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Kreuzlinger Seebühne: «Ausflüchte, die katastrophal enden»

Leopold Huber inszeniert Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter» auf der Kreuzlinger Seebühne. Der Regisseur ist begeistert, mit welch scharfer Sprache Frisch in dieser Parabel die Verrenkungen seiner Helden und ihre mangelnde Courage beschreibt.
Martin Preisser
Der Regisseur als Brandstifter: Leopold Huber spielt mit einer Zündschnur inmitten der Benzinfässer auf der Seebühne. (Bild: Martin Preisser)

Der Regisseur als Brandstifter: Leopold Huber spielt mit einer Zündschnur inmitten der Benzinfässer auf der Seebühne. (Bild: Martin Preisser)

Max Frisch hatte seine Tragikomödie «Biedermann und die Brandstifter» eigentlich nur als «Fingerübung» gedacht. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich von diesem Haarölschwindler leben werde», sagte der Autor selbst. Der «Biedermann» als Parabel, für politische Dummheit des Bürgers, für feigen Konformismus, für eine Haltung auch, die aus Liebenswürdigkeit oder einfach Trägheit den Tatsachen nicht ins Auge schaut.

Der Biedermann hofft davonzukommen

«Biedermann ist ein Stück der zu Ende gedachten Ausflüchte, die in die allgemeine Katastrophe münden», hat es der Literaturkritiker Hellmuth Karasek einmal formuliert. «Das Faszinierende an dieser satirischen Entlarvungskomödie ist, wie Frisch den Leuten bei ihren Verrenkungen zuschaut. Zu dieser bürgerlichen Fassade fällt Frisch ungemein viel ein.»», sagt Leopold Huber, der das Stück ab übermorgen auf die Kreuzlinger Seebühne bringt.

Max Frischs «Lehrstück ohne Lehre», wie der «Biedermann» untertitelt ist, basiert auf einer Burleske, die sich bereits 1948 in Frischs Tagbüchern findet. Und vor der Theaterfassung von 1958 lag schon eine Hörspielfassung vor. Der Haarölfabrikant Gottlieb Biedermann lässt zwei Brandstifter in sein Haus, die auch unverfroren zugeben Brandstifter zu sein. «Biedermann hat nicht die nötige Zivilcourage Nein zu sagen. Er hofft durch Verbrüderung mit den Schurken verschont davonzukommen.»

Einen Haarölfabrikanten gab es übrigens tatsächlich. Max Frisch, ein studierter Architekt, hatte dem Millionär Karl Ferster im liechtensteinischen Schaan ein Haus gebaut. Wegen einer zu breiten Treppe kam es zum Streit. Zudem bezeichnete Frisch die Frau des Haarölfabrikanten als spiessbürgerlich, was eine Ehrverletzungsklage zur Folge hatte.

Leopold Huber hat ein rosarotes Haus auf der Seebühne konstruiert. «Die Farbe Rosa symbolisiert Idylle, ein zu dickes Rosa Scheinidylle», sagt der Thurgauer Regisseur. «Biedermann und die Brandstifter» wurde auch als Parabel für das Mitläufertum im Nationalsozialismus gelesen. «Jede Zeit zieht aus der Parabel ihre Schlüsse. Heutzutage bieten sich die rechtspopulistischen Tendenzen an», sagt Huber. Er hat aber darauf verzichtet, die beiden Brandstifter mit einer Trump-Maske auftreten zu lassen. Er ist von Frischs Sprache und Beobachtungsgabe fasziniert: «Wenn ich einen Frisch-Text wie ‹Montauk› lese, dann lese ich Sätze, die in meinem eigenen Vorbewusstsein wie hängen geblieben sind. Frisch lockt das wieder heraus. Er durchschaut so viel mit seiner speziellen scharfen Art zu formulieren»

Ein bekanntes Stück wie «Biedermann und die Brandstifter» halte auch Fallstricke bereit, sagt Huber. «Man hat von der früheren Leseerfahrung her seine Vorstellung, die ich aber bei einer neuen Inszenierung über Bord werfen muss. Die Kunst ist es, eigene alte Vorstellungen zu bekämpfen und einen frischen, unverstellten Blick auf das Stück zu gewinnen.»

«Die beste und sicherste Tarnung ist die nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand», heisst es in Frischs «Biedermann». So will Leopold Huber seine Schauspieler gerade dazu bringen, an die «Lügen» und Selbstlügen im Stück ernsthaft zu glauben, bis sich in der mit viel Kraft aufrecht erhaltenen Fassade immer wieder die kleinen Löcher auftun.

Der Zuschauer kann nur seine eigene Antwort finden

«Als Stückeschreiber hielt ich meine Aufgabe für durchaus erfüllt, wenn es einem Stück jemals gelänge, eine Frage dermassen zu stellen, dass die Zuschauer von dieser Stunde an ohne ein Antwort nicht mehr leben - ohne ihre Antwort, ihre eigene, die sie nur mit dem Leben selber geben können», schreibt Max Frisch 1946 in sein Tagbuch. Auch solche Sätze sind es, die einen Regisseur wie Leopold Huber wieder antreiben, am See pralles, spannendes, frisches und überraschendes Theater zu wagen.

Hinweis

Premiere: Do, 12.7., 20.30 Uhr, Seebühne Seeburgpark, Kreuzlingen; Karten: see-burgtheater.ch

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