Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Buchbesprechung: Aus jeder Begegnung schlüpft eine Geschichte

Schriftstellerin Rachel Cusk ist zum internationalen Star aufgestiegen. Nun legt sie mit «Kudos» den letzten Band ihrer Romantrilogie vor, die als «weibliche Odyssee im 21.Jahrhundert» bezeichnet wird.
Bernadette Conrad

Der Roman von Rachel Cusk beginnt verwirrend: Schriftstellerin Faye sitzt im Flugzeug, sie tritt eine Lesereise an. Auf dem Flug erzählt ihr der Sitznachbar, Geschäftsführer eines grossen Unternehmens, wie er sich über die Jahre permanenten Reisens zunehmend von seiner Familie entfremdet habe – und seine Familie von ihm. Das «Herz» seiner ganzen neurotischen Familie, derjenige, der sie zusammengehalten habe, sei der Hund der Familie gewesen. Als dieser sterbenskrank wurde, verschwieg der Mann das seiner Familie und schickte sie voraus auf eine Reise. Er habe den Hund einschläfern lassen trotz seines Versprechens, dies niemals allein zu entscheiden.

Diese Geschichte, selbst wie ein Roman, verdichtet emotionale Substanz so intensiv, dass man es lesend gar nicht glauben kann, dass sie mit Ende des Fluges zu Ende ist und die Figur den ganzen Roman über nicht wieder auftaucht.

Genauso ist Rachel Cusks Buch angelegt: Aus jeder Begegnung schlüpft eine Geschichte, aus jeder nächsten Begegnung die nächste Geschichte. Auf Fayes Lesereise folgen diese schnell aufeinander: Verleger, Journalisten, Kolleginnen und Kollegen, ein Fremdenführer, die Agentin und ihre Assistentin, die Übersetzerin. Jede und jeder von ihnen zieht Faye in meist bestürzende Geschichten hinein.

Wer aber ist Faye selbst? Die Mutter von zwei Söhnen und erfolgreiche Autorin verschwindet hinter diesen Geschichten und Figuren zur Unkenntlichkeit, wie schon in den beiden vorgängigen Romanen «Outline» und «Transit» dieser Trilogie.

Es geht um verdeckte Systeme der Macht

Cusks Trilogie wird als «weibliche Odyssee im 21. Jahrhundert» bezeichnet, und man könnte als Quintessenz auch dieses Schlussbandes die krasse Unverbundenheit sehen, in der Menschen nebeneinanderher leben und bestenfalls in Monologen die Aufmerksamkeit der anderen beanspruchen. Faye wird zugedröhnt mit Geschichten, die alle irgendwie davon handeln, wie selbstbezogen und mitleidlos Menschen miteinander umgehen – aber so gehen sie auch mit Faye um.

Tatsächlich geht es zentral um Hackordnungen, um verdeckte Systeme der Macht, deren unterste Hierarchiestufe die Ohnmächtigsten sind: Kinder und Tiere.

Am Schluss der Reise wird Faye von ihrem Sohn angerufen, der ihr erzählt, wie versehentlich ein Brand entstanden war, doch die Erwachsenen hätten die Kinder wild beschuldigt, und niemand habe ihnen zugehört, was wirklich passiert sei. Faye antwortet:

«Man kann nicht jedem seine Geschichte erzählen... Vielleicht kann man sie nur einem einzigen Menschen erzählen.»

Wer aber ist dieser «einzige», dem man erzählen kann? Vielleicht steht Faye ja für die Literatur, die wie sie eine Art obsessiver Zuhörer ist; ein Ort des Einsammelns und Bezeugens – aber auch selbst ein Ort der Einsamkeit.

Rachel Cusk, Kudos. Roman. Aus dem Englischen von Eva Bonne. 215 S., Suhrkamp, Franken 32.–

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.