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AUSSTELLUNG: Danioth trifft endlich die Gublers

Das Haus für Kunst Uri zeigt in «Frühlingserwachen» frühe Bilder von Heinrich Danioth. Und ermöglicht zudem mit den Werken von drei Brüdern eine Begegnung, die wohl erstmals stattfindet.
Nadine Meier
Seltenes Zusammentreffen: mystisch-unheimlich «Der Traum» (1914–1925 ) von Heinrich Daniot. (Bild: F. X. Brun/PD)

Seltenes Zusammentreffen: mystisch-unheimlich «Der Traum» (1914–1925 ) von Heinrich Daniot. (Bild: F. X. Brun/PD)

Nadine Meier

kultur@luzernerzeitung.ch

Der ans Kreuz genagelte Jesus hängt gegenüber einer idyllischen Alpenwiese. Bronzeplastiken weisen den Weg zu Sterbebetten, Bergbauern und verschneiten Winterlandschaften. Mit der Ausstellung «Frühlingserwachen» zeigt das Haus für Kunst Uri vier Künstler, die zeitgleich am Werk waren und trotzdem alle ihre eigene Handschrift entwickelten. Gleichzeitig ist man Zeuge der Entwicklungsschritte der damals jungen Künstler: Man sieht, wie sie sich selbst hinterfragten, sich und ihr Schaffen stets vorantrieben.

Heinrich Danioth (1896–1953) wurde lange als reiner Heimatmaler belächelt. Gegen diese Bezeichnung hat er sich zu Recht gewehrt. 1946 schrieb er: «Man hat mich eigentümlicherweise zum Heimatmaler gestempelt, und doch möchte ich alles andere sein als nur der Urner. Ich spüre den Weiten des Menschlichen nach.» Bekannt ist Danioth dennoch primär für das rote Teufelsbild an der Schöllenenschlucht oder die Abbildung «Fundamentum» am Bundesbriefmuseum in Schwyz, mit dem er 1935 eine heftige Kunstdebatte auslöste.

Drei Brüder aus der Stadt Zürich

Der Ausstellungstitel «Frühlingserwachen» weist nebst der Jahreszeit vor allem aber auf die ersten Gehversuche der vier Künstler hin. Neben Danioth, dem das Erdgeschoss gewidmet ist, zeigt die Kuratorin Barbara Zürcher im Obergeschoss Werke der drei Gubler-Brüder sowie Fotografien aus dem Archiv ihres Vaters. Die Stadtzürcher zogen 1905 wegen eines Restaurierungsauftrages ins urnerische Riedertal. Während sich die Bergbauern und die zugezogenen Städter langsam anfreundeten, näherten sich die drei jungen Gubler alle auf ihre eigene Art künstlerisch ihrer neuen Umgebung an. So schuf Ernst vor allem Skulpturen aus Holz und Bronze, während sich Eduard zunehmend in der Neuen Sachlichkeit und Max im deutschen Expressionismus verortete.

Danioths Werke, welche Einblicke in seine Schaffensphase bis 1925 zeigen, sind thematisch angeordnet und ermöglichen spannende Quervergleiche. Laut der Kuratorin Barbara Zürcher sieht man die verschiedenen Handschriften, die er hier entwickelt. Zudem sei der Künstler, wie viele andere auch, im Frühwerk experimentierfreudiger und nehme Stilrichtungen unbeschwerter auf. So meint man in den Bauerntanzmotiven Fratzen zu erkennen, die an Munchs «Schrei» erinnern. Und «Menschen am Wasser», eines der Bilder, die erstmals überhaupt der Öffentlichkeit gezeigt werden, erinnert an den «Tanz» von Matisse.

Bei den Selbstporträts hingegen spürt man einen jungen Mann heraus, der sich selber sucht, was Danioth oftmals Mühe machte. So schreibt er 1925 in sein Tagebuch: «Ich entwerfe grosse Wandbilder und kann mich nicht fügen in die gegebene Grösse.» Die Porträt- und Aktstudien im Nebenraum beeindrucken mit ihrer zeichnerischen Qualität, obwohl sie laut Barbara Zürcher wohl vor allem als Fingerübungen dienten. «Es sind qualitativ natürlich nicht alle gleich.» Genau das macht die Ausstellung spannend: dass man anhand des Frühwerks ausmachen kann, wie ein Künstler seinen Weg, seinen ganz persönlichen Ausdruck sucht und sich dabei auch an Vorbildern orientiert.

Prägung durch das einsame Riedertal

Ungefähr zur gleichen Zeit wie Danioth wirkte, haben sich die Gubler-Brüder in der Heimat Danioths niedergelassen. Obwohl alle teils praktisch nebeneinander lebten und arbeiteten, scheinen sie sich nie begegnet zu sein. Der obere Stock der Ausstellung ist den Brüdern gewidmet und zeigt, wie sehr das einsame Riedertal die drei Söhne geprägt hat.

Immer wieder ist die Wallfahrtskapelle aus allen möglichen Perspektiven und Jahreszeiten abgebildet, in der der Vater als Restaurator der Wandmalereien arbeitete. Aber auch Krankheit, Tod und Armut sind Erfahrungen, die die Gubler-Brüder malerisch umsetzten. Die Kunstwerke der Brüder treten – trotz der räumlichen Trennung durch ein Stockwerk – in einen beredten Dialog mit Danioths Werk. Und scheinen damit den Austausch nachzuholen, der zu Lebzeiten nie stattfand.

Hinweis

«Frühlingserwachen. Das Frühwerk von Heinrich Danioth und Frühwerke von Eduard, Ernst und Max Gubler im Riedertal». Ausstellung bis 20. Mai. Vernissage Samstag, 17.30 Uhr. Öffnungszeiten: Do/Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr.

Karg-präzise die «Familie am Tisch» (1919) von Max Gubler. (Bild: F. X. Brun/PD)

Karg-präzise die «Familie am Tisch» (1919) von Max Gubler. (Bild: F. X. Brun/PD)

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