Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ohne Arme: Felix Klieser spielt das Horn mit den Füssen – auf höchstem Niveau

Der Hornist Felix Klieser fällt auf: als Ausnahmetalent auf seinem Instrument, als witzig-kluger Vermittler – und weil er mit den Füssen spielt. Jetzt hat er Mozarts vier Hornkonzerte aufgenommen. Wiederum ein Glücksfall.
Bettina Kugler
«Fussnoten» heisst Felix Kliesers Biografie. Nun sind sie in Mozarts Hornkonzerten zu hören. (Bild: Julia Wesley)

«Fussnoten» heisst Felix Kliesers Biografie. Nun sind sie in Mozarts Hornkonzerten zu hören. (Bild: Julia Wesley)

Wenn Felix Klieser sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann kann er stur sein und sehr ausdauernd. Von Hindernissen und Einwänden lässt er sich nicht so schnell aufhalten. Im Gegenteil: Widerstände sind sein Motor. «Ich kann Dinge tausendmal tun, ohne zu verzweifeln», sagt er. «Und irgendwann klappt es dann eben.» Das war bereits im Alter von vier Jahren so, als er die Eltern mit dem unbedingten Wunsch überraschte, Horn spielen zu lernen. Nicht später irgendwann, sondern möglichst sofort.

Ein Wunsch, der in Erfüllung ging – so skurril er zunächst wirkte. Was sollte ein Dreikäsehoch wie er, geboren ohne Arme, ausgerechnet mit einem Horn anfangen? Für das normalerweise zwei Hände nötig sind: die eine zum Bedienen der Ventile, die andere im Schalltrichter, zur Schattierung der Klangfarben. Starke Nerven erfordert die «Glücksspirale», die Diva unter den Blasinstrumenten, obendrein.

Die Muskelspannung der Lippen entscheidet über die Tonhöhe. Mit unsauberen Tönen, so genannten «Kieksern», muss gerechnet werden – vielleicht ein Grund, weswegen sich die meisten Hornisten im Orchester wohler fühlen als im Rampenlicht.

«Ein Wunderkind war ich ganz sicher nicht»

Doch seine Sturheit machte Klieser erfinderisch. In einer ganz normalen, nicht auf eine spätere Musikerkarriere fixierten Kindheit hat er vieles einfach ausprobiert, mit Neugier und Geduld. Und sich vor allem nicht einschüchtern lassen, auch später nicht, als Jungstudent an der Musikhochschule Hannover. Gerechnet hat mit ihm keiner. «Ein Wunderkind war ich ganz sicher nicht», sagt er.

Heute spielt der mittlerweile 27-Jährige durchschnittlich sechzig Konzerte im Jahr. Er arbeitet mit renommierten Dirigenten wie Simon Rattle, hat Preise erhalten, durch die er einem breiten Publikum bekannt wurde – darunter den Echo Klassik 2014 und den Bernstein Award 2015. Bereits vor fünf Jahren erschien seine Autobiografie «Fussnoten» – es gab schon genug Stoff für rund 200 Seiten eines Musikerlebens mit Höhen und Tiefen. Auch über sie erzählt Felix Klieser uneitel, mit einer guten Portion Selbstironie.

Gerade hat er seine vierte CD-Aufnahme mit sämtlichen Hornkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart veröffentlicht; alle bisherigen fanden breite ­Beachtung. Gern erwähnt er in Interviews, dass er aus einer «komplett unmusikalischen Familie» stammt. Dafür aus einer mit glücklichen Rahmenbedingungen. Die Eltern nahmen ihn ernst, fuhren den Vierjährigen zur nächsten Musikschule und liessen sich auch nicht beirren, als die Leiterin ein Xylophon als Instrument vorschlug.

«Arme werden überschätzt», sagt er allen, die auf der Tatsache herumreiten, dass er mit den Füssen Horn spielt und auch sonst fast alles flink und ohne fremde Hilfe erledigt – zum Beispiel das Stativ zusammenlegen, auf dem das Horn befestigt ist. «Für mich beispielsweise sind die Ohren viel wichtiger.» Das sitzt: So vermisst man nicht den Händedruck zur Begrüssung. Ein lockeres «Hallo» passt ohnehin viel besser.

Zwischen Freud und Leid oft nur ein halber Takt

Damit ist auch die Tonart des Gesprächs gesetzt: unverkrampft heitere Sachlichkeit. Denn Felix Klieser macht kein Aufhebens um sich selbst. Lieber investiert er alle Energie in das, was er tut. Dem Horn kommt das zugute – erst recht, weil er sich bei seinen ersten Aufnahmen nicht gleich auf die bekanntesten Werke des reichhaltigen Hornrepertoires gestürzt hat.

Mit Mozarts Hornkonzerten war er zunächst mehrere Jahre unterwegs. Er hat sie mit diversen Orchestern und Dirigenten gespielt, immer wieder neu für sich ausgelotet – und dabei zu einer Interpretation gefunden, die sich zu dokumentieren lohnt. Eine, die seinen «Fingerabdruck» trägt: Das sagt er ganz ohne Augenzwinkern.

Die jahrelange Feinarbeit am Klang, an der Gestaltung der auf den ersten Blick so unkompliziert wirkenden Konzerte hat sich gelohnt. Ungezwungen wechselt Felix Klieser mit der Camerata Salzburg die Temperatur und Stimmung, so sacht und präzis, wie es Mozarts geheimer Rezeptur entspricht. «Zwischen Trauer und Freude liegt oft bei Mozart nur ein halber Takt», sagt er. Was da musikalisch genau passiere, erschliesse oft nicht einmal die Partitur. Ein Fall für Fussnoten.

Felix Klieser, Camerata Salzburg: Mozarts Hornkonzerte 1–4. Berlin Classics

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.