Ausstellung in Jean Nouvels weissen Kuben

«Nouvelles boîtes», die neue Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, soll die von Jean Nouvel entworfenen Räume sinnlich erfahrbar machen. Sie vereinigt Installationen von zehn Künstlern und ist bis zum 21. Oktober zu sehen.

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Juan Muñoz, the Wasteland, 1987. (Bild: Stefano Schröter / Estate Muñoz)

Juan Muñoz, the Wasteland, 1987. (Bild: Stefano Schröter / Estate Muñoz)

Eigentlich schwebten Jean Nouvel für das Luzerner Kunstmuseum skulpturale Räume vor. Doch die damaligen Museumsverantwortlichen bestanden - um den Vorrang der Kunst vor der Architektur besorgt - auf der Idee des «White Cube». Und so realisierte der französische Architekt die «nudité des espaces», eine Folge von Räumen mit rasterartigem Grundriss.

Nicht ganz einfach, meint die neue Museumsdirektorin Fanny Fetzer. Die Orientierung sei nicht einfach, sie verirre sich immer wieder. In ihrer zweiten Ausstellung in Luzern setzt sie sich deshalb explizit mit der Architektur des Museums auseinander. Zehn Räume sind so je mit einer Installation besetzt. Tatsächlich loten die Arbeiten von zehn Kunstschaffenden die Möglichkeiten des Luzerner Museums aus. So wird die Höhe der Räume durch Eric Hattans (Jahrgang 1955, Schweiz) «leftovers», wo Mobiliar an der Decke klemmt, oder Jim Isermanns (1955, USA) tief gehängter Decke erfahrbar.

Illusionismus und Minimalismus

Mit einem illusionistischen Boden und einer befremdenden Bronzefigur bringt der Spanier Juan Munoz (1953-2001) Besucher aus dem Gleichgewicht. Auf den Surrealismus bezieht sich Christian Kathriner (1974, Schweiz) mit seinen monumentalen Holztüren.

Für Unruhe sorgt Stefan Burgers (1977, Schweiz) Installationen mit drei Diaprojektoren, die in schneller Folge Bilder projizieren, ausgelöst durch robotische Fingerprothesen. «Reizdarm streicheln», nennt er das. Kitty Kraus (1976, Deutschland) kontrastiert den «White Cube» mit einer Art Black Box, in der Spiegellampen geometrische Skulpturen an die Wand werfen.

Minimalistisch ist die Fadenarbeit von Fred Sandback (1943-2003, USA), die die Dimensionen des grössten Museumsraumes erfahrbar macht. Ebenfalls eine Fadenarbeit von Adrian Esparza (1970, USA) übersetzt Formen von alpinen Kristallen in geometrische Muster.

Hintersinnige Schwarz-Weiss-Malerei

Minimalismus schliesslich auch bei Bruno Jakob (1954, Schweiz): Er zeigt einen leeren Raum, imaginär «gefüllt mit 12'000 neugeborenen Bildern, in die Luft entlassen». Jakob malt mit Gedanken, Wasser, Luft. Es sei andernorts schon vorgekommen, sagt Fanny Fetzer, dass Ausstellungsbesucher den Eintrittspreis zurückhaben wollten.

Hintersinnig ist die Ausgangslage des Bulgaren Nedko Solakov (1957): vier Wände, je zwei schwarz und weiss. Während der Ausstellung werden nun täglich zwei Personen die Wände überstreichen - die schwarze weiss und umgekehrt. «A Life» heisst die Anlage, die sowohl in Slapstick wie auch in eine Meditation über den Dualismus münden kann.

Ergänzt wird die Ausstellung am 21. Oktober mit einer Performance des amerikanischen Künstlerduos Allora & Calzadilla. Mit «Revolving Door» formieren sich Tänzerinnen und Tänzer zu einer Reihe, die sich wie eine Drehtür durch den Raum bewegt.

sda

Hinweis:
Öffentliche Führungen durch ausgewählte Ausstellungen finden mittwochs um 18 Uhr und sonntags um 11 Uhr statt. Infos auf

Jim Isermann, Untitled (Drop Ceiling), 2011 (Bild: Stefano Schröter, the artist)

Jim Isermann, Untitled (Drop Ceiling), 2011 (Bild: Stefano Schröter, the artist)

Kitty Kraus, Untitled (Spiegellampe), 2003/2012 (Bild: Stefano Schröter, the artist)

Kitty Kraus, Untitled (Spiegellampe), 2003/2012 (Bild: Stefano Schröter, the artist)

Eric Hattan, leftovers, instant sculpture, 2012 (Bild: Stefano Schröter / the Artist)

Eric Hattan, leftovers, instant sculpture, 2012 (Bild: Stefano Schröter / the Artist)

Adrian Esparza, Lounge and Landscape, 2012 (Bild: Stefano Schröter / the artist)

Adrian Esparza, Lounge and Landscape, 2012 (Bild: Stefano Schröter / the artist)