«Tatort»: Auf Rufmord folgt Mord

Die Hamburger Kommissare Falke und Grosz ermitteln in «Treibjagd» gegen  Bürgerwehren. 

Julia Stephan
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Wotan Wilke Möring als Kriminalhauptkommissar Thorsten Falk, Franziska Weisz als Bundespolizistin Julia Grosz.

Wotan Wilke Möring als Kriminalhauptkommissar Thorsten Falk, Franziska Weisz als Bundespolizistin Julia Grosz.

Worte können trösten. Worte können heilen. Aber mindestens so gut können sie anstacheln zum Mord, wenn sie beim Handlungsbereiten auf Gehör treffen. Bernd Kranzbühler schwingt auf seinem Onlineforum und privat gern Reden über die Unfähigkeit der Justiz. Er ist – zu Recht – darüber verärgert, dass die Hamburger Polizei gegen die Einbruchswelle in seinem Quartier nicht viel unternimmt. Sein Bruder Dieter redet nicht so gern und viel wie er. Er lässt auf die Reden des Bruders lieber Taten folgen. Bei einem Einbruch in sein Haus schiesst er auf ein junges bulgarisches Einbrecherpärchen – mit tödlichen Folgen.

Scharfe verbale Munition des frustrierten Bürgers

Der mit Raubvogelnamen ausgestattete Bundespolizist Thorsten Falke, neben dem seine Kollegin Julia Grosz wie die Emanation der Vernunft erscheint, ermittelt wie ein zähnefletschender Terrier in dieser aufgescheuchten Bürgerherde, die Dieters Mord mit allen Mitteln vertuschen will. Bernds Onlineforum füttert der aufgescheuchte Falke mit seinem aggressiven Auftreten unfreiwillig laufend mit neuem Stoff. Unter dem Hashtag #WehrtEuch ballt sich ein Shitstorm zusammen, der Falke heftig um die Ohren fliegt. Seinem Sohn jagt ein aufgebrachter Bürger gar die Kniescheibe raus. Früher wurde auf römischen Foren Gericht gehalten. Heute, so lehrt dieser «Tatort», ballert da der frustrierte Bürger mit scharfer verbaler Munition um sich.

Ein «Tatort», der Selbstjustiz und Bürgerwehren für einmal nicht so eindimensional erklärt wie in früheren Versuchen. Und in dem Julia Grosz erstmals als Charakterfigur aus dem Schatten des «Falken» tritt.

«Tatort» aus Hamburg – «Treibjagd». Heute So, SRF 1, 20.05 Uhr.