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ANDERMATT: Kirchenraum bietet ein Fest der Sinne

Ein sehr klassisches Programm, aufregend interpretiert: Die Festival Strings Lucerne und der Schweizer Flötist Sébastian Jacot eröffneten am Sonntag die dritte Ausgabe des Osterfestivals Andermatt.
Katharina Thalmann
Am Eröffnungskonzert setzte auch die Lichtregie immer wieder neue Akzente. (Bild: Peter Fischli/Osterfestival Andermatt (9. April 2017))

Am Eröffnungskonzert setzte auch die Lichtregie immer wieder neue Akzente. (Bild: Peter Fischli/Osterfestival Andermatt (9. April 2017))

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Festival Strings haben ein volles Wochenende hinter sich: Im Rahmen des Lucerne Festival zu Ostern hatten sie seit dem 7. April am Meisterkurs Dirigieren mit Bernard Haitink gespielt. Dieser ging am Sonntag zu Ende – und die Strings reisten direkt nach Andermatt, um das nächste Osterfestival zu eröffnen. Das war mit ein Grund dafür, dass das Konzert erst zu später Stunde um halb neun Uhr begann.

Zum Auftakt erklang Johann Sebastian Bachs «Drittes Brandenburgisches Konzert». Im ersten Satz mussten sich alle an die aussergewöhnliche, aber schöne Akustik in der Pfarrkirche St. Peter und Paul gewöhnen – sowohl die Spieler als auch das Publikum. Fast schien es, als würde das sonst so pointierte Spiel der Strings von der Akustik nivelliert. Das Festivalmotto lautet: «Das Auge hört mit.» Und tatsächlich waren einige witzige Surround-Effekte wie kaskadenartige Einsätze der Stimmen mehr sichtbar als hörbar.

Gedämpfte Klänge entfalten sich wunderbar

Das Andermatter Osterfestival meint mit dem Motto jedoch eher die ausgeklügelte Lichtregie: ­Danièle Florence Perrin tauchte den Altarraum und die Seitenwände für jeden Satz des Konzerts in ein anderes Licht. Wenngleich die Musik in Kombination mit der opulenten Ausstaffierung der Barockkirche im Prinzip schon genug Sinneseindrücke bot, verlieh die Beleuchtung dem Gehörten eine weitere synästhetische Ebene.

Die Flexibilität, durch die sich die Strings auch auszeichnen, wurde im dritten Satz deutlich: Die akustischen Herausforderungen waren nach einer ausladenden Solokadenz von Konzertmeister Daniel Dodds bewältigt.

Der gedämpfte Klang von Jean Sibelius’ Impromptu für Streichorchester entfaltete sich im Kirchenraum wunderbar; die tiefen Streicher erinnerten bisweilen fast an Orgelklänge. Die Strings spielten das ganze Konzert im Stehen – einerseits wegen der doch etwas engen Platzverhältnisse, aber eben auch, weil die Bewegungsfreiheit im Stehen grösser ist. Und besonders im tänzerischen Abschnitt des Impromptus war es eine Freude, zu beobachten, wie spontan sich die Musiker bewegten.

«Gefühlsduseliger» Bach-Sohn

Durch den Abend führte die SRF-Moderatorin Sabine Dahinden: Charmant erläuterte sie in wenigen Sätzen die Stücke. Zu Carl Philipp Emanuel Bachs «Flötenkonzert in d-Moll» sagte sie, dass Zeitgenossen die Kompositionen des erfolgreichsten Bach-Sohns bisweilen als «gefühlsduselig» bezeichnet hätten. Und tatsächlich: Jeder Note hört man die sich ankündigende Aufklärung des 18. Jahrhunderts an.

In der damit verbundenen Empfindsamkeit liegt die Herausforderung für den Solisten. Der Schweizer Flötist Sébastian Jacot meisterte diese mit Leichtigkeit: Mit seinem jugendlich-unangestrengten Ton mäanderte er durch die Partitur und schattierte alle möglichen Gefühls­lagen äusserst differenziert. Der zweite Satz wirkte wie ein Vorbote der mozartischen Klassik, und Jacot gestaltete seine Kadenz mit zartem Vibrato und hoch empfindsamem Gestus. Umso erfrischender dann der fast übermütige Flöteneinsatz im dritten Satz.

Nach der Pause folgten in der allmählich sich abkühlenden Kirche zwei weitere Suiten, die «Holberg-Suite», mit der Grieg sich in die barocke Zeit des Dichters Ludvig Holberg komponierte, und eine originale Barock-Suite von Bach.

Auf das spritzige Präludium und die nachdenkliche Sarabande folgte im Werk von Grieg eine frühlingshafte Gavotte. Das Air und der Rigaudon gelangen transparent, und sogar die reizvollen Nebengeräusche der Instrumente wie das Kratzen der Bögen in virtuosen Passagen waren jetzt hörbar – die Festival Strings reagierten immer differenzierter auf die Akustik der Kirche.

Risikofreude zu später Stunde

Zum Schluss also noch einmal Vater Bach mit seiner Suite in h-Moll. Wieder trat Sébastian Jacot auf, diesmal als engagierter Partner, der eng mit Konzertmeister Daniel Dodds interagierte. Der letzte Satz, die Badinerie, wurde als Zugabe wiederholt – mit noch mehr Spontaneität und risikofreudigen bis halsbrecherischen Verzierungen. Eigentlich könnte die Suite durchgehend so kühn gespielt werden.

Zu später Stunde wurden die Konzertbesucher mit einer Mausmatte als Give-away beschenkt und ins Hotel Chedi zum Apéro geladen. Das luxuriöse Ambiente des Hotels steht vielleicht stellvertretend für die grossen Ambitionen des Andermatter Osterfestivals. Bei Darbietungen auf einem musikalischen Niveau wie im Fall der Festival Strings sind solche Ambitionen berechtigt.

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