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Ausstellung im Vögele Kulturzentrum

Pfäffikon SZ Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788–1860) hielt den Menschen für ein Stachelschwein mit grossem Nähe- und Distanzproblem. Es suche die Nestwärme und fürchte zugleich die Widerborstigkeit seiner Artgenossen. Laut aktuellem Forschungsstand braucht der Homo borsticus mindestens 60 Zentimeter Abstand. Erst dann hält er’s aus mit dem Rest der Herde.

Was wissen wir von unserem Nachbarn? Den Vornamen? Den Namen seines WLAN-Netzwerkes? Wie viel Nähe brauchen wir? Und welche Rituale bestimmen unser Zusammenleben? Das fragt die Ausstellung mit den sich freundlich wie bedrohlich zur Seite neigenden Wänden im Vögele Kulturzentrum. Denn ein Nachbar ist oft nur die Summe sinnlicher Eindrücke, die in den Köpfen der Anwohner gefährliches Halbwissen produzieren. Der Autor Hugo Loetscher wusste darum. Die Herausgabe seines Waschküchenschlüssels an eine junge Nachbarin brachte in seinem Wohnhaus die Gerüchteküche zum Brodeln.

Nicht Gerüchte, sondern Geräusche hinter der Wand regen die Künstlerin Bettina Hutschek zu poetischen Reflexionen an, während sie ihre niederländische Kollegin Sarah von Sonsbeeck dazu verleiten, bei ihren Nachbarn brieflich 80 Prozent der Miete einzufordern – für die akustische Mitbenutzung ihrer Wohnung. In Pfäffikon SZ geht es nicht nur um den Streit, der vom Gartenzaun bricht, und wie in Norman McLarens oscargekröntem Stop-Motion-Kurzfilm «Neighbours» (1952) tödlich enden kann. Mindestens so faszinierend ist der schmale Grat zwischen Fürsorge und Kontrolle sowie Abweichung und Konformität. Dazu gehört auch das Wettrüsten mit Weihnachtslichterketten – Jules Spinatsch hat es weltweit dokumentiert – oder den sozialen Druck bei der Grünflächenpflege.

Die Ausstellung widmet sich auch stadtplanerischen Fragen: Kann man mit partizipativen Projekten Nachbarschaft fördern, oder ist schallisolierte Bauweise die Lösung aller Probleme? Antworten gibt es nicht, lediglich Denkanstösse. Schopenhauer war da deutlicher: «Wer (...) viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.»

«Hallo Nachbar! Der tägliche Tanz um Nähe und Distanz.», Vögele Kulturzentrum, Pfäffikon SZ. Bis 25.3.2018. www.voegelekultur.ch

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