ALTDORF: «Alpentöne» von Publikum überrannt

Bläser und Streicher prägten Alpentöne. Das Publikum liess sich auch auf ausgefallenere Projekte ein. Der grosse Besucherandrang hatte aber auch Nachteile.

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So vielfältig war das Festival Alpentöne: Erika Stucky... (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

So vielfältig war das Festival Alpentöne: Erika Stucky... (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Ils Fränzlis da Tschlin. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
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Ils Fränzlis da Tschlin. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Markus Kühnis und die Geschwister Küng. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Markus Kühnis und die Geschwister Küng. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Alpentöne Blasorchester. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Das Alpentöne Blasorchester. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Das Alpentöne Blasorchester. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Erika Stucki und da Blechhauf'n. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Christoph Pfändler. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Erika Stucki und da Blechhauf'n. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Christoph Pfändler. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang im Reussdelta. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang im Reussdelta. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Bauernmusik Altdorf beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Alpin Project beim Klangspaziergang (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Zunderobsi spielt beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Eröffnungskonzert mit Alma. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Fredi M. Murer, Filmemacher, spricht während des Internationelen Musikfestival Alpentöne in Altdorf. (Bild: Keystone)
Alice Heri und Rita Muster von Bandella Millelire. (Bild: Keystone)
Mit alter Bauernmusik wurde das Festival eröffnet. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Mit alter Bauernmusik wurde das Festival eröffnet. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Mit alter Bauernmusik wurde das Festival eröffnet. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Sheephead Project Revival beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Sheephead Project Revival beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Sheephead Project Revival beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Beim Klangspaziergang. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))
Die Schweiz auf Kurzwelle - eine Radioshow. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))

Ils Fränzlis da Tschlin. (Bild: Urs Hanhart (Neue UZ))

50 Konzerte und mehrere tausend Besucher: Die 9. Ausgabe des internationalen Musikfestivals Alpentöne war ein Publikumserfolg. Die Organisatoren wurden von Besuchern fast überrannt. «Vor allem für den Samstag hatten wir eine Nachfrage nach Tickets wie noch nie», sagt Gesamtleiter Hansjörg Felber. «Offensichtlich ist es uns gelungen, ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, das Anklang findet.» Das Renommee sei offensichtlich immer noch am Wachsen.

Der Erfolg hatte indessen eine Kehrseite. «Räumlich gerieten wir an den Anschlag», so Felber. Nicht alle Besucher konnten bei den gewünschten Konzerten dabei sein. «Das tut uns leid. Wir müssen uns für die Zukunft diesbezüglich Gedanken machen.» Das schlechte Wetter hatte hingegen zur Folge, dass auf dem Lehnplatz massiv weniger Besucher als sonst die Konzerte mitverfolgten. Das Zelt war zwar voll, aber ausserhalb davon blieb der Platz im Gegensatz zu früher leer. «Niemand steht gern im Regen», sagt Felber.

Kontrapunkt im Sacklager

Ein schönes und bleibendes Bild: Trotz schlechtem Wetter siegte in Altdorf die Neugier, sich auf musikalische Produktionen einzulassen, wie man sie nicht alle Tage hört und sieht. In vielen kleinen Gruppen spazierten die Leute am Samstag Nachmittag mit Regenschirmen Richtung Bahnhof Altdorf und weiter zum Sacklager der ehemaligen eidgenössischen Getreidemagazine. Studierende der Hochschule Luzern – Musik führten dort eine Klangperformance auf: Eine Schreibmaschine ratterte, Gestalten wandelten durch die Dunkelheit, Texte wurden auf die farbigen Säulen projiziert und geheimnisvolle Klänge auf selbst gebauten Instrumenten erzeugt.

Ein sinnliches Erlebnis, das einen guten Kontrapunkt setzte zur konzertanten und festlichen Seite von Alpentöne. Zwei Stockwerke weiter oben zog die Installation von Urban Mäder und Peter Allamand mit acht Akkordeons und acht Staubsaugern die Aufmerksamkeit auf sich. Sie kam vollends zur Entfaltung, als sich der Akkordeonist Hans Hassler dazu setzte und seine tollkühnen volksmusikalischen Improvisationen mit der Installation in Dialog treten liess.

Alpentöne-Orchester überzeugt

Der konzertante Teil von Alpentöne begann am Samstag mit der spannend besetzten Formation Alpini Vernähmlassig (Streicher, Hackbrett, Akkordeon), die überzeugte. Mit dieser Professionalität ging es weiter, als das Alpentöne-Blasorchester auf die Bühne trat (Leitung Michel Truniger) und Kompositionen von Markus Flückiger intonierte. Der exzellente Schwyzerörgeler schrieb vier Kompositionen, die gelegentlich nordischen und jazzigen Hintergrund durchblicken liessen. Dabei waren auch weit mehr Emotionen im Spiel als am Abend zuvor beim Unterhaltungsorchester. Das Alpentöne-Blasorchester zeigte sich in exzellenter Verfassung, die Solisten überzeugten.

In der Pfarrkirche wieselte die Appenzeller Streichmusik-Formation der Geschwister Küng mit heiterer Innigkeit durch ihre Stücke. Die Musik erinnerte an entrückte Salonmusik und liess punktuell auch osteuropäische Einflüsse durchschimmern. Und beim wunderbar intonierten Zäuerli von Noldi Alder war man sicher: Dieser Soul verlangsamt die Welt. Einen Kontrast dazu setzte Organist Markus Kühnis.

Zu den schrägen Projekten gehörte die Sängerin und Performerin Erika Stucky, die zusammen mit den formidablen Bläsern von «da Blechhauf’n» (A) eine psychedelisch eingefärbte Version von Geier-Wally auf die Bühne brachte. Stucky kreierte ein Schattentheater, in dem sie als übergrosse Figur wie eine Alpenschamanin die Hippie-Szenerien ihrer Kindheit durchmass und dazu die entsprechenden Rock- und Popsongs interpretierte. Man konnte nicht anders, als diese sanft chaotische Melange zu lieben. Stucky und der Blechhaufn harmonierten genial.

Alpin-Beat

Auf dem Lehnplatz war gleich mehrmals der junge Hackbrett-Rocker Christoph Pfändler zu hören. Einmal mit der eigenen Formation Antichris, später mit dem Alpin Project um Thomas Aeschbacher und Balthasar Streiff, das Volksmusik mit Elektro verband.

Trotzdem stand der Lehnplatz mit der Vielfalt seiner einheimischen Klänge und populäreren Produktionen auch dieses Jahr als unerschütterlicher Fels in der Brandung von Alpentöne. Ein Erlebnis war am Sonntag erneut der Klangspaziergang, auch wenn das Wetter sich nicht gerade von der sonnigen Seite zeigte. Für ein eigenwilliges Hörerlebnis sorgten Christian Zehnder, Gregor Hilbe und Matthias Loibner. Ihr Projekt Oloid war eine beeindruckende Live-Performance mit Stimme, Schlagwerk und archaischen Sub-Bässen von hölzernen Orgelpfeifen. Ergänzt wurde das Trio durch die einzigartigen polyfonen Gesänge von Ndima, einer Pygmäen-Gruppe des zentralafrikanischen Regenwaldes. Was bei Alpentöne über die Bühnen ging, machte deutlich, dass dieses Festival mehr denn je eine Entdeckungsreise wert ist.


Pirmin Bossart und Markus Zwyssig

 

Balthasar Streiff und... (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Balthasar Streiff und... (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

... Christoph Pfändler. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

... Christoph Pfändler. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)