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Der Orgelsommer lässt zum Abschluss den heiligen Raum vibrieren

Der Orgelsommer in der Hofkirche endete mit wirbelnden Tanzformationen und raumgreifender Musik.
Gerda Neunhoeffer
Organist Wolfgang Sieber vor dem Eröffnungskonzert des Orgelsommers in der Hofkirche. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 16. Juli 2019)

Organist Wolfgang Sieber vor dem Eröffnungskonzert des Orgelsommers in der Hofkirche. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 16. Juli 2019)

Der berühmte «Bolero» von Maurice Ravel wird mystisch, die durchgängigen Trommelrhythmen werden am fulminanten Ende gar getanzt und der ganze heilige Raum scheint zu vibrieren: so endet der Orgelsommer am Dienstagabend in der Hofkirche Luzern. Hoforganist Wolfgang Sieber bringt mit «Swiss Brass Concert» und Tap Dan’s Company Aussergewöhnliches für Ohren und Augen. Prachtvoll, wie man es bei einem Konzert für Brass und Orgel erwartet, schallt «Planet X» von Marcel Hauser von der Empore in den weiten Raum. Sieber verbindet alle Musikstücke durch Improvisationen, die Themen aufgreifen und weiterführen, um unmerklich in das nächste Werk einzutauchen.

So wird aus den schmissigen Klängen von «Puttin on the ritz» von Irving Berlin das Violinkonzert a-Moll von Johann Sebastian Bach. Tanzt zu Irving die ganze Truppe der atemberaubend wirbelnden Steptänzerinnen, ist es bei Bach der Leiter der Tanzgruppe, Daniel Borak, alleine. Er zeigt schnellste Fussarbeit und schwebende, irrlichternde Drehungen zu den barocken Klängen. Und da die hervorragenden Musiker von Swiss Brass Concert in allen Stilen zu Hause sind, klingt das Violinkonzert so, als hätte Bach es auch für Bläser gedacht.

Jedes Solo wird zum Klangereignis

Die Tanzformationen agieren nicht nur vor den Bläsern vor dem Altarraum, sie sind auch nah am Publikum durch den ganzen Mittelgang verteilt. Unglaublich synchron ziehen sie die Zuhörer in ihren Bann. Zu jedem Stück tragen sie andere Kostüme, zu «Libertango» von Piazzolla treten sie in Rot und Schwarz auf und wandeln Tango in Steptanz, aber behalten alle magischen Elemente bei. Und wie Swiss Brass die Musik gestaltet, welch samtene Klangfarben sich hoch aufschwingen, dabei der Rhythmus der tanzenden Füsse sich genau einschmiegt, das ist phänomenal. Die jungen Tänzerinnen stampfen mal erdenschwer, mal scheinen sie wie Luftwesen zu fliegen.

Dann stellt Ivan Jenny, Solopauker des Luzerner Sinfonieorchesters, seine Trommel nach vorne und beginnt die Rhythmen des «Boleros» von Ravel. Aus allen Richtungen kommen nach und nach die Bläser, machen jedes Solo zu einem Klangereignis und formieren sich um die Trommel. Die Orgel spielt mit – fantastisch, wie das über die Entfernung durch die Kirche gelingt und sich immer mehr steigert. Kurz vor dem Ende kommt Tap Dan’s Company dazu, der Klang vervielfacht sich, bricht sich an Wänden und Decke und verbreitet sich, golden glänzend wie die Heiligenfiguren, über die Zuhörer. Und die danken mit Bravorufen und Standing Ovations.

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