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ALTDORF: Markus Kummer – Archivierte Arbeitsspuren

Auf zwei Stockwerken bespielt der gebürtige Zuger Künstler Markus Kummer die Räume und den Hof des Hauses für Kunst Uri. Die Ausstellung ist einem streng minimalistischen Konzept verpflichtet.
Tiziana Bonetti
Lithografien des Künstlers Markus Kummer im Danioth-Pavillon des Hauses für Kunst Uri. (Bild: Haus für Kunst Uri/FX)

Lithografien des Künstlers Markus Kummer im Danioth-Pavillon des Hauses für Kunst Uri. (Bild: Haus für Kunst Uri/FX)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Schon vor dem Betreten des Hauses für Kunst Uri in Altdorf fallen im gekieselten Hof drei Findlinge auf, die man zunächst kaum mit Kunstexponaten in Verbindung bringen würde. Doch bei näherer Betrachtung sieht man, dass die Steine von Menschenhand bearbeitet wurden: Der Künstler Markus Kummer (* 1974) hat die über Jahrtausende durch Naturprozesse geformten Steine für seine Arbeit «Bor­dure» (2016) zersägt und mit Mörtel wieder zusammengeflickt. Die eigentümliche Struktur und Faserung der Steine steht in Kontrast zum radikalen Eingriff des Künstlers durch das Zerteilen und Wiederzusammensetzen des robusten Materials. Obwohl er den Findlingen wieder ihre ursprüngliche Form verliehen hat, zeugen die durch die Sägearbeit zurückgebliebenen Spuren von der Bearbeitung des Steins.

Dem Material Stein verpflichtet ist auch die Arbeitsserie «#121» (2017), die der Ausstellung zu ihrem Titel verholfen hat. Für sie hat Kummer auf die unbearbeitete Rückseite aller Drucksteine des international frequentierten Druckateliers von Thomi Wolfensberger zurückgegriffen.

Ein Inventar von Drucksteinen

Während die Vorderseiten der unterschiedlich grossen Kalksteine für neue Druckaufträge abgeschliffen wurden, haben sich auf deren porösen Rückseiten vom Herumtragen auf dem Boden fein ziselierte Kratzspuren eingeschrieben: Gezeichnet von den seit der Gründung der Druckerei 1902 an ihnen vollzogenen Arbeitsprozessen, weisen die Steine rückseitig eine ihnen je eigentümliche Reliefzeichnung auf. Gerade an dieser abstrakten, bildhaften Reliefierung interessiert, stellte Kummer in Zusammenarbeit mit Wolfensberger durch ein Hochdruckverfahren Schwarz-Weiss-Abdrucke der Steinrückseiten auf grossformatigem Papier her. Die entstandene Serie, die an den Wänden dreier Ausstellungsräume hängt, lässt sich als Archivierung und Inventarisierung der Drucksteine lesen: Versehen mit einer Nummer zwischen 1 und 121, erhalten sie eine eigene Identität.

Installation mit Granitfindling

Im oberen Stockwerk des Hauses ist die anlässlich der Ausstellung entstandene Installation «Once upon a time» (2017) zu sehen: Auf einem Tischgerüst aus Stahl ist ein in der Hälfte zersägter Granitfindling platziert. Während Kummer die raue Oberseite des Steins im Rohzustand belassen hat, zeigt sich beim Blick unter das Gestell die bei Ablageplatten vertraute rot-grüne Maserung polierter Granitflächen. Die Installation besticht durch die Spannung, die aus dem Kontrast zwischen dem schmalen Gerüst und dem massiven Granit evoziert wird.

Ein Gegengewicht zur Ausstellung stellt die Bodeninstallation «Substanzieller Abtausch» (2016) dar: Sieben zusammengepuzzelte Sperrholzplatten sind mit einer glänzenden Beschichtung aus Marmorimitat versehen. In den ritzenartigen Spalten zwischen den Platten stecken scheinbar wahllos Fetzen gefundener Werbeflyer und Verpackungen diverser Haushaltsartikel und Nahrungsmittel. In dieser Arbeit tauscht Kummer, den Titel seiner Arbeit buchstäblich ernst nehmend, das preziöse, schwere Material des Marmors durch den schönen Schein des Imitats ab respektive aus. Dieser allerdings erfährt durch die Präsenz des farbigen Altpapiers in den Spalten eine ironische Brechung. Indem in dieser Arbeit das künstliche und nicht zuletzt leichtere Material des Steinimitats zum Einsatz kommt, erzeugt Kummer einen interessanten Kontrapunkt zu den anderen ausgestellten Arbeiten, in welchen die Schwere und Haptik des Materials Stein im Fokus steht.

Heinrich Danioth miteinbezogen

Nicht zuletzt gelang es Kummer, den Urner Künstler Heinrich Danioth (1896–1953) in die Ausstellung einzubeziehen. Aus dem Archiv des Danioth-Pavillons hat Kummer zwei Rechen geholt. An ihrer Gitterstruktur sind mit Metallhäkchen 13 Frauenporträts von Danioth befestigt, die nun auch von der Rückseite bestaunt werden können.

Mit «#121» ist es sowohl dem Künstler als auch der Kuratorin Barbara Zürcher gelungen, eine hervorragende Ausstellung zu arrangieren, in der auf diverseste Weise das Material Stein thematisiert wird; sei es durch die materielle Manifestation des Steins selbst, durch den Abdruck seiner Oberfläche oder durch sein Imitat.

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