Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Aus Liebe zu den Lendengrübchen

Theater oder Kabarett? Das Theater Kanton Zürich bringt den Monolog «Das Auge des Tigers» des Vorarlbergers ­Stefan Vögel auf die Bühne. Darin boxt sich einer zwischen Ohnmacht und Oleander durch seine Midlife-Crisis.
Dieter Langhart
Boxen oder Gärtnern? Pit-Arne Pietz im Monolog «Das Auge des Tigers». (Bild: Tanja Dorendorf)

Boxen oder Gärtnern? Pit-Arne Pietz im Monolog «Das Auge des Tigers». (Bild: Tanja Dorendorf)

In Pit Pietz’ Haut möchte man nicht stecken. Aufsteigertraum im Rückwärtsgang: von hundert auf null, vom geduldeten Zürichberg-Gatten zurück zum Hauswartssohn aus Dinkelsbühl. Und das nur, weil er sich in die junge Jenny verguckt hat. Sie hat knackigere Brüste als seine Barbara und unvergleichliche Lendengrübchen. Da kann doch ein normaler Mann so Mitte vierzig nicht widerstehen, sagt Pit Pietz und ballt die Fäuste.

Er boxt sich ins Recht, biegt sich alles zurecht. Er tut sich leid und sinniert wehmütig: «Wenn sie ‹Tiger› zu dir sagte . . .» Doch Barbara hat ihn aus der Villa geschmissen, hat ihm eine Psychiaterin verordnet, die ausgerechnet Zweifel heisst. Hat ihn zum Gärtner degradiert, der ihren Oleander pflegen muss, als habe er eine Schuld abzuzahlen. Ausgerechnet Oleander.

Der Bludenzer Autor Stefan Vögel ist 2014 mit der satirischen Boulevard-Komödie «Achtung Schwiiz» im Casinotheater Winterthur bekannt geworden. In der Heimat kennt man ihn als Kabarettisten («Grüss Gott in Voradelberg») und als Theaterautor; in der Uraufführung seines Kabarettprogramms «Das Auge des Tigers» spielte er die Hauptrolle.

«Rocky III» und der böse Oleander

«Er hat’s verdient», sagt Barbara Reichenstein zu Beginn aus dem Off. Sie wird nie die Bühne betreten, Fabienne Hadorn leiht ihr die klare Stimme. Dann wummert «Eye of the Tiger» aus den Boxen, als spielten Survivor hinter der Bühne. Und jetzt springt Pit Pietz auf die Bühne, selbstbewusst wie Rocky. «Um gleich mal was klarzustellen: Nur weil ich in den letzten sieben Monaten mit sechs Frauen ausgegangen bin und nur weil ich ein Zwei-Jahres-Abo fürs Fitnessstudio gebucht habe und eine Zeit lang auf Tinder war, bin ich noch lang nicht in der Midlife-Crisis. Aber ich werd’ gestärkt aus allem herausgekommen.» Er kriege alles wieder auf die Reihe, Barbara nehme ihn schon wieder zurück.

Pit Pietz redet sich in seinem Monolog um Kopf und Kragen, die Boxhandschuhe lenken nur von seinem Selbstmitleid ab. In den vergangenen sieben Monaten sei er durch die Hölle gegangen: Bandscheibenvorfall beim Oleander-Verstauen, Physiotherapie bei Jenny, Affäre mit Jenny, Rausschmiss. «Ich wäre Barbara gar nicht böse gewesen, dass ich sie betrogen habe.» Er hat genug von Jenny und ihrem jungen Umfeld, will zurück zu Barbara. Die Kinder wollen nicht, und Barbara stellt Bedingungen wie die Gartenarbeit.

«Ich bin ein logischer, kein sentimentaler Mensch»

Rüdiger Burbach, seit 2014 Intendant am Theater Kanton Zürich und davor vier Jahre dessen künstlerischer Leiter, hat sich Vögels deftigen Stoffs angenommen. Er hat das Vorarlbergische entfernt und konzentriert sich in der Schweizer Erstaufführung auf das typische Verhalten von Männern, die in ihrer Lebensmitte ausser Kontrolle geraten und sich sagen, das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Er nennt die Hauptfigur wie den Schauspieler und lässt ihm alle Freiheit.

Pit-Arne Pietz ist eine Wucht. Kaum je hockt er still, ist Körper und Stimme in einem, haut seinen Punching-Ball zu Boden und klettert auf den Oleander, bemitleidet sich und beschimpft die andern, zieht sich aus und um und kriecht in grünen Gärtnerstiefeln vor Barbara zu Kreuze. Er äfft die Frau Zweifel nach und gesteht auch seine eigenen Zweifel ein. «Ich bin ein logischer, nicht ein sentimentaler Mensch», sagt er in einem Anflug von Selbsterkenntnis. Doch als dieser Schnösel Adi Grafenberg ins Haus kommt, wird Pit heftig (und da zieht sich das Stück ein wenig, verliert Tempo). Weinerlichkeit und Selbsttäuschung gehören zu dieser Figur; Pit-Arne Pietz spielt alle Seiten aus, nicht nur die lauten, bühnenwirksamen oder die ironischen Sticheleien in Richtung Publikum.

Nach siebzig Minuten klingelt es. Pit schreit «Barbara» – mit einem Ausrufezeichen und mit einem Fragezeichen. Starker Applaus für einen vielschichtigen und vielsprachigen Schauspieler und für den klaren Farbeinsatz Beate Fassnachts, die auch am See-Burgtheater schon für Bühne und Kostüme gesorgt hat.

theaterkantonzuerich.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.