneiden sich Inhalte? So tritt der Thurgau neben einem Urner Frauenchor in den drei Vorstellungen vom 5. bis 7. September auf.

Während die Frauen aus Erstfeld für das Recht auf ihre politische Stimme kämpfen, haben die Thurgauer Milchtansen aus Hagenwil organisiert. Thurgauer Bauern hatten 1918 die Idee, die Revolutionäre auszuhungern und ihnen die Milch zu verweigern – das schien Spina eine interessantere Geschichte zu sein als das Stadt-Land-Gefälle oder die Spanische Grippe. Und sie erfülle genau das, was Liliana Heimberg will: die Geschichten der Menschen von damals erzählen, möglichst anschaulich. So sagt der Regisseur:

«Liliana Heimberg will nicht ein bestimmtes politisches Lager gut aussehen lassen, sondern dass wir die Erlebnisse der Menschen von damals nachfühlen können»

Mitspielen bei einem ­grossen Ganzen

Die Thurgauer Milchsperre ist historisch belegt, doch der Regisseur verändert sie theatralisch: Die Thurgauer fahren mit einem Saurer-Lastwagen (Baujahr 1913!) von Arbon nach Olten und verkaufen nur jenen ihre Milch, die sich den Streikenden nicht angeschlossen haben. Sechs Minuten Zeit haben die zwölf Spieler, zumeist Laien, dafür, denn länger darf keine Szene dauern. Dafür muss niemand ein Wort sagen.

Theaterwerkstatt-Kollege Simon Engeli spielt just dann in Olten – bei Karls Kühner Gassenschau. Doch seine Frau Rahel Wohlgensinger und ihre Kinder werden Milch verteilen, sogar bereits in den Sonderzügen nach Olten. «Die zwölf sind Teil von etwas Grossem, das keiner als Ganzes wird sehen können», sagt Giuseppe Spina.

16.8.–23.9., Olten. Informationen, ausführliches Programmheft und Spieldaten auf 1918.ch

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