Die Bazooka-Bandi geht im Kleintheater auf Schatzsuche gegen die Verdichtung

Der Luzerner Patric Gehrig und seine Bazooka-Bandi präsentiert mit «Raffzahn Jack» sein erstes Kinderstück.

Michael Graber
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Erleben Abenteuer: Bude (Jürg Plüss, links), Mucki (Hans-Caspar Gattiker) und Steffi (Julia Schmidt).

Erleben Abenteuer: Bude (Jürg Plüss, links), Mucki (Hans-Caspar Gattiker) und Steffi (Julia Schmidt).

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 14. 1. 2020)

Gegen unsichtbare Wände laufen will gelernt sein. Bude (Jürg Plüss) knallt immer und immer wieder in: Nichts. Aber Rückschlag, Ton und Lichteffekt müssen perfekt aufeinander abgestimmt werden. Schliesslich macht man Theater. «Raffzahn Jack und die Rächer der Gartenbausiedlung» heisst das Stück, am Samstag feiert es Premiere.

«Gut wäre es», sagt Regisseur Patric Gehrig, «wenn du den Ball immer an die gleiche Stelle werfen könntest.» Es wird an Details gefeilt, es geht um Timing, Töne, Übergänge. Durchaus auch um ganz plastische Übergänge: Der «Winzer», eine ferngesteuerte Spinne, bekundet Mühe, zwischen zwei Bühnenelementen hin und her zu kraxeln. Die Lösung heisst Gaffa-Tape, die Universalwaffe im Bühnenbusiness. Noch ist es weniger hektisch, als man es vermutet hätte bei den Endproben im Kleintheater. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass man durch die geschlossenen Türen bereits das Zmittag riechen kann.

Immobilien-Krake will Spielplatz überbauen

Noch ein letztes Mal fährt der «Winzer» über die Bühne und Bude, Mucki (Hans-Caspar Gattiker) und Steffi (Julia Schmidt) watscheln hinterher. Die Band (Blind Butcher) steckt die Kabel aus und der Lichttechniker richtet noch eine Lampe neu aus. «Ich finde, dass man Kinder nicht unterschätzen sollte», sagt Regisseur Gehrig in der Mittagspause. Das Stück seiner Bazooka Bandi ist ein «Stück für alle ab 6 Jahren».

Die Rahmengeschichte ist nämlich eigentlich kinderbuchferne Gentrifizierung: Die Immobilien-Krake Jack Raffzahn will das Gelände des geliebten Abenteuerspielplatzes von Mucki, Bude und Steffi kaufen und durch ein Einkaufszentrum und einen Golfplatz ersetzen. Das wollen die drei Freunde nicht hinnehmen und machen sich in der «Untenwelt» auf Schatz­suche, damit sie den Spielplatz selber kaufen und somit retten können.

Der harte Verdrängungs- und Verdichtungskampf sei aber «mehr die Klammer, um die Geschichte zu erzählen», sagt der Luzerner Gehrig. Im Untenwelt-Labyrinth voller Rätsel, Hindernissen und sogar Piraten geht es nicht um kühle Renditerechnungen, sondern um viel menschlichere Sachen. Freundschaft zum Beispiel.

«Es gibt sicherlich Ebenen, die Erwachsene anders verstehen als ihre Kinder. Unser Ziel war es, ein gutes Theater für alle zu machen», so Gehrig, der Gründungsmitglied beim Splätterlitheater war und seit Jahren als Schauspieler in verschiedenen Projekten zu sehen ist. Ein Kinderstück zu machen, sei für ihn kein Rückschritt: «Kinder sind ein extrem anspruchsvolles Publikum. Und zudem ein sehr ehrliches. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann sagen sie es auch. Wir Erwachsene drucksen dann ein bisschen rum.»

In der Umsetzung mutig für ein Kinderstück

Einfaches Lob sucht der Regisseur (der Text stammt von Julia Schmidt) aber nicht. «Raffzahn Jack» ist in der Umsetzung durchaus mutig. Blind Butcher spielen live und wollen nicht den Wohlklang. Bei der Probe sind elektronische Spielereien und auch mal knallige Riffs zu hören. «Ich wollte die Band unbedingt. Weil sie so vielfältig ist», sagt Gehrig, vom Piratenshanty bis zu feinen Klängen finde alles seinen Platz.

Und den typischen Do-it-­Yourself-Charakter des Splätterlitheaters transportiert Gehrig durch tatsächliches Do-it-Yourself in das Stück. «Bei allen Figuren, die wir einsetzen, sehen die Kinder rasch, dass sie selbst gemacht sind. Im besten Fall denken sie dann: Hey, das könnten wir daheim ja auch gleich ausprobieren.» Kunstblut, wie beim Splätterlitheater, fliesst aber keines, «das ausgefallenste ist Slimey», lacht Gehrig. Und: Unsichtbare Wände hat es ja auch noch.

Vorstellungen: Sa., 18. 1., 15 Uhr. So., 19. und 26. 1. jeweils 11 Uhr im Kleintheater Luzern