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Anonym und angenehm

Freiheit Jedem sein Haus am Meer, und dazwischen so viel Abstand, dass soziale Kontrolle unmöglich ist. Dies ist meine Idealvorstellung einer gerechten Welt und angenehmen Nachbarschaft. Mit den Jahren wird klar: Schlussendlich ist sich der Mensch doch selbst der Nächste. Man hat in der Grossstadt gelebt, auf dem Land, im Reihenhaus, im Zweifamilienhaus mit gemeinsamer Gartennutzung. Man hat als Kind halb verstört und halb fasziniert den Vater über Politik streiten sehen – am Gartenzaun. Man hat sich als Erwachsene wieder wie ein Kind gefühlt, wenn Nachbarn ganz unverhofft meinten, man solle mal den Rasen mähen oder den Nachwuchs ausgewogener ernähren. Man hat sich weit weg gewünscht von allen bürgerlichen Quartieren dieser Welt, man hat sich geweigert, auch Rosen zu züchten und seine Kinder um 18 Uhr von der Strasse zu holen. Jetzt wohnt man unbehelligt und ­anonym und geniesst diese Freiheit an der stark befahrenen Strasse, links eine Apotheke, rechts ein Thai, gegenüber eine Bank. Der Beamte hinter der Glasfront im ersten Stock sieht ­einen wohl ab und zu in Unterwäsche durchs Schlafzimmer hetzen. Im Rücken ein Haus, in dem Menschen wohnen, die man nicht kennt. Sie züchten keine Rosen und erwarten nicht, dass man selbst welche züchtet. Man schätzt die unbekannten Nachbarn sehr. Sie wohnen nah und sind doch weit weg. Sie husten viel und streiten manchmal, im Sommer unterhalten sie sich oft bis tief in die Nacht. Kein Problem. Hier ist keiner perfekt, aber alle sind frei.

Susanne Holz

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