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Fest zum Jubiläum der Luzerner Kunstgesellschaft: Auf kunstvolle Art 400 Jahre durchfeiern

1819 bis 2219: Die 200-Jahr-Feier der Kunstgesellschaft Luzern blickte nicht nur zurück, sondern auch nach vorne.
Edith Arnold
Impressionen aus der Gründerzeit. (Bild: Philipp Schmidli, 19. Oktober 2019)Impressionen aus der Gründerzeit. (Bild: Philipp Schmidli, 19. Oktober 2019)
Impressionen aus dem Zukunftsraum: «2019 + 200 = 2219». (Bild: Philipp Schmidli, 19. Oktober 2019)Impressionen aus dem Zukunftsraum: «2019 + 200 = 2219». (Bild: Philipp Schmidli, 19. Oktober 2019)
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Auf kunstvolle Art 400 Jahre durchfeiern

«Turner. Das Meer und die Alpen» liegt noch in der Luft. Doch am Samstag führt die Brücke im Kunstmuseum bereits in die Zukunft. «2019 + 200 = 2219» ist im Eingangssaal angesagt. Um 18 Uhr ist es dunkel wie im Weltall. In der Ferne flimmert ein verheissungsvoller Planet. Davor steht Andi Scheitlin. Der Präsident der Kunstgesellschaft Luzern, Trägerin des Kunstmuseums, eröffnet das Fest. Im Verlauf des Abends poppen weitere Zeiträume auf: «Ferien in Italien», «Tea Party, this way!». Die legendäre Electric-­Jazz-Band OM wird einen Raum im Raum energetisieren.

«The Future Is Now», steht auf einer Tafel. Sphärische Klänge vermischen sich mit Menschenlauten. Viele Zeitgenossinnen und Zeitgenossen bewegen sich zwischen weissen Wolkenformationen – oder sitzen darauf. Vielleicht sind es auch Eisschollen, einige werden jedenfalls mit Netzen verbunden. Jedes der 50 Sagex-­Objekte ist anders, zusammen bilden sie Elemente mehrerer Lounges. Es seien Abfallprodukte, kommentiert Noël Hochuli, oder Negativwerke aus der Kunstgiesserei St.Gallen, wo er arbeite. Dort lassen Kunststars wie Rondinone Werke produzieren. Was ist Kunst, was Design? Darf Kunst auch nutzbar sein? Mit dem Wärmedraht hat Objektdesigner Hochuli das Material einladend geformt.

Roboterwesen servieren einfarbige Speisen

Für die Rauminszenierung sind neben Hochuli, Timo Ullmann/Marco Baltisberger (Soundperformance), Sara Stäuble (Videoprojektion) auch Ultra (Wolkenmaschineninstallation) von den Künstlerinnen Klarissa Flückiger, Sophie Germanier und Mahtola Wittmer eingeladen worden. Letztere, eine Luzernerin, gehört zu den Shootingstars. Mit Handy-Klingeltönen aus der Peterskapelle läutete sie sich 2018 ins Bewusstsein. Die Aktion sorgte bis nach London für Schlagzeilen.

Derzeit bespielt Wittmer eine Zone im Aargauer Kunsthaus. Zuvor hat sie mit umfunktioniertem Schirm auf dem Weg nach Emmenbrücke «L’eau de Lucerne» gesammelt. Die Erwartungen sind hoch: Wie gestaltet sich die Essperformance im Kunstmuseum, die sich olfaktorisch schon die ganze Zeit ankündigt? «Future Food» steht auf dem Programm. Leider tritt die Performerin nicht selber an. Stattdessen servieren menschliche Roboterwesen einfarbige Speisen. Einmal rot, einmal violett, einmal weiss, dann schwarz. Die eigentliche Performance leisten die Besucher, die im richtigen Moment nach den begehrten Häppchen schnappen. Zukunft 2219? Unter den Anwesenden seien auch 60 Ehrengäste, welche durch ihre Präsenz die Zukunft symbolisierten, erklärt Wittmer.

Am Kunstfest ist ein Notausgang geöffnet. Eine Luftbrücke führt unter dem Dach zum Europaplatz hin, wo sich das Riesenrad der Määs dreht und sich in den KKL-Fassaden spiegelt. Eine exklusive Licht-Stahl-Magie, an der sich Raucher wie Nichtraucher kaum sattsehen können.

1819 – als das Bügertum revolutionär aufbrach

Vor Ort ist Doğan Firuzbay anzutreffen. Mit dem Künstlerkollegen Andrzej Koch entwickelte er 1994 und 1996 die Kunstmuseum-Happenings: «Exploseum 1» und «Exploseum 2». Jeder Winkel wurde im alten Meili-­Bau mit Kunst, Musik und Bars aufgemischt. Ein Loch wurde zwischen Kunstmuseum und Kongresshaus herausgeschlagen. Das System zirkulierte frei. Die Optionen waren so gross, dass der Wiener Künstler Heimo Zobernig jeden Buchstaben von «modern» in einem separaten Raum inszenieren konnte.

Wie feierte man vor 200 Jahren in Luzern? 1819 war eine Zeit des Aufbruchs: nebst der Kunstgesellschaft wurden die Maskenliebhabergesellschaft und das Stadtforstamt gegründet. «Das Bürgertum trifft sich zum Austausch in Salons, revolutionäre Ideen ziehen sich durch Literatur und Philosophie, der neue Mensch wird verhandelt» (Text zur Ausstellung «Und die alten Formen stürzen ein», bis 17. November im Kunstmuseum).

Knochenakrobatik

Der Zeitsprung kann am Kunstfest in zwei Schritten vollbracht werden: Über einen verwinkelten Eingang betritt man den Raum «Tea Party, this way!» Hier haben Anita Zumbühl, Zoë Darling, Sabina Oehninger innert weniger Stunden eine Wunderkammer inszeniert. Wände sind mit angedeuteten Gemälden tapeziert. Eigentümliche Masken spiegeln Betrachter. Weiche Därme liegen herum. Das Überbleibsel eines Kronleuchters hängt von der Decke.

Ein Mann mit ernstem Ausdruck spielt «Vexations» von Erik Satie – das längste Klavierstück der Musikgeschichte, bei dem dieselbe Partitur 840 Mal wiederholt werden soll. Plötzlich legt ein Künstler mit langer Nase einen hölzernen Flamenco hin.

Auf einem überdimensionalen Beckenknochen führt eine Frauengestalt ihre «Knochenakrobatik» durch. Ein erfolgreiches Kunstpaar der Gegenwart verspeist harte Eier zu Tee mit Zitrone um Mitternacht. Alles ist möglich in diesem Kabinett. Wer nicht weiter mit der dortigen Gesellschaft altern will, katapultiert sich in den Soundkosmos von Lluvia Tresmil und El Tigre nebenan. Oder lässt sich von der Wolkenmaschine im Zukunftsraum verzaubern.

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