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ALTDORF: Leicht verdauliche Klassik

Die Konzertreihe «Weltklassik am Klavier!» gastiert in Altdorf. Der russische Pianist Mikhail Mordvinov präsentierte ein Programm voller Klassik-Hits. Valentinstagsgefühle kamen aber keine auf.
Katharina Thalmann
Mikhail Mordvinov spielte am Mittwoch im Foyer des Theater Uri. Bild: PD (Bild: PD)

Mikhail Mordvinov spielte am Mittwoch im Foyer des Theater Uri. Bild: PD (Bild: PD)

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Bei kalter Winterbise geht’s in Altdorf vorbei am Telldenkmal ins Theater Uri. Doch das Konzert findet nicht etwa im Theater statt, sondern im Foyer. Dort hängt ein schwarzer Vorhang, blau-weiss beleuchtet, und davor steht ein Flügel. Das Publikum sitzt mitunter in Daunenjacken da, es ist zugig-kühl. Erwärmt werden soll das Setting durch Mikhail Mordvinov: laut Homepage ein «Poet zwischen Orkan und Sommerbrise» – das klingt vielversprechend.

Die «Weltklassik»-Reihe findet in Altdorf einmal im Monat statt, ebenso in Bern und Alpnachstad. In Interlaken gastiert sie dreimal jährlich. Das sind aber nur die Schweizer Austragungsorte: Über vierzig weitere Orte werden in Deutschland und den USA bespielt. 15 Jahre nach der Gründung verfügt «Weltklassik am Klavier!» in der Schweiz über einen Pool von zwölf Solopianistinnen und einem Klavierduo. Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell: Die Musiker scheinen laut Terminkalender alle von Spielort zu Spielort zu reisen, um Musikfreunde jenseits der grossen Metropolen zu beglücken.

Kein Glanz vom Flügel

In diesem Falle ist das am Aschermittwoch Altdorf. «Das Ambiente hier ähnelt der Fastenzeit», ­witzelt ein Herr in der kurzen ­Einführung. Dann tritt Mikhail ­Mordvinov auf, platziert sein ­Notenheft und hebt an zu Bachs chromatischer Fantasie und Fuge in d-Moll. Etwas sei vorausgeschickt: Kein Musiker und keine Musikerin betritt die Bühne mit der Intention, nicht sein oder ihr bestes Spiel zu zeigen. Doch der Bechstein-Flügel klingt dumpf – da hilft auch Mordvinovs differenzierter Pedalgebrauch nichts, mit dem er versuchte, ein bisschen Wärme zu zaubern. Dem Instrument ist kein Glanz zu entlocken, die Fantasie gelang trotzdem. Doch während der Fuge beschleicht einen der Verdacht, dass der «Ausnahmepianist» (so die Homepage) ab Blatt spielt. Mordvinov ist bisweilen so sehr auf den Notentext fixiert, dass sich Temposchwankungen und Rubati in sein Spiel schleichen. Und aufgrund des Flügels kommt seine «vom Kindesalter ausgebildete Anschlagskultur» leider nicht zum Tragen.

Die unterkühlte Stimmung im Theaterfoyer ändert sich auch bei Beethoven nicht: Mordvinov lässt dessen Sonate op. 27 Nr. 1 ohne grössere Überraschungen vorüberziehen. Es sei ihm nicht zu verübeln, ist es doch in diesem Rahmen kaum möglich, romantische Valentinstagsstimmung heraufzubeschwören.

Weiter geht es mit Beethovens op. 7 Nr. 2, besser bekannt als «Mondscheinsonate». Die Komposition kann zu Schwärmereien verführen. Jedoch: Musik überwindet nicht immer alle Hindernisse. Und nicht einmal Meister Beethoven ist stark genug, um dem kühlen Theaterfoyer Wärme zu verleihen. Das Finale gestaltet Mordvinov als ungestüme bis ­unkontrollierte Verfolgungsjagd zwischen linker und rechter Hand.

Funktionierendes Netzwerk

Der niederschwellige Zugang zur Musik scheint sämtlichen «Weltklassik»-Akteuren wichtig zu sein: Die Altdorfer und Alpnachstader Reihe wird mitgetragen von mypianoline.com, einem Kursangebot aus Alpnachstad, mit dem «Klavier spielend einfach» erlernt wird. Der Eintritt ist bis 18 Jahre frei, der Eintrittspreis von 25 Franken liegt im Rahmen des Erschwinglichen.

Und das Theater Uri bietet laut Homepage «hochstehende Kultur, ohne elitär zu sein». Mit etwas mehr menschlicher Wärme wäre das Foyer als Spielstätte in Ordnung: Dank der Bar könnte eine ungezwungene Atmosphäre entstehen, die strengen Stuhlreihen könnten etwa durch kleine Tischchen oder durch eine Anordnung rund um den Flügel aufgelockert werden.

«Weltklassik» scheint ein gut funktionierendes Netzwerk zu sein, das zwar abseits der breiten Masse operiert, aber dafür leicht verdauliche Konzertprogramme in die Ortschaften bringt. Dennoch: Es finden sich zu viele Superlative und Ausrufezeichen auf der Homepage und im Programmheft.

So werden nicht nur die Erwartungen an die Pianisten und Pianistinnen hochgeschraubt, sondern auch an den Veranstaltungsrahmen, die Qualität des Instruments und den allgemeinen Event-Charakter. Wenn ­diese dann nicht erfüllt werden, sondern im Gegenteil zu blosser Hülle verkommen, spart man sich bisweilen Schumanns «Kreisleriana» und enteilt dem Geschehen lieber. So geschehen am Valentinstag in Altdorf.

Hinweis

Nächste Konzerte in Alpnachstad: 18.2. und 18.3.; nächste Konzerte in Altdorf: 14.3. und 18.4.

Infos: www.weltklassik.de

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