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ANDERMATT/AIROLO: Der Rote Tod bestraft den Hochmut im Kristallsaal

Am Samstag ist das neu gegründete Swiss Alps Classics Festival zu Ende gegangen. Das «Konzert im Berg» mit der Rezitatorin Isabel Karajan machte den engen Bezug zur alpinen Welt besonders deutlich.
Isabel Karajan rezitiert die unheimliche Geschichte, wie der Rote Tod eine abgeschottete Gesellschaft holt. (Bild: Swiss Alps Classics (1. Juli 2017))

Isabel Karajan rezitiert die unheimliche Geschichte, wie der Rote Tod eine abgeschottete Gesellschaft holt. (Bild: Swiss Alps Classics (1. Juli 2017))

Rote Farbe, ein maskierter Tod und ein strahlender Riesenkristall, angeblich der grösste der Welt: Dies waren die hauptsächlichen Ingredienzien des Rezitationsabends im Rahmen des Swiss Alps Classics Festival, das gestern Samstag zu Ende ging. Zur Aufführung kam die «Conte Fantastique» für Harfe und Streichquintett von André Caplet (1878–1925) nach der Erzählung «Die Maske des Roten Todes» von Edgar Allan Poe.

Nachdem man den Eingangsstollen der ehemaligen Festung und heute zu einem Museum umgewandelten Sasso San Gottardo nahe des St.-Gotthard-Hospizes durchquert hatte, betrat man den höhlenartigen Kristallsaal tief im Berg. Vom Kristall war noch keine Spur zu sehen, stattdessen hatte man hinter sich eine schwarze Wand, vor sich zwei Spiegel am nackten Felsen, links eine mit Leichentüchern vermummte Gestalt, rechts das Podium, auf dem die Harfe mit dem Swiss Alps Chamber Ensemble Platz genommen hatte. Bald schälte sich aus der Vermummung die hagere Figur der Isabel Karajan, die ihrem berühmten Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ist, in einem langen, scharlachroten Gewand heraus. Und sie rezitierte die 1842 erschienene unheimliche Geschichte, die den französischen Komponisten André ­Caplet, einen Schüler Claude Debussys, zu seiner Orchesterstudie «Le Masque de la Mort Rouge» inspiriert hatte.

Tödliche Abschottung

Es handelt sich um eine Horrorgeschichte vom Hochmut einer privilegierten Menschengruppe, die sich über die Gebote der Menschlichkeit hinwegsetzt. Prinz Prospero zieht sich mit Rittern und Hofdamen in einen prächtigen Palast zurück. Sie schliessen sich hermetisch ab gegen die Umwelt, um sich vor der wütenden Pest zu schützen. Es kommt zu ausgelassenen Gelagen, Tänzen und schliesslich zu einem grossen Maskenfest. Nur der jede Stunde ertönende Schlag einer schwarzen Riesenuhr im letzten Gemach des Palastes lässt die Gesellschaft kurz erschauern.

Aber als nach dem zwölften Schlag eine in Leichentücher gehüllte Maske erscheint, verbreitet sich Entsetzen. Wütend stellt sich der Prinz dem Eindringling entgegen, doch er sinkt nach kurzem Kampf entseelt zu Boden. Es war der Rote Tod selbst, der in den Palast gedrungen war. Denn die entsetzten Festbesucher fanden hinter der Leichenmaske nichts Fassbares, sie war leer, und auch sie mussten sterben.

Regie (Klaus Ortner), Technik und Licht (Gerrit Sardemann) verzichteten ganz auf vordergründige Effekte, um den Horror darzustellen, und erreichten damit nur umso grössere Wirkung. Raffiniert subtil und wohlüberlegt in Sprache und Gestik und dadurch umso intensiver war auch der Vortrag der Rezitatorin. Er verband sich präzis mit den scharfen musikalischen Bildern, mit denen das Instrumentalensemble plastisch den Raum füllte. Es war ­eigens für das Festival gegründet worden, in ihm wirkten mit Clemens Hellsberg der künstlerische Leiter des Festivals und seine beiden Söhne Dominik und Benedikt mit. Die ist ein weiteres Zeichen dafür, wie ernst es den Festivalgründern ist.

Starke Klänge unterstreichen Schönheit von Poes Sprache

Im Mittelpunkt stand indes die Harfenistin Ursula Fatton, die mit ungemein ausdrucksstarken Klängen die Schönheit und Kraft von Poes Sprache unterstrich. Etwa in der Mitte des Vortrags erschien plötzlich in den beiden Spiegeln, leicht rötlich angefärbt, das Kristallwunder, denn die schwarze Wand war hochgezogen worden. Man erblickte, wenn man sich umwandte, den Schatz in seiner vollen Pracht. Wollte man damit die unverrückbare, ewige Natur der Finsternis und Verwesung gegenüberstellen, die der Rote Tod hinterliess? Dass die bildhaft-expressive Musik Caplets direkt in die melodiöse und tief innige, in Mozarts Todesjahr entstandene Motette «Ave verum» überging, lässt darauf schliessen.

Der hohe Anspruch, mit dem das Festival startete, ist mit diesem musikalisch-literarischen Abend nochmals unterstrichen worden. Bleibt zu hoffen, dass es sich neben dem von Jörg Conrad geleiteten Osterfestival Swiss Chamber Music Circle im Sawiris-Resort behaupten kann.

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

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