AUSSTELLUNG: Eintauchen in einen surrealen Zauberwald

Aktuelle Kunst aus der Schweiz und Kanada: Im Haus für Kunst in Altdorf mobilisieren zwei Künstlerinnen magische Momente und flüchtige Gedanken.

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Magische Landschaft: Szene aus dem Video der Luzerner Künstlerin Edith Flückiger im Haus für Kunst Uri in Altdorf. (Bild: PD)

Magische Landschaft: Szene aus dem Video der Luzerner Künstlerin Edith Flückiger im Haus für Kunst Uri in Altdorf. (Bild: PD)

Eine Augenweide verspricht Barbara Zürcher, bevor sie den Einlass für den Danioth Pavillon im Haus für Kunst Uri in Altdorf freigibt. Übertrieben hat die Direktorin des Hauses nicht. Die Videoinstallation «Als sie die Augen aufschlägt ...» der Luzerner Künstlerin Edith Flückiger (55) ist tatsächlich sehr beeindruckend, und man kann sich kaum mehr losreissen vom monumentalen Bilderreigen, der sich über die gesamte Längswand des Pavillons ergiesst und eigentlich nichts anderes zeigt, als einen Teich in einem Wald im Wechsel der Jahreszeiten.

Eine Figur taucht ab und zu schemenhaft auf, ein Haus ist manchmal zu sehen, sonst gibts nichts als Wald, Wasser, Nebel, Himmel, Mond – und immer wieder Spiegelungen im Wasser, die Himmel und Erde in Bewegung versetzen und je nach Wind die Welt zum Schwingen bringen. Manchmal scheint es, als ob die Welt zerfliesse, die Realität sich verabschiede und einer gespenstischer Surrealität Platz mache.

Monumental und poetisch

Je länger man am Videoteich verweilt, desto stärker wirkt die Magie des Ortes und der Bilder, deren Bannkraft von der unterlegten Tonspur noch massiv verstärkt wird. Ins Geheimnisvolle und Rätselhafte führen die Schriftbänder mit Textfragmenten, die in Abständen über die Wand wandern. Poesie und Monumentalität verbinden sich in dieser Arbeit zu zauberhafter Intensität.

Mit Kanada verbunden

Elektronik und Computermedien prägen die aktuelle Ausstellung «(im)mobile» im Haus für Kunst, an der zwei Künstlerinnen beteiligt sind. Neben Edith Flückiger, die drei Videoinstallationen und drei Schriftbilder ausstellt, ist auch die kanadische Künstlerin Germaine Koh (48) mit Arbeiten zu den Themen Mobilität und Immobilität vertreten. Ihr künstlerischer Ansatz ist mehr konzeptioneller, denn bildnerischer Art. Im Foyer hat sie zwei Türen installiert, die übers Internet verbunden sind. Bewegt man die eine, schwingt die zweite synchron mit.

«Fair-weather forces», eine zweite per Internet gesteuerte Arbeit, ist eine Installation, die den Pegelstand eines Gewässers in Vancouver anzeigt. Die entsprechenden Daten werden direkt aus Kanada ins Kunsthaus nach Altdorf übermittelt.

Aktuelle Bezüge

An aktuelle Migrationsströme und Flüchtlingsnot mahnen zwei begehbare Installationen der Künstlerin. Im Erdgeschoss versteckt sich zwischen den Wänden der «Wall of Uri» eine karg möblierte Unterkunft, die eine klandestine Existenz ermöglichen.

Eine funktionale, sperrige Kunst-Transportkiste, welche die Künstlerin im Dachgeschoss platziert hat, erweist sich als mobile Schlafkoje, mit Matratze und Leselampe. Doch freiwillig würde man in so beängstigend engem Raum nicht nächtigen oder gar reisen.

Die aktuelle Ausstellung im Haus für Kunst in Altdorf beeindruckt durch die durchwegs hohe Qualität der präsentierten Arbeiten. Klar, die Videoinstallation von Edith Flückiger ist das ­spektakulärste Werk der Ausstellung, doch auch die weniger augenfälligeren Arbeiten überzeugen und tragen dazu bei, dass das anspruchsvolle kanadisch-schweizerische Ausstellungsprojekt «(im)mobile» insgesamt gelungen und spannend ist.

Kurt Beck

Haus für Kunst Uri, Herrengasse 2, Altdorf. Do/Fr 14–18, Sa/So 11–17 Uhr. Bis 15. Mai. www.hausfuerkunsturi.ch