Der nächste Sommer wird ein Verdi-Sommer

Die Opern der Bregenzer Festspiele stehen für die kommenden beiden Spielzeiten fest. 2019 wird die populäre Oper «Rigoletto» aufgeführt. Und auch in St.Gallen hat man sich für ein düsteres Nachtstück von Verdi entschieden.

Rolf App
Drucken
Teilen
Zwei Jahre lang hat Es Devlins grosse Bühnenskulptur zu Bizets «Carmen» das Festspiel-Gelände geprägt. (Bild: Lisa Mathis/Bregenzer Festspiele)

Zwei Jahre lang hat Es Devlins grosse Bühnenskulptur zu Bizets «Carmen» das Festspiel-Gelände geprägt. (Bild: Lisa Mathis/Bregenzer Festspiele)

Nach der letzten Vorstellung auf der Seebühne am kommenden Montag wird Elisabeth Sobotka noch ein paar Tage aufräumen und dann in die Ferien verreisen. Die Intendantin der Bregenzer Festspiele möchte nicht mit ansehen müssen, wenn gleich unter ihrem Büro Es Devlins riesiges Kartenspiel demontiert wird. Es hat die Festspiele als Kulisse für Georges Bizets «Carmen» zwei Jahre lang begleitet, und, wie Elisabeth Sobotka sagt, «uns auch eine enorme Aufmerksamkeit gesichert. Wir sind deshalb schon sehr anhänglich.»

St. Gallen: «Il trovatore»

Auch die St. Galler Festspiele warten vom 28.Juni 2019 an mit einer Verdi-Oper auf. «Il trovatore» ist, wie der unmittelbar zuvor entstandene «Rigoletto», ein düsteres Nachtstück – von dem der Tenor Enrico Caruso gesagt haben soll, es sei ganz einfach, es auf die Bühne zu bringen: Man benötige dazu nur die vier besten Sänger der Welt. Drinnen in der Kathedrale sucht Yuki Mori in ihrem Tanzstück «Desiderium» nach dem Unendlichen. 

Dann beginnt ein neues Kapitel. Vielmehr: Es hat längst begonnen. Denn mit Giuseppe Verdis «Rigoletto» und Giacomo Puccinis «Madame Butterfly» stehen schon die nächsten beiden Opern fest, um die sich die Bregenzer Festspiele 2019/20 und 2021/22 drehen werden – so lange wird in der Welt der Oper im Voraus geplant. Auch alle Sängerinnen und Sänger für «Rigoletto» sind verpflichtet. «Wir haben alle wichtige Rollen dreifach besetzt», sagt Elisabeth Sobotka. Der dichte Spielplan lässt dies geraten erscheinen. Und es kann im rauen Seeklima immer jemand ausfallen.

Was alles für den «Rigoletto» spricht

Was an die Stelle von Es Devlins Kartenspiel bei «Rigoletto» treten wird, bleibt vorderhand ein gutgehütetes Geheimnis. Ein Narrengesicht mit Narrenkappe, dazu ein Zirkuszelt ziert die Collage für die am 17. Juli 2019 startende nächste Saison. In diese Richtung wird die Bühne wohl gehen, für die diesmal der Regisseur Philipp Stölzl selbst zusammen mit seiner Mitarbeiterin Heike Vollmer die Verantwortung trägt. «Ich bin auf Philipp Stölzl zugegangen und habe ihn gefragt, ob er nicht hier inszenieren will», erzählt Elisabeth Sobotka. Aus zwei Gründen: «Erstens kann er das grosse Format und hat das etwa an den Salzburger Osterfestspielen bewiesen. Zweitens habe ich von ihm ganz unterschiedliche Zugänge zu Opern kennen gelernt. Er geht an jedes Stück ganz anders heran.»

In Erstaunen versetzt hat die Intendantin, dass die Bregenzer Festspiele den «Rigoletto» noch nie gemacht haben – diese «dunkle Geschichte, die Verdi in unglaubliche Musik gepackt hat». Denn der «Rigoletto» eignet sich auch sehr für den See. «Gilda stirbt im Wasser, ihre Entführung findet nachts statt, wenn es hier auch dunkel wird. Und: Die Oper hat genau die richtige Länge», sagt Elisabeth Sobotka. Schliesslich: «Rigoletto» ist populär. Auch wenn weder Bizets «Carmen» noch Mozarts «Zauberflöte» zu toppen sind – ihm ist zuzutrauen, dass er Abend für Abend gegen siebentausend Opernliebhaber nach Bregenz lockt, zwei Sommer lang.

Draussen der Hofnarr, drinnen Don Quichotte

Aber ob die Seebühne für das Drama um den Hofnarren und seine Tochter nicht zu wenig ­Intimität ausweist? «Oh, dann hätten wir aber Puccinis ‹La Bohème› nicht machen dürfen», widerspricht Elisabeth Sobotka. «Und wir dürften nicht an ‹Madame Butterfly› denken.» Für bestimmte Situationen eigne sich gerade die Seebühne besonders gut: «Carmens Verlorenheit wirkt auf der Seebühne noch viel drastischer.»

Dass nächsten Sommer draussen der Hofnarr Rigoletto scheitert und drinnen im Festspielhaus der grosse Narr Don Quichotte, das ist – programmatisch gut passender – Zufall. «Ich wollte Jules Massenets ‹Don Quichotte› schon immer mal machen», sagt Elisabeth Sobotka. «Jetzt habe ich in Mariame Clément eine feine Regisseurin gefunden – und in Gabor Bretz einen Sänger, der dieser Figur Glaubwürdigkeit verleiht.»

Aktuelle Nachrichten