Auftakt zum Piano-Festival: Ein Luzerner Orchester und ein Starpianist als Partner

Rudolf Buchbinder und die Festival Strings Lucerne eröffneten mit fünf mal Beethoven und einer Sternstunde das Piano-Festival.

Urs Mattenberger
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Der Solist als Zuhörer: Rudolf Buchbinder eröffnete mit den Festival Strings im KKL-Konzertsaal das Piano-Festival. (Bild: Priska Ketterer/LF)

Der Solist als Zuhörer: Rudolf Buchbinder eröffnete mit den Festival Strings im KKL-Konzertsaal das Piano-Festival. (Bild: Priska Ketterer/LF)

Das letzte Piano-Festival ist keine lahme Ente, wie man es von einem Auslaufmodell erwarten könnte. Das bewies schon der Auftakt vom Wochenende. Obwohl Beethovens Klavierkonzerte in den letzten Jahren in Luzern mehrfach integral auf dem Programm standen, erlebte man die Aufführung der fünf Konzerte durch Rudolf Buchbinder und die Festival Strings Lucerne als aufregende Premiere.

Eine solche waren die Konzerte vom Samstag und Sonntag insofern tatsächlich, als das Luzerner Kammerorchester erstmals ins Piano-Festival einbezogen wurde. Das belegt markante Verschiebungen in der Luzerner Orchesterszene, wenn man die Abo-Konzerte des Luzerner Sinfonieorchesters von letzter Woche mit einbezieht. Denn diese waren mit dem zweiten Klavierkonzert von Liszt eine festivaltaugliche Vorpremiere zur folgenden Piano-Woche.

Da zeigt sich einerseits eine Parallelverschiebung nach oben: Das Luzerner Sinfonieorchester wie die Festival Strings sind durch ihre Entwicklung in den letzten Jahren zu Festivalpartnern geworden, die auf keinen Lokalbonus angewiesen sind. Zweitens suchen beide Luzerner Orchester nach einem neuen Profil, das eine neue Rollenverteilung nahelegt.

Zweierlei Beethoven-Orchester

Das Luzerner Sinfonieorchester, für Intendant Numa Bischof noch vor ein paar Jahren ein «Beethoven-Orchester», entwickelt sich erfolgreich in Richtung einer Grosssinfonik rund um Bruckner und Mahler weiter. Die Festival Strings ihrerseits treten vermehrt mit einem frühromantischen Repertoire in mittleren Besetzungen auf. Und ihr Auftritt mit Rudolf Buchbinder bewies: Heute sind auch sie ein Beethoven-Orchester, das mit seinem kammermusikalischen Ansatz je nach Schaffensphase den Nerv dieser Musik noch genauer trifft.

Die Aufführung der drei in fast zwei Jahrzehnten entstandenen Klavierkonzerte war darauf angelegt, die Vorzüge wie die Grenzen dieses Musizierens in schmaler Besetzung vorzuführen. Auch wenn sich Rudolf Buchbinder im Interview dagegen verwahrte, die ersten Konzerte Beethovens in die Nähe von Mozart zu rücken: Pianistisch bestätigte diesen Eindruck der erste Abend, der mit dem zweiten, dritten und vierten Klavierkonzert zum Herzstück dieses Wochenendes wurde. Buchbinder fügte sich da mit schlankem, sprechend perlendem Spiel partnerschaftlich ins Orchester ein und spielte sich – wie in allen Konzerten – erst im rhythmisch zündenden Finale mächtig in den Vordergrund.

Die Kunst des Einfädelns

Die Festival Strings überraschten da schon mit akzentfreudigem Schneid und weich atmenden Phrasen, überhaupt mit einem detailfreudig modellierten dynamischen Relief. Und sie legten im vierten und dritten Konzert nochmals an sinfonischer Klangkraft und Biss – mit Hörnern und Trompeten – zu.

Eine schlechthin ideale und vitale Balance fanden Solist und Orchester so im vierten Klavierkonzert. Buchbinder zeigte seine Klasse als Beethoven-Interpret mit intensiven Nebenstimmen- und Rubatoakzenten, hob auch mal im Diskant frei schweifend über dem markanten Fundament der Bässe ab. Wie er sich bei alledem ins Orchester einfädelte – und umgekehrt –, war ein partnerschaftliches Musizieren, wie man es so hautnah mit Orchestern selten hört. Eine beglückende Sternstunde.

Nicht ganz diese Aufregung stellte sich am Sonntag im ersten und im sinfonischen fünften Klavierkonzert ein. Buchbinder legte in diesem jede Zurückhaltung ab, tobte sich durch die Bässe und über die Tastatur und zündete mit einem Knall das Finale.

Die Festival Strings, die seine Entrückungen magisch grundierten, gerieten hier trotz des hoch engagierten Musizierens doch etwas ins Hintertreffen. Schade ist dies das letzte Piano-­Festival. Bei einer der nächsten Ausgaben hätte man sich am liebsten Beethovens Klavierkonzerte aufgeteilt auf beide Luzerner Orchester gewünscht.