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ANDERMATT: Temporausch mit Folklore-Flair

Das Trio Fontane und Nicolas Senn überzeugten beim Osterfestival mit ungewöhnlichen Arrangements. Ihr hinreissendes Zusammenspiel verleitete das Publikum zu Begeisterungsstürmen.
Gerda Neunhoeffer
Das Trio Fontane und Nicolas Senn am Hackbrett fanden wunderbar zueinander. (Bild: Peter Fischli/Swiss Chamber Music Circle (28. März 2018))

Das Trio Fontane und Nicolas Senn am Hackbrett fanden wunderbar zueinander. (Bild: Peter Fischli/Swiss Chamber Music Circle (28. März 2018))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

«Vo Lozärn gäge Weggis zue» und Rossinis Ouvertüre aus «Wilhelm Tell», Haydn, Brahms und eine Uraufführung: All dies zeigt die Spannweite von «Klassik trifft Folklore» in Andermatt am Mittwochabend. Das vierte Klassik-Osterfestival des Swiss Chamber Music Circle hat steigende Besucherzahlen und bietet neben seiner Förderung junger Preisträger in allen Konzerten exzellente Qualität. Dass der Kanton Uri sich finanziell beteiligt und immer mehr private Sponsoren gewonnen werden, zeigt den Stellenwert des Festivals in Andermatt.

Mit den Festival Strings Lucerne, die in diesem Jahr drei Konzerte bestreiten, mit dem Chor Audite Nova Zug und ins­gesamt drei Uraufführungen weitet sich das Festival aus. Nächstes Jahr wird das Ensemble Corund aus Luzern am Karfreitag die Matthäuspassion von Johann ­Sebastian Bach aufführen.

Ein Abend auch zum Schmunzeln und Lachen

Dass inzwischen auch internationales Interesse geweckt wurde, berichtete Intendant Jörg Conrad: So waren Gäste aus Michigan (USA) für das Konzert des Belenus-Quartetts extra gekommen, für Messias am Karfreitag ist eine Gruppe aus Alicante angereist. Conrad sieht zuversichtlich in die Zukunft, mit der Bandbreite von Kammermusik über Kammerorchester, Chorkonzert und Cross-over bis World Brass hat sich das Festival schon jetzt gut eingeführt. Und die Standing Ovations bei jedem Konzert unterstreichen das ausdrücklich.

Das preisgekrönte Trio Fontane (die Damen in glitzernden Abendkleidern) bot zusammen mit Nicolas Senn (in Tracht) einen Konzertabend der besonderen Art. In der Barockkirche St.Peter und Paul brachten sie die vielen Zuhörer zum Schmunzeln, gar Lachen und zu immer wieder begeistertem Applaus. Nicht zuletzt auch wegen der kurzweiligen Erläuterungen zu den einzelnen Stücken, die abwechselnd von allen vier Künstlern mit Charme eingestreut wurden. Und dass sie vieles auswendig spielten, intensivierte den hervorragenden Zusammenklang.

Nicolas Senn spielte virtuoseste Passagen mit müheloser Leichtigkeit und blickte dabei verschmitzt lächelnd ins Publikum. Jedem der vielen Musik­stücke wurde spezieller Charakter verliehen, und das sichtbare Vergnügen während des Musizierens übertrug sich auf die Zu­hörer. Die Variationen über «Schönster Abendstern» lebten von starken Gegensätzen, die vom seelenvollen Cellospiel von Jonas Kreienbühl bis hin zur rhythmisch ausgefeilten Begleitung in Klavier (Andrea Wiesli) und Hackbrett reichten. Die «Rhapsodie pour un gitan» von Boris Mersson (1921–2013), eigentlich ein Violinkonzert mit Orchester, war im Arrangement des Trio Fontane ausgesprochen reizvoll.

Noelle Grüebler liess ihre Geigentöne leidenschaftlich aufleuchten, während die Begleitung von Klavier und Hackbrett in schillernden Klangfarben orchestrale Tiefe hinzufügte. Wie sich diese beiden Instrumente ­ergänzten und abwechselten, gab immer wieder überraschende ­Effekte. Bekannte Volksweisen bis hin zu Wilhelm Tell wurden im Medley «Viva Volksmusik» stimmungsvoll aneinandergereiht.

Uraufführung über Töfflitour

In der Uraufführung «Mitem Töffli öber de Gotthard» von Nicolas Senn, das der Bevölkerung des Urserntales gewidmet ist, konnte man die teils lustige, teils anstrengende Tour hautnah miterleben. Senn hatte seine Erlebnisse (ein Foto beweist, dass es wirklich ein Töffli war) mit einer zunächst heiteren Melodie umgesetzt, das Thema zog sich bis zur stürmischen Abfahrt durch. Die Strapazen klangen in klagendem Moll mitleiderregend – aber nach guter Rast ging es dann von der Pass­höhe munter wieder ins Tal. Das Publikum war begeistert.

Rassig klang das Rondo aus Joseph Haydns Zigeunertrio, und in «Hoch aufm Berg, tief im Tal» von Johannes Brahms sangen sogar alle vier die erste Strophe, bevor sie dann doch lieber zu ihren Instrumenten zurückkehrten. Was auf dem Cello alles möglich ist, demonstrierte Jonas Kreienbühl in seinem Solo «Zogeamboge», bevor es mit dem berühmten Csárdás von Vittorio Monti ungarisch feurig wurde. Wie Verzögerungen zelebriert wurden, um umso vehementer in den nächsten Geschwindigkeitsrausch zu stürzen, war phänomenal.

Hinweis

Für die Konzerte von heute bis Montag gibt es noch Karten. www.SwissChamber-MusicCircle.ch

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