Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ANDERMATT: Die Lucerne Festival Strings eröffnen das Klassik-Osterfestival

Das Eröffnungskonzert des Klassik-Osterfestivals in Andermatt bot einen veritablen Gala-Abend – zumindest beinahe. Doch dies soll erst der Anfang einer grossen kulturellen Zukunft sein.
Roman Kühne
Der Waldhornist Ivo Gass mit den Lucerne Festival Strings. (Bild: Peter Fischli/Swiss Chamber Music Circle (Andermatt, 25. März 2018))

Der Waldhornist Ivo Gass mit den Lucerne Festival Strings. (Bild: Peter Fischli/Swiss Chamber Music Circle (Andermatt, 25. März 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Sie haben Grosses vor in Andermatt. Mit dem Hotel Chedi wurde in der Hotellerie bereits ein Leuchtturm geschaffen. Nun soll die Region auch kulturell nachziehen. Dabei wird nicht mit der kleinen Kelle angerichtet. Ende Jahr wird die Andermatt Concert Hall ihre Türe öffnen, ein futuristischer Saal mit 600 Plätzen. Vom Sinfonieorchester bis zur Rockband soll alles möglich sein. Zu grossspurig und übertrieben?

In Andermatt steht ein Mann dahinter, der schon mehrfach gezeigt hat, dass er seine Ideen verwirklichen kann. Seit über zehn Jahren baut und plant der Ägypter Samih Sawiris an seinem Alpenresort. Der Investor ist auch überzeugt von seinem neuesten Projekt. «Um sich international zu positionieren braucht es neben der Exzellenz in Hotels und In- frastruktur auch ein kulturell hochstehendes Angebot», erklärt Sawiris. Dafür arbeitet er auch mit dem Lucerne Festival zusammen. «Wir können in der Kultur keine Kompromisse eingehen», ist Sawiris überzeugt. «St. Moritz oder Gstaad kennt man. Beide Orte sind schon lange da. Wir müssen unseren Platz erst noch behaupten.»

Schleier der Liebe

Dafür wird jetzt schon mit bekannten Solisten und Orchestern die Basis gelegt. Im Juni wird zum Beispiel der Pianist Lang Lang ein Konzert geben. Am aktuellen Osterfestival des Swiss Chamber Music Circle wird vorerst noch auf regionale Klasse gesetzt – allerdings mit internationaler Ausstrahlung. Am Eröffnungsabend sind dies die Lucerne Festival Strings und der Waldhornist Ivo Gass. Der Musiker, Solohornist des Zürcher Tonhalle-Orchesters und Mitglied des Lucerne-Festival-Orchesters, überzeugt in der Kirche St. Peter und Paul. Er spielt Wolfgang Amadeus Mozarts drittes Konzert für Horn und Orchester.

Und wie viele von Mozarts Konzerten orientiert sich auch dieses an der menschlichen Stimme, setzt die reichen Farben des Waldhornes fast gesanglich ein. Mit seinen weichen, seidenen Modulationen, einem weiten Atem und sprechender Vielschichtigkeit entwickelt Ivo Gass eine singende Interpretation aus einem Guss. Schön zeichnet er die Tristesse des langsamen Mittelsatzes.

Auch in der «Romance» von Camille Saint-Saëns, einer quasi filmreifen Musik, öffnet er mit seinem Waldhorn weit den Raum, ein sehnsüchtiges Herz im Schleier der Liebe. Am Schluss hat Ivo Gass dann noch die Möglichkeit technisch zu brillieren. In der «Villanelle für Horn und Kammerorchester» von Paul Dukas, 1906 geschrieben als Prüfungsstück für die Pariser Hornklasse, geht er mit Brillanz durch die Stopftöne, raschen Tonleitern und Naturhornklänge, sorgt für den Gala-Moment dieses Eröffnungsabends.

Ohne Dirigent bis in die Moderne

Die Lucerne Festival Strings begleiten hervorragend, lebendig und intensiv. Mit dem Siegfried-Idyll von Richard Wagner geht das Orchester gleich zu Beginn des Konzertes ein Wagnis ein. Denn der Konzertmeister Daniel Dodds leitet, ganz dem Selbstverständnis der Musiker entsprechend, spielend vom 1. Pult aus. Das Ensemble dehnt ja schon seit längerem sein Repertoire ohne Dirigent auf modernere Epochen bis in die Romantik aus. Und Daniel Dodds macht dies hervorragend. Die wellende Bewegung des Stückes, der schwebende Charakter wird schwerelos aufgenommen und umgesetzt. Organisch wandert der Klang auf und ab, wird das Kirchenschiff teils fast sinfonisch mit Schall gefüllt.

Die finale «Linzersinfonie» von Mozart spielt das Orchester kantig, mit vielen Betonungen und Akzenten. Leider gehen hier die Finessen etwas unter, erreicht das Stück nicht das Niveau der restlichen Aufführung. Die Naturtrompeten fügen sich nicht recht ins Orchester ein, sind oft dominant, teils grob im Klang.

Durch das Programm führt die Fernsehmoderatorin Sabine Dahinden. Sie macht dies mit Charme und Eleganz, wobei der Mehrwert für den Abend allerdings überschaubar bleibt. Das Publikum verdankt das über weite Strecken inspirierende Konzert mit einer Standing Ovation.

Hinweis

Klassik-Osterfestival in Andermatt bis und mit Ostermontag, 2. April. Informationen: www.swisschamber-musiccircle.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.