Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Pop aus dem Kanton Luzern: Vsitor bringen auf den Punkt, was sie antreibt

Die Luzerner Band Vsitor ist jetzt ein Trio. Und veröffentlicht mit «Keep on Running» ein beeindruckendes Debütalbum. Feinste Soundarbeit und ätherische Stimmungen prägen die Musik.
Pirmin Bossart
Sängerin Lea Maria Fries, flankiert von Gitarrist David Koch (links) und vom neuen Schlagzeuger Valentin Liechti. (Bild: PD)

Sängerin Lea Maria Fries, flankiert von Gitarrist David Koch (links) und vom neuen Schlagzeuger Valentin Liechti. (Bild: PD)

Als gebürtige «Landeier» aus dem Luzernischen haben Sän­gerin Lea Maria Fries sowie der Gitarrist und Soundtüftler David Koch mit ihrem «neuen» Schlagzeuger Valentin Liechti ein ganz schön urban klingendes Album aufgenommen. Schon mit ihren ersten zwei Kurzalben liessen sie ihre Vorliebe für elektronische Soundlandschaften und zarte Pop-Melodien hören.

Das erste volle Album «Keep on Running» setzt noch einen drauf. Es drückt die Reife einer Band aus, die auf den Punkt bringt, was sie antreibt. Alles ist fokussiert, ausgeklügelt arrangiert und trotzdem entspannt.

Bewegte Berliner Zeiten inspirierten

In den letzten zwei Jahren haben Vsitor grosse Schritte gemacht. Die Band hat nicht nur viel gespielt (etwa in Russland, Tschechien, Rumänien, Deutschland, Österreich), sondern in bewegten Berliner Zeiten, die auch in den Texten nachglühen, fleissig an neuem Material gearbeitet. «Da haben sich viele Fragmente, Skizzen und Songs angesammelt. Am Ende haben wir fast doppelt so viel aufgenommen, wie auf dem Album zu hören ist», sagt David Koch. Die Ideen wurden immer weiter verdichtet, «bis wir dort waren, wo wir mit den Songs und der Soundästhetik hinwollten».

Das Album bietet melodiöse Kraft und nuancierte Klangveränderungen, deren sphärisches Glimmen von elektrischen Gitarrenriffs und Synth-Beats in ein modernes Pop-Format übergehen. Die Reduktion auf das Wesentliche schwingt in den elf Songs mit. Die Musik ist oft zart und filigran, aber sie hat in entscheidenden Details auch Wucht.

Dabei erstarren die Songs nicht in künstlicher Schönheit. Dafür passiert zu vieles, auch Experimentierfreudiges, was man wohl erst nach dem zweiten und dritten Hinhören entdeckt. Gleichzeitig lässt die Band ihre Musik atmen. Anders als bei herkömmlichen Singer-Songwriter-Songs mit (radiotauglichen) Strophen und Refrains, lebt die Musik von Atmosphären und Stimmungen.

Koch und Liechti produzieren ihre Texturen und Rhythmen mit analoger Elektronik und machen das abstrakte Soundbild warm und plastisch. In diese Klangfelder legt Fries ihren zarten Hauchgesang. Die Stimme schwebt zwischen Himmel und Abgründen. Mal intim und fragil, dann drängend und ausgreifend. Auf «R.U.N.» setzt sie als rezitative Rap-Stimme mit dunklem Flow einen besonders coolen Akzent.

Viele Texte handeln von Beziehungen

«Ich mache oft Notizen und habe einen Pool an Fragmenten und Ideen, auf die ich zurückgreifen kann», sagt Fries zum Entstehen ihrer Texte. Dieses Mal kreist vieles um Beziehungen und wie sie sich und einen selber verändern. Fries gelingt es, persönliche Befindlichkeiten zu generalisieren und emotionale Direktheit in poetische Momente zu verdichten. Ihr Anspruch ist hoch. «Die Klänge und Stimmungen müssen sich zu 100 Prozent decken.»

Lea Maria Fries und David Koch haben Vsitor als Duo gegründet und zogen dann nach Berlin, wo sie seit fast fünf Jah­-ren leben. Schlagzeuger Valentin Liechti, ein gebürtiger Westschweizer, wohnte eine Zeit lang ebenfalls in Berlin und ist inzwischen ein festes Bandmitglied geworden. Er hat auch Songs geschrieben und ist ein guter Arrangeur mit einem Flair für Beats. Die Sängerin spielt auch Synthie-Bass, der Drummer arbeitet mit dem Sampling-Pad, der Gitarrist ist eh ein Multiversum an Sounds. In den letzten Wochen machten sie ihr klangsensibles Repertoire bühnentauglich. Der letzte Schliff passiert derzeit an fünf Tagen im Südpol Luzern, am Freitag, 3. Mai, geben sie dort ihr Release-Konzert.

Alle drei Musiker haben die Ausbildung an einer Jazzhochschule hinter sich und gelernt, die Freiheit auf der Bühne zu nutzen. Der Live-Sound wird ungeschliffener sein, «trotzdem wird un­sere Soundästhetik zum Tragen kommen», betont Lea Maria Fries. Auch die Musiker sind mehr an dieser Live-Energie interessiert, als auf der Bühne bloss eine weitere «durchgestylte Pop-Produktion» abzuliefern.

Vsitor: Keep on Running. Red Brick Chapel/Irascible, Vinyl/CD/Download

Plattentaufe: 3. Mai, 21 Uhr, Südpol.www.vsitor.com

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.