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Ausstellung im Haus für Kunst Uri:
Natur zwischen Traum und Alptraum

36 Kunstschaffende setzen sich in fast 70 Werken vielfältig mit der Natur auseinander. Das ist nicht nur poetisch. Wie sensible Ökosysteme vom Menschen zerstört werden, damit beschäftigt sich ausserdem eine internationale Konferenz.
Markus Zwyssig
(Bilder: F.X. Brun)

(Bilder: F.X. Brun)

Die Poesie und der Schrecken liegen manchmal nahe beieinander: Das zeigt sich zurzeit im Haus für Kunst Uri. Eindrückliche Aufnahmen zeigen die unbändige Kraft von Tornados und Schlammlawinen, wie sie ganze Dörfer, Städte und Landschaften niederwalzen und zerstören. Die Schweizer Videokünstlerin Doris Schmid hat aus Bildern von Katastrophen, wie wir sie medial fast täglich zu sehen bekommen, eine eindrückliche Collage geschaffen.

Gleich neben Schmids Collage ist ein Video zu sehen, in dem sich eine grosse Seifenblase traumwandlerisch durch die Landschaft bewegt, ohne zu zerplatzen. Geschaffen haben diese Arbeit die brasilianischen Künstler Cao Gulmarães und Rivane Neuenschwander.

Ein grosser Bogen von Amazonien zu den Alpen

«Natur zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit – von Amazonien in die Alpen» heisst die neue Ausstellung im Haus für Kunst Uri. 36 Künstler bedienen sich in fast 70 Werken der verschiedensten künstlerischen Medien wie Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Film, Video und Installation. Zu sehen sind Arbeiten von so unterschiedlichen Künstlern wie Georg Aerni, Judith Albert, John Armleder, Mayo Bucher, Simon Ledergerber, Peter Regli oder Daniel Wicky. Mit dem Einbezug von sechs brasilianischen Positionen, je einer aus Venezuela, aus der demokratischen Republik Kongo und aus Belgien schlägt die Ausstellung einen weiten Bogen. Mit ihren ganz unterschiedlichen Reflexionen zur Natur ist sie auch ausserordentlich vielfältig.

Die von Barbara Zürcher und Bruno Z’Graggen kuratierte Ausstellung berührt und will zum Nachdenken anregen. Eine der zentralen Arbeiten ist ein Film des venezolanischen Videokünstlers Javier Téllez, der in New York lebt. Der Annex-Bau im Haus für Kunst Uri wurde für die Arbeit von Téllez zum temporären Kinosaal umgestaltet.

Hier wird der Film von Javier Téllez gezeigt.

Hier wird der Film von Javier Téllez gezeigt.

Für seinen 27-minütigen Film «Letter on the blind for the use of those who see» (zu deutsch: «Brief über Blinde zum Gebrauch für die Sehenden») hat er eine antike indische Parabel nachgestellt. Im Stadtteil Brooklyn wird ein Elefant auf das Areal eines Schwimmbads geführt. Sechs blinde Menschen sitzen auf Stühlen. Einer nach dem anderen geht nach vorne und tastet den grauen Riesen ab. Die Arbeit handelt vom Glück, die Natur entdecken zu können. Für den Betrachter im Kino ist es eindrücklich zu erleben, wie die blinden Menschen ihre unterschiedlichen Empfindungen schildern.

Von blutigen Fingern und der Gewalt des Feuers

Die belgische Künstlerin Hanne Van Dyck zeigt eine Videoarbeit, in der sie Urner Kristalle mit ihren blossen Händen prüft, bis diese bluten. Von der Gewalt des Feuers handelt die Arbeit von Roman Signer. Zu sehen sind die Überbleibsel eines Experiments. Signer hat einen Feuerwerksvulkan angezündet. Dieser hat ein Loch in den sich darüber befindenden Deckel und in eine Pfanne gebrannt.

Werk von Roman Signer.

Werk von Roman Signer.

Eines der Objekte im Garten des Hauses für Kunst stammt von Chalet 5. Die farbigen Wasserhähne hat das Künstlerpaar Karin Wälchli und Guido Reichlin von seinen Reisen aus Indien mitgebracht. Diese stammen aus einer sehr trockenen Region, in denen die Ressource Wasser ein knappes Gut ist. Jetzt tropfen sie in Altdorf vor sich hin.

Werk von Chalet 5.

Werk von Chalet 5.

Bergkanton hat jetzt gleich zwei Sonnenuntergänge

Die Ausstellung animiert aber auch zum Träumen: Im Kanton Uri gibt es wegen der Berge keine Sonnenuntergänge. Jetzt aber macht es die Kunst möglich, dass die Urner während der 10 Wochen dauernden Ausstellung gleich zwei Sonnenuntergänge aufs Mal erleben können. Wiedemann/Mettler sorgen mit ihrem farbenfrohen Vorhang vor einem grossen Fenster für Ferienstimmung. Dazu passen die alten Plattenspieler aus den Fünfzigerjahren, bei denen die Nadeln der Tonabnehmer nicht auf einer Platte, sondern auf dem leeren Teller drehen. Marianne Halter und Mario Marchisella produzieren mit ihrer In­stallation Geräusche, die beim Abschreiten der Apparate ans Rauschen des Meeres erinnern.

Hinweis: Die Ausstellung im Haus für Kunst Uri ist Do/Fr von 14 bis 18 Uhr sowie Sa/So von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Bis 24. November. www.hausfuerkunsturi.ch

Wie machen wir die Natur kaputt?

Die Feuer in Brasiliens Regenwald beherrschten im August die Schlagzeilen. Lange vorher schon wurde die internationale Konferenz geplant, welche die Stiftung Lucerna mit der Universität Luzern unter dem Patronat des Club of Rome abhält: «Nature, Culture and Perception. From the Amazon to the Alps» – vom 30. September bis 2. Oktober in Luzern und Altdorf. Die Uni Luzern, die Videokunstplattform VIDEO WINDOW und das Haus für Kunst Uri verfolgen gemeinsam einen transdisziplinären Ansatz, um Komplexität und Dringlichkeit des Klimawandels gerecht zu werden. Mit dem Brückenschlag vom Amazonas zu den Alpen soll aufgezeigt werden, wie sensible Ökosysteme zugrunde gehen. Stattkino Luzern und VIDEO WINDOW etwa hinterfragen am Eröffnungsabend das Verhältnis des Menschen zur Natur im Kontext von Regenwald und Alpen. (sh)

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