AUSSTELLUNG: Im Netzwerk der jungen Kunst

Der Sankt­urbanhof Sursee zeigt 15 junge Künstler aus der Region: eine Gelegenheit für Entdeckungen und Überraschungen.

Kurt Beck
Drucken
Teilen
Raumfüllendes Werk: Bettina Staub, Co-Leiterin des Sankturbanhofs Sursee, prüft die Installation «Floating» von Joshua Wechsler. (Bild Eveline Beerkircher)

Raumfüllendes Werk: Bettina Staub, Co-Leiterin des Sankturbanhofs Sursee, prüft die Installation «Floating» von Joshua Wechsler. (Bild Eveline Beerkircher)

Bereits zum sechsten Mal bietet der Sankturbanhof in Sursee dem regionalen Kunstschaffen eine attraktive, professionell betreute Plattform, um sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Jahresschau der regionalen Kunst beschränkt sich in der aktuellen Ausgabe nicht wie in früheren Jahren auf Sursee, sondern expandiert weiter in die Luzerner Landschaft – ins Entlebuch, ins Hinterland, sogar bis in den benachbarten Aargau. Zur Ausstellung im Sankturbanhof finden Präsentationen in der Stadtmühle Willisau (ab 1. Februar), in der Kantonsschule Schüpfheim (ab 25. Januar) und im Kunsthaus Zofingen (ab 26. Januar) statt.

Unter der Affiche «Aktuelle Kunst U33» vereinen die vier Ausstellungen 15 unter 33-jährige Künstlerinnen und Künstler, die aus den Regionen stammen oder da leben. Aus 31 Bewerbungen hat eine Jury die 15 ausgewählt. Zusätzlich wurden die Künstlerinnen Stofer & Stofer eingeladen, als verbindende Klammer eine Installation zu schaffen. In allen vier Häusern wird nun ein Teil ihrer Mixed-Media-Installation «wait and see I–IV» zu sehen sein. Allerdings sind nicht alle 15 Künstler in allen vier Ausstellungen vertreten.

Start in Sursee

Den Auftakt zum Ausstellungsreigen macht der Sankturbanhof, der neben Stofer & Stofer Arbeiten von acht der jungen Künstlerinnen und Künstler zeigt. Gleich beim Eingang startet die Ausstellung mit einem Bilderrätsel, allerdings keinem allzu schwierigen. Denn schnell erkennt man in der Unschärfe das Porträt der Mona Lisa. «Signora del Giocondo» titelt Jasmin Hunn die mehrteilige Serie, die deutlich vor Augen führt, wie wenige Puzzleteilchen es braucht, um in unserem Kopf ein ganzes Bild entstehen zu lassen.

Einen eigenen Raum bespielt Irene Bisang mit ihrer «Werkgruppe» mit kleinformatigen Malereien, Lackpapieren und farbigen Zeichnungen. Die Künstlerin inszeniert mit ihren Arbeiten einen faszinierenden Kosmos von fantastisch surrealen, poetisch witzigen und erotischen Bildern aus der Welt der Träume und den Tiefen des Unterbewussten. Mit landschaftlichen, chinesisch anmutenden Tuschemalereien und Watte-Objekten ist Eliane Hürlimann in dieser Ausstellung vertreten, während Judith Leuppi die grossformatige, mehrteilige Fotoarbeit «fossil Grove» zeigt.

Starke Videos

Eine vielschichtig aufgeladene und theoretisch unterfütterte Konzeptarbeit präsentiert Jeremias Bucher im Abtsaal des Hauses. Der installative Teil der Arbeit schafft einen provokanten Kontrast zum historischen Ambiente.

Mit starken Arbeiten ist Videokunst vertreten. Franziska Bieri zeigt drei kurze Filme, darunter «Zopf auf Erde», in dem sie auf einem frisch gepflügten Acker einen Teig knetet und ihn zum mit Erde versetzten Zopf flicht. Das Video «naluns» zeigt die Künstlerin, wie sie Eier aus einem Krug auf die Strasse kullern lässt und einige dann zertritt. Die beiden Videos haben etwas Archaisches, Kulthaftes und beeindrucken durch einfache, aber starke Bilder.

Mit dem grossartigen, tänzerisch eindrücklichen Video «Bad» und der Liebesleid-Performance «Maldita prima­vera» ist Nina Willimann in der Schau vertreten, in der die Installation «Floating» von Joshua Wechsler die grösste Arbeit ist. Die Holzkonstruktion, die ebenso an ein Riesenmolekül wie an eine archaische architektonische Struktur erinnert, füllt den grossen Raum komplett.

Hinweis

«Aktuelle Kunst U33», Sankturbanhof, Theaterstrasse 9, Sursee. Mi–Fr 14–17, Sa/So 11–17 Uhr. Bis 16. März. www.sankturbanhof.ch