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Klub der jungen Dichter:
Kein Geschenk

Aurora Komani aus Hohenrain erzählt im "Klub der jungen Dichter", wie sich zwei Schwestern in eine Geschichte voller Wirrungen verwickeln.
Aurora Komani

Nachts um halb vier schrecke ich hoch. Und mir wird klar, dass ich tief im Schlamassel stecke. Ich weiss nicht, was ich machen soll. Meine zickige Halbschwester Katja wird ja heute 18 Jahre alt, und ich habe noch kein Geschenk. Wenn Tessa, meine Stiefmutter, erfährt, dass ich nichts für ihre kleine Prinzessin habe, dann bin ich ein totes Mädchen. Ich habe noch bis am Abend Zeit, aber ich habe gerade mal zwei Franken, grrr. So, ich lese jetzt etwas, das beruhigt mich immer. Nach dem Lesen werde ich versuchen zu schlafen.

Aurora Komani, Hohenrain, 6. Primar.

Aurora Komani, Hohenrain, 6. Primar.

Habe ich schlecht geschlafen! Zum Glück bin ich jeden Morgen alleine zu Hause. Es hat geklingelt. Wahrscheinlich meine Freundin Anna, die mich jeden Morgen abholen kommt. «Ich kann dir leider nicht weiterhelfen», sagt Anna auf dem Schulweg. «Und warum nicht? Kannst du mir nicht etwa 50 Fr. leihen? Du bekommst sie zurück, versprochen», bemerke ich hoffnungsvoll. «Na ja, es ist nur so, ich habe gerade mal 10 Franken, und die brauche ich für mein Zugticket, damit ich zum Reiten komme», erklärt Anna. «Aber wenn du heute Abend wirklich ein totes Mädchen bist, dann komme ich an deine Beerdigung», muntert sie mich auf. In der Schule konnte ich mich kaum konzentrieren. Warum musste meine Mutter schon so früh von mir gehen. Diese blöde Geschäftsreise. Wäre sie nicht mitgegangen, dann hätte sie nicht diesen Autounfall gehabt, bei dem sie ums Leben gekommen ist. Dann hätte sich Papa nicht in diese Tessa verliebt. Sie nicht geheiratet. Ich hätte Katja nie kennen gelernt.

Am Mittag bin ich alleine zu Hause (glücklicherweise). Habe mir ein Sandwich gemacht. Nach dem Essen muss ich die Hausaufgaben machen. «Fertig!», sage ich erschöpft. Jetzt muss ich mir überlegen, wie ich an ein bisschen Geld komme. Ich könnte Papa fragen, aber wenn er nach Hause kommt, ist es zu spät. Wie wär es, obdachlos zu spielen? «Ja», sagt der Teufel. «Nein», sagt der Engel. Ich mach’s doch nicht. Gut, das war’s, mein Leben ist zu Ende. Ich gehe ins Dorf, vielleicht finde ich doch etwas Billiges für 2 Franken. Ich weiss nicht mal, was die zickige dumme Katja zum Geburtstag will. Hier im Dorf gibt es nichts wirklich Billiges. Ich kaufe eine Packung Kaugummi, dann kann mir niemand sagen, ich hätte nichts für Katja.

Papa ist jetzt zu Hause, lasst das Geburtstagsfest beginnen! Die Geschenke kommen erst nach dem Abendessen (Spargeln mit Gemüsesauce. (Tessa kauft nur Bioessen, deshalb nenne ich sie manchmal meine Biomutter). Papa hat Katja ein Laptop gekauft, und von ihrer Mutter hat sie einen Schminkkoffer geschenkt bekommen. «So, und was bekommst du von deiner tollen Schwester?», fragt Tessa. «Sie hat mir ihr Geschenk in mein Zimmer gelegt, diese wunderschöne Kette mit meinem Namen», antwortet sie. Ich bin voll baff. Ich entschied mich, so zu tun, als wüsste ich, um was es geht. «Habe ich mir extra für meine tolle Schwester anfertigen lassen», lüge ich. Papa strahlt mich an. Jetzt geh ich in mein Zimmer. Wer war das? Ich springe aufs Bett und stecke meine Hände unters Kissen. Aber da war ein Brief von Katja.

Ich öffne ihn: «Liebe Schwester, es ist so, ich weiss, dass du denkst, ich wär so ein zickiges blödes Mädchen, aber ich muss das machen wegen meiner Mutter. Ich wollte nur, dass du das weisst, denn du bist ein echt tolles Mädchen. Liebe Grüsse Katja. – PS. Die Kette hab ich gekauft!»

Ich war baff und gleichzeitig erstaunt. Jetzt kam mir die Zukunft doch nicht so schlimm vor.

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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