«Auf ein Wort»-Kolumne

Woher hat das «Bordell» eigentlich seinen Namen?

In seiner Mundartkolumne erklärt Niklaus Bigler diese Woche, was das Bücherbord mit dem Bordell gemeinsam hat.

Niklaus Bigler
Drucken
Teilen
Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

CH Media

Unser Poort und das standarddeutsche Bord (englisch board) sind eigentlich das gleiche Wort. Allerdings fehlt beim Bord die hochdeutsche Lautverschiebung, so dass es auf d endet (wie bei englisch blood, deutsch Blut).

Auch die Bedeutungen gleichen sich nur teilweise: Bord ist ein Brett, zum Beispiel zum Aufstellen von Büchern (Bücherbord). Und die Bretter, welche die weite Welt bedeuten, gibt es als Planken auf Schiffen; daher bezeichnet Bord auch das Schiffsdeck und später das Innere eines Flugzeugs. Sogar das Bordell hat den Namen erhalten, weil seine Urform eine Bretterbude war.

Die weitere Bedeutung ‹Rand›, wie sie im Bordstein bezeugt ist, gibt es bei uns ebenfalls, namentlich als Saum eines Kleides oder eines Strumpfes. Das verkleinerte Pöörtli bildet die Grundlage für schweizerdeutsch pöörtle (einen Saum, einen Besatz machen).

Übrigens ist Bort (Rand) schon im Mittelalter ins Französische entlehnt worden. Dort sind daraus border und bordure entstanden. Letztlich ist also auch die Bordüre ein deutsches Wort – mit einem langen Zwischenaufenthalt in Frankreich.

Das Poort als Rand eines Gewässers, eines Ackers oder einer Strasse weist in der Regel eine kleinere oder grössere Neigung auf, so dass im Schweizerdeutschen die Bedeutung ‹Böschung, Hang› entstand. Da steht ein Heimet amene stotzige Poort, oder ein Baanpoort wird als Anbaugebiet eines mediokren Weines verdächtigt.

Aber offenbar steht dieses Wort bereits auf der Liste der gefährdeten Mundartwörter. Jedenfalls habe ich kürzlich im Wirtshaus eine ältere Frau von einer Böschig reden hören, und das mitten im Aargau.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).