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Dichterin trifft Pianisten: Poetisch zarte Dialoge am Flügel

Kit Armstrong hat Gedichte der deutschen Lyrikerin Ulla Hahn vertont – an der Schubertiade in Hohenems wurden die Lieder diese Woche uraufgeführt.
Bettina Kugler
Ulla Hahn auf Schuberts Spuren, Kit Armstrong lauscht am Flügel: bereit, mit ihr in Dialog zu treten. (Bild: PD)

Ulla Hahn auf Schuberts Spuren, Kit Armstrong lauscht am Flügel: bereit, mit ihr in Dialog zu treten. (Bild: PD)

Mag sein, dass es ein neblig trüber Tag war, der 19. November 1828; ein kalter, unfreundlicher, wie in der «Winterreise» An einem solchen Tag macht sich der Dichter und Wanderer unter den Komponisten auf den Weg, zum letzten Mal. Doch als er dann im Himmel eintrifft, laufen die Engel eilig herbei, stimmen freudig ein und singen mit Schubert. Mozart dreht eine Pirouette, Cherubino umarmt ihn, die heilige Cäcilia küsst ihn auf die Stirn: eine tröstliche Vision für einen bewölkten Spätnachmittag im Mai.

Die Lyrikerin und Büchnerpreisträgerin Ulla Hahn liest sie, sanft unterbrochen, auf Wolken gebettet, aber auch kraftvoll geerdet von Kit Armstrong am Flügel – in einem poetisch-musikalischen Zwiegespräch an der Schubertiade. Zum ersten Mal ist sie zu Gast beim renommierten Lied- und Kammermusikfestival, und gleich in zwei Konzerten zu hören: als Dichterin, die seit jeher mit den Ohren schreibt und neuerdings gern mit Musik ins Gespräch tritt. Die aber auch ihrerseits Kit Armstrong zu Gedichtvertonungen inspiriert hat. Die so entstandenen Lieder wurden am Dienstag in Hohenems uraufgeführt, von Birgit Rennert, Benjamin Appl und dem Komponisten am Klavier. Die Anfrage dazu war eines Tages per Mail gekommen, vermittelt durch einen gemeinsamen Bekannten – den Schubertiade-Leiter Gerd Nachbauer.

«Bei Schubert ist Weinen schöner als Lachen»

Wie nahe ihr Schubert geht, dass seine Musik sie tief in der Seele berührt, «Herz über Kopf» wie in ihren Gedichten, aber auch mit viel Esprit, das zeigt sich in der lyrischen Beschwörung des kleinen Mannes am Schreibpult, im Text «... und der Himmel da droben», der zärtlich mit Schubert-Zitaten spielt, so wie der Pianist am Flügel. «Es ist diese Naivität in Schuberts Musik, die den Menschen da trifft, wo er empfindsam ist», sagt Ulla Hahn. «Als könne er jederzeit das Kind in sich wachrufen. Weinen ist bei ihm schöner als Lachen.» Und so sieht man sie abends verstohlen die Tränen aus den Augenwinkeln wischen, als der Hamburger Tenor Daniel Behle «Die schöne Müllerin» singt, gerade dort, wo Ulla Han am Nachmittag noch Schubert im Himmel aufgelauert hat.

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