Literatur

Neues Buch über den Luzerner Grafiker Armin Hofmann: «Reduktion ist eine Haltung»

Vor wenigen Tagen ist der bekannte Grafikdesigner Armin Hofmann verstorben. Davor ist ein Buch über sein Werk erschienen.

Susanne Holz
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Der kürzlich verstorbene Armin Hofmann auf einem Foto von 2013.

Der kürzlich verstorbene Armin Hofmann auf einem Foto von 2013.

Bild: PD

Ein Grosser des Grafikdesigns ist gegangen: Am 18. Dezember ist Armin Hofmann verstorben. Er lebte mit seiner Frau, der Grafikerin Dorothea Hofmann, in Luzern. Im Jahr 1920 geboren, gilt Armin Hofmann als einer der einflussreichsten Grafikdesigner der Schweiz. Mit seinem grafischen und pädagogischen Werk trug er massgeblich zum internationalen Ruf des Schweizer Grafikdesigns bei und beeinflusste Generationen von Grafikdesignern und Lehrpersonen weltweit.

So ist Armin Hofmann eine Schlüsselfigur, als es der Schweizer Grafik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelingt, über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen zu sorgen. «Swiss Design» und «Swiss Style» werden zum international anerkannten Gütesiegel für ein wegweisendes Grafikdesign, das mit Sachlichkeit und Reduktion eine ganze Epoche visuell prägt.

Seinen 100. Geburtstag feierte Armin Hofmann am 29. Juni 2020 im Kreis seiner Familie. Anlässlich des runden Jubiläums erschien im Spätherbst das Buch «Armin Hofmann Reduction. Ethics. Didactics.», herausgegeben von Hofmanns Sohn Matthias – ebenfalls Grafikdesigner von Beruf. Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über Armin Hofmanns gestalterisches Werk, seine berufsethischen Überzeugungen und die von ihm entwickelten didaktischen Grundsätze.

Er entzog sich dem Diktat von Trend und Kommerz

Neben der fachlichen Auseinandersetzung mit Hofmanns Werk, einer detaillierten persönlichen Biografie sowie einer umfassenden Zusammenstellung der gestalterischen Arbeiten (330 Bilder) sind im Buch auch Originaltexte von Hofmann zu Aspekten seines Schaffens abgedruckt. Acht Gastbeiträge renommierter Personen aus dem Grafikdesignbereich zeichnen ein persönliches Bild des Menschen Armin Hofmann – etwa von April Greiman, US-amerikanischer Grafikdesignerin und Trans-Media-Künstlerin, vom deutschen Typografen und Grafiker Wolfgang Weingart oder vom indischen Schriftgestalter und Designer Mahendra Patel.

Der Zugang zu nicht öffentlichen Originalquellen – als da wären das gesamte gestalterische Werk, Originalmanuskripte, unveröffentlichte Texte sowie Gedankenskizzen und Fotografien – ermöglicht überdies neue Einblicke und Einsichten in die gedankliche Welt dieses grossen Grafikdesigners. So entzog sich Armin Hofmann dem Diktat von Trend und Kommerz und schuf mit formaler Einfachheit visuelle Ausrufezeichen: «Reduktion ist keine Methode. Sie ist eine Haltung.»

Im Buch heisst es: «Wenn es einen künstlerischen Leitgedanken in Armin Hofmanns Werk gibt, dann ist es der Wille, mittels Reduktion einer überbordenden Komplexität etwas entgegenzusetzen.» Und: «Die menschliche Bescheidenheit an sich, das sich Zurücknehmen, das Empfinden einer gewissen Demut waren für Armin Hofmann stets wichtige Themen.»

Betrachtet man Armin Hofmanns Plakate, direkt und dynamisch wie sie sind, dann fühlt man sich auch an den Konstruktivismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert, mit seinem einfachen geometrischen Formenvokabular. Armin Hofmann sagte einmal: «Das Plakat gibt nicht nur Auskunft über die Dinge, für die es wirbt. Es vermittelt auch Hinweise über die geistige Haltung einer Gesellschaft.»

Ehrenmitglied der «Royal Society of Arts»

Als Sohn eines Maschinenzeichners erblickt Armin Hofmann am 29. Juni 1920 in Winterthur das Licht der Welt. 1938 beginnt Hofmann eine Lehre zum Lithografen – es ist der Anfang einer steilen Karriere. 1947 wird er als Fachlehrer für Grafik an die Allgemeine Gewerbeschule Basel geholt. Ab Mitte der 1950er-Jahre folgen Gastprofessuren in den USA, an der «Philadelphia Museum School of Art» und später an der «Yale University», wo er bis 1991 regelmässig lehrt. Sein 1965 erschienenes Buch «Methodik der Form- und Bildgestaltung» etabliert sich als Standardwerk. Mit seinen Arbeiten als freischaffender Grafiker, so für das Stadttheater und die Kunsthalle in Basel, wird Hoffmann zum Vermittler der «Schweizer Grafik». Armin Hofmanns Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, etwa 1981 im «Museum of Modern Art» in New York. 1988 wird er zum Ehrenmitglied der Londoner «Royal Society of Arts» ernannt. 2013 erhält Armin Hofmann den «Grand Prix Design» des Schweizerischen Bundesamtes für Kultur.

Matthias Hoffman (Hrsg): Armin Hofmann Reduction. Ethics. Didactics. Deutsch/Englisch. 319 S., 330 Bilder. Fr. 50.--. Bestellen bei: www.arminhofmann.ch