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Anne-Sophie Mutter am Lucerne Festival: Ein Requiem der verstorbenen Liebe

Der Star spielte am Sonntagabend am Lucerne Festival im Gedenken an André Previn. Ihrem fliegenden Klang konnte das Orchester nicht ganz folgen.
Roman Kühne
Anne-Sophie Mutter im KKL. Bild: Peter Fischli/ LF (18. August 2019)

Anne-Sophie Mutter im KKL. Bild: Peter Fischli/ LF (18. August 2019)

Die letzte Note hängt über dem Saal. In höchster Lage stirbt der Klang. Ein unwirkliches Flimmern, eine Transzendenz, nicht von dieser Welt. Er ist mit den Händen zu greifen, der Schmerz. Aber auch die Dankbarkeit, mit solch einem Musiker sein Leben geteilt zu haben.

Denn im Februar verstarb Anne-Sophie Mutters ehemaliger Gatte, der Komponist, Musiker und Dirigent André Previn. Zum Antrag im Jahr 2002 schenkte er ihr dieses Violinkonzert «Anne-Sophie». Das erste in einer Reihe von über 10 Uraufführungen, die sie zusammen gestalteten. Die Künstlerin spielt den dritten Satz «Andante», eine Variation über das Volkslied «Wenn ich ein Vöglein wär´». Fern von Kitsch und Trauer zieht sie die langen Linien. Elegant nimmt sie ihren satten Klang etwas zurück, horcht den Orchesterfarben, schenkt dem Stück Zauber und Illusion.

Es sind Töne wie aus einer Zwischenwelt. Die kurzen, schnellen Passagen mit den herrischen Dissonanten setzt sie in kraftvollem Gegensatz. «Hat es je ein schöneres, romantischeres Verlobungsgeschenk geben» fragt sie in ihrem Abschiedsbrief. Dem ist gestern Abend im KKL wenig zu entgegnen.

Verwandeltes Orchester

Mit gewohnter Sattheit interpretiert sie dann das Violinkonzert von Sibelius. Das Werk ist wie zugeschnitten auf die Geigerin, entfaltet in ihrem vielstimmigen Spiel einen unwiderstehlichen Zug. Dies ist umso bewundernswerter, als das West-Eastern Divan Orchestra unter seinem Gründer Daniel Barenboim nicht diese Schlüssigkeit und Energie erreicht. Hier hätte der Meister stärker führen müssen.

Dafür spielt das Ensemble nach der Pause wie ausgewechselt, begeht doch noch würdig sein 20-jähriges Jubiläum. Die 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven wirkt in diesem Programm zwar etwas aufgesetzt. Die jugendlich besetzte Gruppe spielt die Ecksätze jedoch mit Kraft und einem langen Atem, zeichnet das nachdenkliche Allegretto würdevoll. Die lange Steigerung ist der Höhepunkt des Abends. Im Schlussfuror läuft die Spielfreude zwar wieder etwas gar aus dem Ruder. Dem Publikum jedoch gefällt es.

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