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Er ist als Klangwart unterwegs – von Baustelle zu Baustelle

Der Musiker Roman Rutishauser tüftelt in seinem «Container für Unerhörtes» im Lattich St.Gallen an neuen Klangwelten. Eine Auswahl seiner Werke für den Chor feiert am Freitag Premiere.
Bettina Kugler
Roman Rutishauser vor dem «Container für Unerhörtes». (Bild: Urs Bucher)

Roman Rutishauser vor dem «Container für Unerhörtes». (Bild: Urs Bucher)

Sicher, er kennt das auch: die ­Versuchung, «Verweile, Augenblick!» zu rufen. Musik aber ist eine flüchtige Kunst; da wäre eine dauerhafte Bleibe geradezu ein Widerspruch. Der rostige Container auf dem Lattich-Areal ist immerhin schon seit mehr als einem Jahr die Basisstation von Roman Rutishauser. Hier schafft, tüftelt und experimentiert er als musikalischer Raumgestalter, Komponist und «Klangwart».

Einer wie er, der das Schwebende und das Erdenschwere in seiner Arbeit zusammenbringt, muss sich wohlfühlen in einem solchen Gehäuse. Roman Rutishauser war dabei, als ein riesiger Baukran den 7,2 Tonnen schweren Frachtcontainer, der zwölf Jahre lang über die Meere gefahren ist, millimetergenau platziert hat. Jetzt ist sein «Container für Unerhörtes» wärmeisoliert, hat eine Schiebetür und Fenster. ­Königlich dominiert der Flügel den Raum. Draussen vor dem Container verwittert ein altes Klavier. Es verlockt zum Spielen in einem Sinne, wie es der Künstler mag: zum Hineinhorchen in unerforschte Klangwelten. Je länger das Instrument dort steht, je zerbrechlicher es wirkt, desto seltener löst es bei Passanten den «Flohwalzer»-Reflex aus. «Die Idee ist, dass es zurück in die ­Natur geht, eine Metamorphose durchlebt», sagt Rutishauser. Hinter dem Klavier hat er Rosen gepflanzt. In hundert Jahren ­werden sie es wild überwuchert haben. Ob dann einer Dornröschen noch findet und wachküsst?

Er lacht. Poesie ist der Dünger vieler Projekte, die er anpackt und mit denen er unterwegs ist. Vor der Lattich-Halle steht sein blauer Piaggio mit der mobilen Bühne. Ein Fahrzeug für Gärtner und Reparaturbetriebe – oder für «Klangwartungen aller Art» an ungewöhnlichen Orten. Sei es in einer ARA, sei es bei der Schulhauserweiterung in Oberuzwil, wo Roman Rutishauser die Baustelle kreativ aufmischt und alle von ihr Betroffenen einbezieht. Sei es nachts im Archiv des ­Museums im Lagerhaus St. Gallen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Diese Aktion ist Teil seiner «Vier Zwiesprachen unter der Haut», einer Arbeit für die Ausstellung «Backstage».

«Ich war aufgewühlt von dieser Sprache»

Der Auftakt zu den «Zwiesprachen» am heutigen Freitag im Museum of Emptiness in St.Gallen wird zart sein, nichts als ein Nachhall, klingende Leere: So wie die Gedichte der 2013 verstorbenen Lyrikerin Ursula Riklin. Roman Rutishauser hat sie zu Lebzeiten nicht kennen gelernt, dafür umso intensiver durch ihre Texte. Ihr Sohn Mark Riklin schenkte ihm den Lyrikband «Mondsichel mäht im Gras der Träume». «Ich war aufgewühlt von dieser Sprache, dieser Dünnhäutigkeit», sagt Rutishauser. Das wollte er weiter­geben.

So hat er eine Auswahl von Gedichten für den Chor im Lattich vertont, ursprünglich nur zum «Hausgebrauch» – der Wunsch der mit ihm experimentierenden Sänger, die Stücke ­aufzuführen, widerstrebte ihm. Wenn überhaupt, dann wollte er einen anderen Hörzugang als im klassischen Konzert. Der Chor wird zur angekündigten Zeit der Uraufführung um halb neun bereits gesungen haben – im leeren Raum. Was davon bleibt, wird das Publikum aus der Stille ins Lagerhaus mitnehmen. Wo die Mondsichel dann noch einmal für alle hörbar mäht.

Uraufführung am Freitag, 31. August im Museum of Emptiness und im Museum im Lagerhaus St.Gallen.

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