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AUSSTELLUNG: Bilderbogen der Innerschweizer Kunst

Rückblick in Bildern: Das Museum Bruder Klaus in Sachseln zeigt Werke von zwölf bekannten Innerschweizer Künstlern aus den letzten 120 Jahren.
Blick in die Ausstellung «Retro» im Museum Bruder Klaus in Sachseln: «Marienvision» des Bruder Klaus (1904) von Anton Stockmann, ... (Bild: PD)

Blick in die Ausstellung «Retro» im Museum Bruder Klaus in Sachseln: «Marienvision» des Bruder Klaus (1904) von Anton Stockmann, ... (Bild: PD)

Kurt Beck

Einen Blick zurück in die jüngere Vergangenheit des Zentralschweizer Kunstschaffens wirft die aktuelle Kunstausstellung «Retro» im Museum Bruder Klaus in Sachseln. Retro, das tönt nach abgelegten Kleidern, angestaubtem Kram, aus der Zeit und der Mode geratenem Krempel.

Wer nun erwartet, in der Sachsler Retro-Ausstellung muffligen Helgen und bröckligen Plastiken zu begegnen, könnte kaum falscher liegen. Die Künstlerin und die elf Künstler, mit deren Werken die Ausstellung bestückt ist, haben zwar alle im letzten Jahrhundert gelebt und gearbeitet und sind inzwischen tot, doch die Kunst, die sie geschaffen haben, ist noch lebendig, von erfrischender Vielseitigkeit, in ihren Inhalten spannend und in ihrer künstlerischen Qualität alles andere als antiquiert.

Kulturpolitisch einflussreich

Die zwölf Kunstschaffenden waren alle Mitglieder der Künstlervereinigung Visarte Zentralschweiz (vormals GSMBA Innerschweiz), die heuer ihr 120-Jahr-Jubiläum feiert. Die Ausstellung im Museum Bruder Klaus ist nicht nur ein künstlerischer Rückblick, sie ist auch eine Hommage an die 1866 gegründete Organisation, die gesamtschweizerisch organisiert war, die Interessen der Kunstschaffenden vertrat und eine wichtige Rolle in der Kulturpolitik und Kulturförderung auf eidgenössischer wie kantonaler Ebene spielte. Bekanntester Präsident der GSMBA Schweiz war Ferdinand Hodler. Namhaftester Präsident der Innerschweizer Sektion war Max von Moos, Luzerner Surrealist und ehemaliger Direktor der Kunstgewerbeschule Luzern.

Einblick in Vielfalt

Die Auswahl der Kunstschaffenden erfolgte offenbar nicht nach inhaltlichen oder formalen Kriterien. Offenbar soll die Ausstellung den Besuchern einen Einblick in die Vielfalt des Innerschweizer Kunstschaffens der vergangenen 120 Jahre ermöglichen. Ältester Künstler der Ausstellung ist Hans Emmenegger (1866–1940), von dem fünf Werke präsentiert werden: zwei typische öde Hügel­landschaften, ein Blumen- und ein Früchtestillleben sowie das skurrile, von Böcklin inspirierte Bild «Heimkehr der Feen», das hexenhafte Wesen auf Drachen reitend zeigt. Jüngster Künstler ist der Nidwaldner Eisenplastiker Josef Maria Odermatt (1934 – 2011), von dem vier geschmiedete geometrisch abstrakte Eisenplastiken und zwei Tuschezeichnungen im Untergeschoss des Hauses zu sehen sind.

Zwischen diesen beiden zeitlichen Polen entfaltet die Ausstellung einen abwechslungsreichen Bilderbogen mit Kreidezeichnungen von August Babberger, der sozusagen für die internationale Ausrichtung der Innerschweizer Kunst steht, mit 19 Werken von Karl Friedrich Schobinger, der in seinem Schaffen so pluralistisch war und eine formale Diversität pflegte wie kaum ein anderer.

Humor und innere Wirklichkeit

Dass Innerschweizer Kunst auch heiter und humorvoll sein kann, zeigen die aquarellierten Kartengrüsse des Holzschneiders Röbi Wyss. Paul Stöckli und Werner Andermatt sind mit Collagen vertreten: Andermatt mit abstrakten Farberuptionen, Stöckli mit eigenwilligen grafischen Bildern. Pure gegenstandslose Malerei prägt das Werk Alfred Sidlers, dessen Bilder innere Wirklichkeiten ausdrücken, während die schichtartig gebauten Stillleben von Rolf Meyer ein perspektivisch verzogenes surreales Bild der Wirklichkeit behaupten.

Josephine Troller ist die einzige Künstlerin in dieser Ausstellung. Das widerspiegelt in gewisser Weise die männliche Dominanz der Künstlervereinigung, der erst ab 1972 Frauen beitreten konnten. Die Bilder der Autodidaktin, die sich erst mit knapp fünfzig Jahren der Kunst zuwandte, fällt mit ihren eigenständigen und sehr eigenwilligen Bildschöpfungen auf, die expressive Farbigkeit mit märchenhaftem Zauber verbinden.

Die Vision des Bruder Klaus

Religion und Spiritualität sind traditionell Inspirations- und Motivquelle des Innerschweizer Kunstschaffens. Sachseln und das Museum Bruder Klaus sind ein spiritueller Hotspot, der weit über die Region hinausstrahlt. Die Plastiken von Hugo Imfeld und die beiden Entwürfe von Anton Stockmann nehmen direkt Bezug auf den Ort und auf Bruder Klaus. Die Brunnenfigur von Hugo Imfeld, die Bruder Klaus mit dem Teufel an der Kette zeigt, sollte in Sarnen stehen, wurde jedoch nie realisiert.

Anders die «Marienvision» des Bruder Klaus von Anton Stockmann, die als Mosaik in der Vorhalle der Pfarreikirche St. Theodul in Sachseln ausgeführt wurde. In der Ausstellung hängt eine Studie der «Vision», die durch ihre Strahlkraft und ihre expressive Farbigkeit überrascht. Es lohnt sich, die wenigen Schritte vom Museum zur Pfarrkirche unter die Füsse zu nehmen, um zu sehen, wie sich Entwurf und Mosaik unterscheiden, wie sehr das Bild in der späteren Umsetzung zum Mosaik an Stahlkraft und dramatischem Ausdruck eingebüsst hat. Das Mosaik ist im Vergleich ein ironischer Kommentar zur Ausstellung: Die Ausstellung heisst «Retro», ist aber vital und bewegend, das Mosaik ist retro und in Starrheit versteinert.

Hinweis

Museum Bruder Klaus, Sachseln. Di–Sa 10–12, 13.30–17, So 11–17 Uhr. Bis 19. Juni. Führungen: Mi, 13. April, und Mi, 8. Juni, 19.30 Uhr.

Bilder und Gefässe von Rolf Meyer (1913–1990) und... (Bild: PD)

Bilder und Gefässe von Rolf Meyer (1913–1990) und... (Bild: PD)

... Plastiken von Hugo Imfeld (1916–1993). (Bild: PD)

... Plastiken von Hugo Imfeld (1916–1993). (Bild: PD)

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