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ANSICHTEN: Tante SRF zündet die Humor-Raketen

Komiker Peach Weber über die Versuche des Schweizer Fernsehens, «Giacobbo/Müller» zu ersetzen.
«Es gibt nichts Schlimmeres als einen alternden Punk», sagt Peach Weber über den Luzerner Comedian Dominic Deville. (Bild: SRF/Mali Lazell)

«Es gibt nichts Schlimmeres als einen alternden Punk», sagt Peach Weber über den Luzerner Comedian Dominic Deville. (Bild: SRF/Mali Lazell)

Zuerst wieder ein Wort in eigener Sache: Ich geniesse es, im Moment noch Kolumnen schreiben zu dürfen, denn nach meiner persönlichen Hochrechnung werden in etwa drei Jahren 90 Prozent der Kolumnen, Artikel und Fussballkommentare von Pedro Lenz geschrieben. Und zwar in Bääärndütsch (ohne Untertitel).

Aber nun zum Thema: Die Humor-Allergie des SRF. In einer beispiellosen Comedy-Offensive hat unser aller Lieblingssender dem schlaftrunkenen Kunden gleich drei Late-Night-Formate in die Stube geknallt. Achtung: dünnes Eis für mich! Wenn ein Komiker über andere Komiker schreibt, dann ist der Shitstorm programmiert, im Sinne von: Ja, was meint denn dieser Peach Weber, der ist ja so was von nicht lustig und nur neidisch. Deshalb hier mal ein klares Statement zum Thema Late Night: Ich würde das selber nie machen, und ich wäre auch nicht fähig dazu! (Diesen Satz werde ich noch einmal ganz diskret einstreuen, weil er ernst gemeint ist.) Damit ich es nicht vergesse, gleich hier: Ich würde das selber nie machen, und ich wäre auch nicht fähig dazu!

Liebe Tante SRF, du hast es ja gut gemeint, aber schon die Strategie war falsch. Da nimmst du drei, vier halbwegs lustige Comedians und machst mit jedem eine eigene Sendung, in der er gnadenlos abschifft, ja abschiffen muss. Da wäre mal Müslüm, der eigentlich als Figur genial ist. Was dieser Müslüm auf Youtube macht, das ist originell, musikalisch gut gemacht und findet ein riesiges Publikum. Wer nun aber denkt, es sei lustig, diese Figur im balkangestylten Wohnmobil in der Schweiz herumfahren zu lassen und am Sächsi­lüüte einem SVP-Bögg halboriginelle Fragen zu stellen, dessen Weg besteht aus massivstem Eichenholz. Dazu zehnmal pro Sendung «Muesch la bambele». Das reicht knapp für eine Folge, mehr nicht.

Dann kam «Headhunter». Hier versuchte ein Komikerpaar angestrengt, ein halb gares Konzept in die Lustigkeit zu zwängen, Witz komm raus, du bist umzingelt! Ich traute meinen Augen nicht, als doch tatsächlich ein Element der Sendung ein Fragespiel ist, bei dem der Gast meistens nur zwischen zwei Stichwörtern entscheiden muss. Da drehen sich Kurt Felix und Hans Rosenthal im Grab um die Wette. Mit diesem Spielchen werden in jeder Sendung zehn unschuldige Minuten totgeschlagen.

Und zum Schluss, der dritte Versuch: Deville, der gross angekündigte Punk-Kindergartenlehrer, der nun die Geister, die er rief, nicht mehr loswird. Nein, noch schlimmer, sie werden ihm zum Verhängnis. Er ist ja schon lange kein Punk mehr, und es gibt nichts Schlimmeres als einen alternden Punk. Oh, exgüsi, ich habe Lys Assia vergessen. Dazu sitzt der ziemlich humorfreie Stahlberger am doofen Tischchen, zeigt Tunnelbilder und findet, er sei ein grosser Künstler. Ich gebe zu, ich habe bei Deville viermal gelacht, allerdings in vier Sendungen zusammen.

Gut, eine Sendezeit kurz vor Mitternacht ist nicht sehr kundenfreundlich und zeigt höchstens, dass Tante SRF selber nicht recht an die Sendungen geglaubt hat. Die älteren Zuschauer sind dann schon während der Arena eingeschlafen und die jungen noch im Ausgang.

Meine grundsätzliche Frage lautet nur: Warum hat man nicht aus den drei Formaten ein einziges gemacht, dafür hätten die paar mickrigen Pointen wahrscheinlich gereicht. Ist da jemand grössenwahnsinnig geworden? Ein Blick über die Grenzen könnte den Verantwortlichen zeigen, dass Typen, die eine Late-Night-Show stemmen können, äusserst dünn gesät sind. In Österreich ist das bei «Willkommen Österreich», in Deutschland bei der «heute-show», Jan Bömermann, «Extra 3», Dieter Nuhr oder Pierre M. Krause der Fall. Aber Deutschland hat, im Verhältnis zu seiner Grösse, auch nicht mehr gute Leute. Ich habe vor einiger Zeit in einem Kommentar die Frage gestellt: Gibt es ein Leben nach «Giacobbo/Müller»? Natürlich kann auch bei ihnen nicht jede Sendung auf Topniveau sein, da müssen halt auch mal wieder der dicke Bauch vom Mike oder die Segelohren des Viktor herhalten, aber die Grundqualität ist doch einfach saugut. Aus dem gleichen Grund hat mir Stefan Raab gefallen. Bei ihm hatte es oft grottenschlechte Passagen drin, aber dafür auch absolute Perlen.

Niemand ist fähig, ohne Schwachstellen Höhenflüge zu machen! Aber nur Schwachstellen, das geht auch nicht. Also nochmals: Gibt es ein TV-Comedy-Leben nach «Giacobbo/Müller»? Die drei Rohrkrepierer machen nicht viel Hoffnung.

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