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Chemie, Politik, Promotion:
Dann erfüllt sie sich einen Traum

Eigentlich weiss Margrit Proske schon als Kind, dass sie Puppenspielerin werden will. Doch es dauert, bis dieser Traum wahr wird. Jetzt tritt die Wahlarbonerin am Figurentheater-Festival in Appenzell auf.
Julia Nehmiz
Margrit Proske hat Bühnenbild und Figuren selber gebaut. (Bild: Hanspeter Schiess)

Margrit Proske hat Bühnenbild und Figuren selber gebaut. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine goldene Sonne geht auf, die Akazie verschwindet, und die kleine Wüstenlandschaft wird aufgeklappt. Im Wasserloch suhlt sich ein Nilpferd, ein Gepard springt herbei, im Hintergrund stolzieren drei Giraffen. Margrit Proske hat eine detailgetreue Welt erschaffen, aufgebaut in ihrem Wohnzimmer in Arbon. Dort probt die Puppenspielerin ihr Stück «Freunde fürs Leben». Die Savannentiere finden heraus, dass sie gemeinsam stark sind. 80-mal hat Proske es schon aufgeführt. Doch ein letzter Feinschliff schadet nicht: Am Sonntag spielt sie es am Figurentheater-Festival in Appenzell.

Sie freut sich riesig, dass sie eingeladen wurde: «Das ist eine totale Auszeichnung.» Und für sie ein Zeichen, dass sie angekommen ist in der Ostschweiz. Sie zog bereits 2004 ins St. Galler Rheintal, lebte und arbeitete als Grenzgängerin. Jetzt ist sie ganz hergezügelt und eben endlich wirklich angekommen.

Stück, Puppen Bühne: Sie macht alles selber

Und so wie Margrit Proske lange zwischen Ruhrgebiet und Rheintal pendelte, schwankte sie zuvor auch, ob sie Puppenspielerin werden sollte. Aufgewachsen im ostdeutschen Rostock, sieht sie mit 13 Jahren ein Figurentheaterstück und weiss: «Das ist mein Medium.» Proske sitzt am Esstisch in der Arboner Wohnung, schenkt Kaffee ein und blickt einen offen an: «Das klingt total abgehoben, ich war ja noch ein Kind, aber dieser Gedanke ist mir damals wirklich eingefahren.»

Bis sie diesen Traum verwirklicht, dauert es. Sie studiert Kirchenmusik, dann Chemie und Biologie. Doch das war es nicht: Sie will das Leben nicht im Reagenzglas zerkleinern, sondern in seiner Ganzheit betrachten. Nach der Wende zieht Proske in den Westen, studiert Theaterwissenschaften, engagiert sich in der Wuppertaler Kommunalpolitik. Dann stirbt ihr Vater, und die 29-Jährige fragt sich, was sie eigentlich im Leben wirklich machen will. Die Antwort: Puppenspiel. Noch während sie an ihrer Promotion arbeitet, beginnt sie die Ausbildung am Figurentheater-Kolleg Bochum.

Warum erst so spät? «Mit Anfang 20 hätte ich das nicht gekonnt», sagt sie. Denn Proskes Theater ist ganzheitlich: Sie nimmt kein Märchen oder Kinderbuch als Vorlage, sie entwickelt ihre Stücke selber, schreibt, baut Puppen und Bühnenbild, kümmert sich um Technik, Beleuchtung, Werbung, Auftritte. «Puppenspiel ist ein umfassender Beruf.» Genau das gefällt ihr. Ihr erstes Stück entwickelt sie am Kolleg, und weil sie damit im ersten Jahr schon 45 Auftritte absolvierte, schliesst sie die Ausbildung nicht mehr ab.

Obwohl es für sie als Puppenspielerin im Ruhrgebiet gut läuft, zieht sie in die Schweiz. Sie hatte auf dem Jakobsweg Schweizerinnen aus dem St. Galler Rheintal kennen gelernt, besucht diese und ist überwältigt von der «kraftvollen Landschaft». Nach ermüdenden Jahren im Ruhrgebiet merkt sie, wie sie hier aufatmet. Für ihre Auftritte fährt sie regelmässig nach Deutschland, mittlerweile aber auch viel in den Aargau, ins Bernische, nach Basel oder Zürich. Zusätzlich hat Margrit Proske eine Ausbildung als Theaterpädagogin absolviert, sie unterrichtet, gibt Kurse.

Am liebsten für Kinder im «magischen Alter»

Das Spielen ist ihre Herzensangelegenheit. Proske spielt am liebsten für Kindergartenkinder – sie seien im magischen Alter, «für sie ist alles möglich». Kinder verstehen ihre Stücke direkt. Einmal sagte ein Lehrer erstaunt zu ihr, dass die fremdsprachigen Kinder alles verstanden hätten. Für Proske keine Überraschung:

«Bewegung und Emotion sind universell, da ist es ganz egal, welche Sprache man spricht.»

Am Festival in Appenzell spielt Proske die letzte Vorstellung am Sonntag. Zuvor möchte sie viele Stücke anschauen, nach Appenzell wurden Künstler aus Ausserrhoden, Zürich, Basel und Deutschland geladen. Sie freut sich auf den Austausch – und auf ihren Auftritt. Am schönsten sei es, nach der Vorstellung in die Augen der kleinen (und grossen) Zuschauer zu schauen und zu sehen, wie sie leuchten. Dann weiss Margrit Proske, ihr Stück ist angekommen.

Das Appenzeller Figurentheater-Festival findet vom 30. August bis 2. September 2018 statt.

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