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Athene Galiciadis in Stans: verspielte Geometrie

Die Zürcher Künstlerin Athene Galiciadis tobt sich im Nidwaldner Museum mit geometrischen Mustern, Glaskunst und grossen Holzinstallationen aus. Auch im Dorf ist sie zu sehen.
Céline Graf
Gemustert und durchlässig bespielt «Spiraling Shifts» die Ausstellungsräume im Winkelriedhaus. Bild: Christian Hartmann/PD

Gemustert und durchlässig bespielt «Spiraling Shifts» die Ausstellungsräume im Winkelriedhaus. Bild: Christian Hartmann/PD

Das ist aber ein gemütliches ab­straktes Wohnzimmer. Weiche, bauchige Glasgefässe fangen den Blick auf, warme Farben lullen ein, viel Holz und Leinen erden uns im hohen Raum. In der Luft liegt allerdings ein penetranter Geruch von frischer Dispersion. Und, schon klar: Weder Sitzen noch Berühren ist erlaubt. Athene Galiciadis hat im Pavillon des Nidwaldner Museums eine In­stallation eingerichtet, die von Durchlässigkeit und geometrischen Mustern geprägt ist. «Spiraling Shifts» im Winkelriedhaus ist die zweite Einzelschau der Zürcher Künstlerin mit Jahrgang 1978 in einem Museum.

Die erste war 2010 in Langenthal. Im Jahr drauf wurde Athene Galiciadis zu einer eidgenössischen Zukunftshoffnung erklärt: Für ihre Installation «Der Asketische Traum» bekam sie einen Swiss Art Award sowie den Nachwuchspreis der Mobiliar. Sie überzeuge «durch die persönliche, sparsame und präzise Setzung, die zahlreiche Assoziationsfelder eröffnet», argumentierte die Jury. Zudem habe die Künstlerin ihr Werk konsequent weiterentwickelt.

Technisches Zeichnen kann auch Spass machen

In Stans nun ist ihre Beschäftigung mit Form, Farbe und Material im Fokus. «Das Material bestimmt bei ihr oft die Form und die Farbe», sagt Barbara Ruf, Kuratorin der Ausstellung.

Athene Galiciadis orientiert sich an der Moderne, pendelt irgendwo zwischen Konkreter Kunst und Konstruktivismus, Dadaismus und Surrealismus. Ihre Träume sollen eine wichtige Arbeitsquelle für sie sein. Historisch interessieren sie besonders weibliche Positionen, etwa jene von Ljubov Popova, einer Vertreterin der russischen Avantgarde. Monochrome Tische im Pavillon des Winkelriedhauses beziehen sich auf russische Textilentwürfe aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Das Abstrakte, das nach der Russischen Revolution gegen die politische Vereinnahmung der Kunst hielt, bemustert und strukturiert hier Tischplatten. Ironisch gemeint? Jein. Ein Gebrauchsgegenstand, aber mit subversivem Potenzial. Durch die breiten Spalten würde jeder Löffel fallen. Ein leichtes Augenzwinkern –oder ist es schon ein politisches Signal – sendet auch eine Fensternische in der Kapelle. Rot und blau, die Farben der Maria, flimmern da zum männlich besetzten Altar herüber.

Wer ungute Erinnerungen an ein Schulfach namens Technisches Zeichnen hat, darf sich in dieser Ausstellung mehr als einmal mutig seinem Trauma stellen. Zumindest passiv, durchs Schauen. Hartgesottene Familien können sich aber auch am Sonntag, 17. März, ins offene Atelier wagen, wo Galiciadis’ Techniken zu eigenen Bildern verhelfen.

In der Glasi Hergiswil mit schwierigem Stoff gerungen

Ein globusähnlicher Kreis: Für ihre Malereien auf Leinen (im Pavillon) und Linoldrucke auf A3- und A4-Papier (im Winkelriedhaus) nimmt Athene Galiciadis immer dieselbe Form als Ausgangspunkt. Der Kreis lässt sich halbieren, vierteln, in Streifen schneiden und so weiter. Daraus gestaltet die Künstlerin spielerische Muster, denen die Bildformate zugleich einen strengen Rahmen setzen.

Freier, nämlich fleckig, ist die Farbe zwar auf die drei grossen Holzinstallationen im Pavillon gestrichen, doch auch sie müssen sich einer geometrischen Form unterordnen. So sind die Strahlen einer aufgehenden Sonne an der Wand in Dreiecke gepresst.

Nebenbei: Nicht die grössten Objekte im Pavillon üben die grösste Anziehung aufs Auge an. Im Gegenteil, es sind die kleinsten, die Glasgefässe. Je nach Perspektive wirken sie fast durchsichtig. Mit Glas habe Athene Galiciadis schon länger arbeiten wollen, wie Kuratorin Barbara Ruf sagt. Die nahe Glaserei Hergiswil brachte die Künstlerin auf die Idee, dies jetzt zu tun. Angeleitet von den Profis der Glasi, habe sie mit dem schwierigen Werkstoff gerungen und schliesslich gewonnen.

Raus aus dem Museum geht sie auch für die Stanser Musiktage. Im Rahmen einer Carte Blanche hat sie deren Plakat gestaltet. Zudem weitet sie ihr Form-und-Farb-Spiel auf den Dorfplatz aus.

Hinweis

Eröffnung ist am Freitag, 22. Februar um 18:30 Uhr im Pavillon und Winkelriedhaus des Nidwaldner Museums in Stans. Die Ausstellung dauert bis am 4. August 2019. Im Rahmenprogramm gibt es verschiedene Führungen und Workshops.

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