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ANSICHTEN: Plädoyer für öffentliches Theater in Luzern

Gastautor Michael Kaufmann zur Salle Modulable und der Notwendigkeit neuer Ansätze.
Gastautor Michael Kaufmann
Szene aus der Produktion «Prometeo» im Luzerner Theater. (Bild: David Röthlisberger (Luzern, 9. September 2016))

Szene aus der Produktion «Prometeo» im Luzerner Theater. (Bild: David Röthlisberger (Luzern, 9. September 2016))

Eine grosse Chance für die Zukunft des Luzerner Kulturplatzes wurde vertan. Luzerns Kantonsrat hat am 12. September bei der Debatte um den Projektierungskredit für die Salle Modulable, das am Inseli Luzern geplante neue Theatergebäude, beileibe nicht mit Visionen geglänzt. Stattdessen hat man mit kritischem Blick auf Sparübungen im Sozial- und Bildungsbereich und auf ein nicht in allen Punkten klares Projekt an einem umstrittenen Standort einfach mal den Stecker rausgezogen. Das ist legitim und bei doch einigen Unklarheiten im bisherigen Projektverlauf dem holprigen Politgeschäft im Kanton Luzern geschuldet.

Trotzdem hat sich die kräftig links-grün durchzogene Ratsmehrheit kurzsichtig verhalten. Es droht der Politik das Abseitsstehen von einer langfristig angelegten Kulturpolitik und von der dringlichen Debatte über die Zukunft des Luzerner Theaters. Dies unabhängig von der Frage der Salle Modulable, die beim Lucerne Festival im Fokus ist, aber richtigerweise auch mit dem Theater sowie dem Luzerner Sinfonieorchester und der ganzen Luzerner Kulturszene eng gekoppelt war. Denn es ist eine Tatsache, dass die Grundbedingungen für das künftige Luzerner Theater sehr bald festgelegt werden müssen. Das heutige Gebäude genügt den Anforderungen an ein zeitgemässes Theater nicht mehr. In zehn Jahren muss eine Lösung umgesetzt sein.

Neue Ansätze müssen rasch auf den Tisch, wenn man nicht das Risiko eingehen will, dass die bisher im schweizerischen und internationalen Kontext überaus stark wahrgenommene Luzerner Bühne – wohlgemerkt im Musiktheater, im Sprechtheater und im Tanz! – im schwarzen Loch der Provinzialität verschwindet. Das darf nicht sein, denn gerade die soeben fulminant gestartete Saison beweist mit «Prometeo», wie eine kleine, aber feine Bühne auf Anhieb internationales Aufsehen erregen kann.

Schauen wir darob jetzt aber nicht einfach weg oder glorifizieren gar noch die Tatsache, dass man ja Theater durchaus in einfachen Räumen, Fabrikhallen oder städtischen Parkanlagen spielen kann. Auch eine provisorische Box macht a la longue keinen Theaterfrühling. Ein zukünftiges Luzerner Theater muss ­einen festen Ort haben, eine moderne Infrastruktur sowie kon­tinuierliche finanzielle Bedin­gungen für eine professionelle künstlerische und technische Belegschaft.

Das öffentliche (und damit auch das öffentlich mitfinanzierte) Theater gehört im Gegenteil zu einer Stadt und einer Region wie der öffentliche Verkehr oder die Wasserversorgung, ja auch wie die Sozial- und Bildungsinstitutionen. Jeder öffentliche Franken in Kultur ist eine Investition in den Service public. Er erzeugt gesellschaftlichen Wert und soziale Integration. Deshalb darf man Kultur- nicht gegen Bildungs- oder Sozialpolitik ausspielen und schon gar nicht meinen, kleinlich eingesparte öffentliche Kulturinvestitionen kämen stattdessen anderen öffentlichen Aufgaben zugute.

Das Feindbild des «bürgerlich-elitären» öffentlichen Theaters ist zudem schon lange passé. Von einem tollen öffentlichen Theaterbetrieb profitieren immer auch die anderen Kulturveranstalter. Luzern hat in der Ära Mentha und jetzt mit dem schwungvollen Start von Benedikt von Peter alle Karten in der Hand, um den Weg eines breit verankerten, populären und innovativen «Theaters für alle» zu gehen. Nur mit der kräftigen «Hefe» des öffentlichen Theaters entstehen auf einem Kulturplatz die Synergieeffekte zwischen den öffentlichen und den anderen Kulturprojekten. Das Konglomerat zwischen den öffentlichen (grösseren) und privaten (kleineren) Kulturveranstaltern schafft die notwendigen Reibungsflächen und die gegenseitigen Ambitionen für Innovation, Lebendigkeit, Kreativität.

Das alles sollten wir jetzt nicht aufs Spiel setzen: In Luzern muss es darum gehen, die Leitideen und Inhalte für das neue Luzerner Theater zu finalisieren. Dank der Vorarbeiten der letzten Monate liegt vieles auf dem Tisch, und die Konzeption einer möglichst flexibel bespielbaren Infrastruktur ist Selbstverständlichkeit. Was es jetzt aber zusätzlich braucht, sind drei Dinge – und genau in dieser Reihenfolge: erstens das Zusammenschweissen aller Kulturveranstalter sowie der liberalen und fortschrittlichen politischen Kräfte zu einem erneuerten Kulturkompromiss, zweitens die gemeinsame Festlegung von Inhalten und Zielen, drittens die Durchführung einer Machbarkeitsstudie für ein redimensioniertes Projekt am bestehenden, erweiterten Standort und ein hochstehender Architekturwettbewerb zum Finden der besten Form.

Auch dazu wird es öffentlicher Projektierungskredite bedürfen und finanzpolitischer Überlegungen über die langfristige und keineswegs «billige» Finanzierung.Im Kulturbereich kommt Inhalt vor Form: Vielleicht war das der Fehler in den bisher sehr technischen Überlegungen zum Standort und zur architektonischen Gestalt. Man sollte diesen nicht noch einmal machen und vor allem jetzt politischen Willen zeigen.

Gastautor Michael Kaufmann

Michael Kaufmann ist Direktor der Hochschule Luzern – Musik und Vorstandsmitglied des Luzerner Theaterclubs. Er war 1992 bis 2004 SP-Grossrat im Kanton Bern und ist auch heute noch SP-Mitglied. (Bild: PD)

Michael Kaufmann ist Direktor der Hochschule Luzern – Musik und Vorstandsmitglied des Luzerner Theaterclubs. Er war 1992 bis 2004 SP-Grossrat im Kanton Bern und ist auch heute noch SP-Mitglied. (Bild: PD)

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