Nidwaldner Polizeifotograf schoss legendäre Fotos: Jetzt wird Arnold Odermatt 95

Der international bekannte Nidwaldner Fotograf Arnold Odermatt feiert heute seinen 95. Geburtstag.

Arno Renggli
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Stansstad 1967: Das eine Auto hat das andere an den Abgrund am Vierwaldstättersee gedrängt, nur noch die verbogene Leitplanke verhindert, dass das Letztere in die Tiefe stürzt. Es ist ein typisches Unfallbild von Arnold Odermatt, eines von vielen, die er über vier Jahrzehnte als Nidwaldner Polizist an Unfallorten gemacht hat. Sie zeigen nüchtern die Havarie, wenn Tote und Verletzte geborgen sind.

Eine kleine Auswahl der besten Bilder von Arnold Odermatt:

Stans 1973: Polizist Noldi von Büren macht einen Handstand an einem autofreien Sonntag. Ein Foto mit Kultcharakter.
14 Bilder
Biennale dell'Immagine Chiasso, 2019: Arnold Odermatt vor einem seiner berühmteten Unfallfotos.
Stansstad 1967: Eines der berühmtesten Bilder aus der Werkreihe «Karambolage».
Hergiswil, 1975: Der Lastwagen füllt fast exakt die Fahrbahnen.
Luxemburg 2013: Arnold Odermatt mit seinem Sohn, dem Regisseur Urs Odermatt.
Alp Alpelen Beckenried 1975: Dokumentierter ländlicher Alltag.
Berlin 2014: Arnold Odermatt vor einem weiteren seiner bekannten Fotos.
Buochs 1980: Waren die Tücken des Schnees schuld?
Oberrickenbach. Wolfenschiessen, 1993: Alltägliche Besonderheit. Auch solche hat Arnold Odermatt dokumentiert.
Hergiswil 1968: Die richtige Perspektive macht aus der Haverie quasi eine Art Kunstwerk.
Hergiswil 1982: Unfälle erzeugen zuweilen unfreiwillige Form- und Farbenpracht, wie diese geschmolzene Heckleuchten.
Ein anderes Beispiel
Und noch eines.
Stans 1950: Arnold Odermatt als 25-jähriger Polizist.

Stans 1973: Polizist Noldi von Büren macht einen Handstand an einem autofreien Sonntag. Ein Foto mit Kultcharakter.

Bild: Arnold Odermatt,
© Urs Odermatt, Windisch

Eigentlich hat Arnold Odermatt seine Fotos nie als Kunst gesehen. Er wollte möglichst gut dokumentieren, und zu diesem Zweck experimentierte er mit technischen Mitteln, aber auch mit Timing und Perspektiven. Dabei war er ein Pionier, denn als er als junger Polizist anfing, pflegte man Unfälle mit Tuschezeichnungen festzuhalten. Odermatt zeigte, dass Fotografie das noch besser vermochte. Dies in Zeiten, als es im Kanton Nidwalden zwar deutlich weniger Autos gab als heute, aber ein Vierfaches mehr an Unfällen. So zählte man in den Jahren 1946, 1947 und 1948 nur rund 600 Motorfahrzeuge, aber jedes Jahr neun Verkehrstote.

Sohn entdeckte die Kunst des Vaters

Dass die Bilder, die auch andere regionale Ereignisse dokumentierten, künstlerisch betrachtet werden könnten, darauf kam sein Sohn, der Regisseur Urs Odermatt («Der böse Onkel»). Anfang der 1990er-Jahre entdeckte er die Fotos des pensionierten Vaters bei Recherchen für den Dokfilm «Lopper» und den Spielfilm «Wachtmeister Zumbühl». Schon zuvor hatte Arnold Odermatt das Filmschaffen seines Sohnes als Fotograf von Standbildern unterstützt.

Seit 1993 gibt Urs Odermatt das Werk des Vaters heraus. Er stellte Werkgruppen zusammen, darunter «Karambolage», die weltberühmt geworden ist. Es folgten zahlreiche Publikationen, gegen 100 Ausstellungen grossmehrheitlich im Ausland: Berlin, New York, Madrid, Paris, die aktuellste in Erfurt, die dieser Tage zu Ende geht.

Arnold Odermatt, der immer noch in Stans lebt, hat sich inzwischen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, auch wegen eines altersbedingten Augenleidens, das die Sehkraft stark einschränkt. Er sei aber noch fit genug, mit treffenden Nidwaldner Ausdrücken seine Meinung kundzutun, teilte uns seine Familie mit. So hat er das Foto, das ihn in diesem Artikel zeigt, selber ausgewählt:

Arnold Odermatt mit seinem Sohn, dem Regisseur Urs Odermatt.

Arnold Odermatt mit seinem Sohn, dem Regisseur Urs Odermatt.

Bild: Jasmin Morgan

Und er freue sich darüber, dass nun «nicht nur deutsche Zeitungen» über seinen Geburtstag berichten.

Interview

«Photos sind versöhnlicher als die Wirklichkeit»: Der Nidwaldner Arnold Odermatt über seine Arbeit als international bekannter Polizeifotograf

Der frühere Nidwaldner Polizeifotograf Arnold Odermatt feiert am 29. Mai seinen 95. Geburtstag. Auf diesen Anlass hin führte sein Sohn Urs Odermatt ein ausführliches Interview mit ihm, basierend auf Fragen des Wiener Fotografen Sebastian Gansrigler. Vater und Sohn führten das Gespräch in Dialekt, der Sohn formulierte es dann auf Schriftdeutsch. Im folgenden publizieren wir das Interview in voller Länge.