ARTH: Eine Operette wird zum Ohrwurm

Die Operette «Die Fledermaus» von Johann Strauss erlebte am Samstag im Arther Theater eine glanzvolle Premiere. Die Produktion überzeugte mit viel Esprit.

Hannes Bucher
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Ausschnitt aus der Operette «Die Fledermaus». Im Bild die Interpreten Mélanie Adami und Jan Rusko (von links nach rechts). (Bild Corinne Glanzmann)

Ausschnitt aus der Operette «Die Fledermaus». Im Bild die Interpreten Mélanie Adami und Jan Rusko (von links nach rechts). (Bild Corinne Glanzmann)

«Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht mehr zu ändern ist», singen der Gesangslehrer Alfred (Ján Rusko/Reto Hofstetter) und Rosalinde, die Frau des Gabriel von Eisenstein (Mélanie Adami) auf der Bühne des Arther Theaters: Es ist der erste Akt in der Johann Strauss Operette «Die Fledermaus». Das Premierenpublikum kennt zumeist das Lied; verträumt, sinnig geniessen die Besucher Melodie und Text. Längst ist das Lied wie auch die andern Gesangsstück der Operette zum Ohrwurm geworden.

Seit ihrer Uraufführung im April 1874 ist «Die Fledermaus» zum eigentlichen Renner der Operettenbühnen geworden. Und sie zieht auch Operettenfreunde in der Arther Inszenierung in ihren Bann – mit Recht erntete sie an der Premiere gestern offenen Szenenapplaus und einen begeisterten Schlussapplaus.

Wie die Gesellschaft strauchelt

Es ist ein «Spinnennetz», das im ersten Akt ausgelegt ist – gemacht, die gutbürgerliche Gesellschaft von den hohen Sockeln zu stossen, auf denen sie sich – mehr oder weniger stilsicher – bewegt. Das Grundmotiv liefert ein Racheakt: Gabriel von Eisenstein (Simon Witzig) soll eine Gefängnisstrafe wegen einer Beleidigung antreten.

Dr. Falke, ein Notar (Andreas Büchler), will Rache. Von Eisenstein hat den Notar lächerlich gemacht, als er bei einem Maskenball als Fledermaus erschien. Es gelingt dem Notar, Eisenstein zu überreden, seine Gefängnisstrafe am nächsten Tag anzutreten und heute auf das angesagte Fest bei Prinz Orlofsky (Gianna Lunardi) zu gehen. Als der Gefängnisdirektor (Claus Gerstmann) den Hausherrn für die Inhaftierung abholen will, steckt der ­Gesangslehrer Alfred (Ján Rusko/Reto Hofstetter) in dessen Hausrock.

Alfred ist die Jugendliebe von Rosalinde von Eisenstein, der sich bei ihr einfindet, kaum ist der Ehemann weg – der Falsche wird inhaftiert. Am Fest selber werden perfide Fallstricke ausgelegt; allesamt hat sie Dr. Falke ins­zeniert: So werden das Kammermädchen Adele (Sara Hugelshofer), der Gefängnisdirektor und – besonders arglistig ausgeheckt – auch Rosalinde, als geheimnisvolle Gräfin verkleidet an den Maskenball bestellt.

Bilder von der Hauptprobe am Freitagabend. (Bild: Corinne Glanzmann)
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Bild: Corinne Glanzmann
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Bilder von der Hauptprobe am Freitagabend. (Bild: Corinne Glanzmann)

Eisenstein beisst in den Köder und flirtet ungeniert mit der angeblichen Gräfin. Und da luchst ihm die Gräfin seine Uhr ab. Am andern Tag möchte Eisenstein seine Strafe antreten, aber da sitzt der Gesangslehrer. Ein delikates Entwirrspiel ist angesagt: Aufregungen, deftige Überraschungen und Peinlichkeiten und ein Wiedersehen mit der Uhr. Dabei kommt der angeheiterte Gerichtsdiener Frosch (Marius Meier) zu seinem unwiderstehlichen Auftritt.

Sehnsucht des Zuschauers stillen

Zum vierten Male inszeniert der Ostschweizer Jean Grädel in Arth. Der erfahrene Theatermann sieht das Wesen des Theaters darin, der Sehnsucht und dem Wunsch des Theaterbesuchers nach einem «unmittelbaren glückenden und beglückenden Ereignis» gerecht zu werden. Dies sei das Ziel der monatelangen Proben, sagt Grädel. Er sieht in der «Fledermaus» auch eine sozialpsychologische Komponente. Keiner der Figuren spiele als Einzelperson eine gewichtige Rolle. Zusammen aber machten sie das Milieu aus. «Hierin gibt sich, betanzt und besungen, das bürgerliche Konkurrenzgetriebe zu erkennen», interpretiert der Regisseur.

Die sorgfältige Inszenierung der «Fledermaus» zeigt, wie intensiv gearbeitet wurde. Dynamisch kommen sowohl die Musiker im Graben (Dirigent Beat Blättler, Andreas Brenner, musikalischer ­Assistent) als auch der 30-köpfige Chor (Chorleiterin Esther Rickenbach) daher; überzeugend auch die Choreografie (Elja-Dusã Kedves) und die Szenerie (Bühnenbild Danièle Wolf).

Dynamisch, sprühend und komisch

Besonders schön das Stimmungsbild in der Ouver­türe. Die Solistinnen und Solisten überzeugen in Stimme und Rolleninterpretation. Besonderer Erwähnung bedarf Mélanie Adami als Rosalinda: Sie ist präsent und wirkt stets souverän. Keck und frech gibt Sara Hugelshofer die Zofe Adele; schlaksig, frisch spielt und singt Simon Witzig den Lebemann von Eisenstein. Marius Meier scheint die Rolle des Gerichtsdieners Frosch auf den Leib geschrieben – er spielt die Figur echt komisch und grossartig. Im Schlepptau dieser gewinnenden Figur fahren alle Akteure im dritten Akt zur grossartigen Form auf.

Hinweis

Weitere Aufführungen noch bis am 28. März. Alle Daten und Tickets: www.theaterarth.ch

Hinweis: Weitere Impressionen zur Operette in Arth finden Sie auf unserer Homepage

www.luzernerzeitung.ch/bonus