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AUSSTELLUNG: Landesmuseum zeigt Claude Nobs' Star-Geschenke

Das Landesmuseum in Zürich würdigt 50 Jahre Jazzfestival Montreux. Im Mittelpunkt stehen Claude Nobs, dessen Gründer und langjähriger Direktor, und «seine» Musiker.
Philipp Bürkler
Stammgast in Montreux: David Bowie mit der Trompete von Miles Davis. (Bild: Claude Nobs Archives)

Stammgast in Montreux: David Bowie mit der Trompete von Miles Davis. (Bild: Claude Nobs Archives)

Philipp Bürkler

David Bowie, Miles Davis, Are- tha Franklin, B. B. King, Herbie Hancock, Grace Jones, Quincy ­Jones oder Deep Purple: Es gibt kaum Stars aus dem Musikbusiness, die in den vergangenen 50 Jahren nicht in Montreux auf der Bühne standen. Gekommen sind die Showgrössen nicht nur wegen der mediterranen Genferseeregion, sondern vor allem wegen der Gastfreundschaft von Claude Nobs, dem Festivalgründer und langjährigen Direktor. Der an Weihnachten 2012 beim Skifahren verunglückte und im Januar 2013 an den Folgen des Unfalls verstorbene Nobs hat das Festival zum Treffpunkt und Event der globalen Musikszene gemacht. Der gelernte Koch hat die Stars nicht nur auf die Bühne gebeten, sondern sie auch regelmässig zu sich in sein Chalet oberhalb des Genfersees eingeladen und sie bekocht.

Stammgast war David Bowie. 1991 bedankt sich der Sänger in einem handgeschriebenen Brief persönlich bei Nobs für das Abendessen, «es tat so gut, dich so fröhlich und gesund zu erleben». Stars aus aller Welt kamen zu ihm, weil sie in ihm einen Freund sahen – einen Freund, der ihnen auch jegliche exzentrischen Wünsche erfüllte. Falls Bowie im Winter Lust auf Erdbeeren hatte, Nobs organisierte sie. Falls der Eigenbrötler Miles Davis nach der Landung auf dem Flughafen Genf spontan Lust dar­auf hatte, einen gelben Fer­rari zu fahren, Nobs organisierte das Fahrzeug in der gewünschten Farbe. Als die für ihr unmögliches Benehmen bekannte Nina Simone drohte, einen Auftritt platzen zu lassen, hatte Nobs ein offenes Ohr und brachte es mit seinem diplomatischen Geschick fertig, die Pianistin und Sängerin zu beruhigen.

Kuriositäten und Anekdoten aus 50 Jahren

Solche Geschichten und Anek­doten erzählt die Ausstellung «Montreux Jazz seit 1967» sehr viele. Im Mittelpunkt steht ­Claude Nobs als charismatischer und exzentrischer Kulturmanager, der wie kein anderer Schweizer unzählige Musikgrössen ins Land holte. Angefangen hatte alles 1960: Nobs arbeitet als Buchhalter in einem Tourismusbüro in Montreux und organisiert nebenbei Konzerte. 1967 initiiert er erstmals das Jazz-Festival als Marketingaktion, um mehr Touristen nach Montreux zu locken. 1969 holt er mit Ten Years After die erste Rockband an den Jazz-Event; Vorbild war das legendäre Open Air im amerikanischen Woodstock. «Stilistisch war Montreux immer in alle Richtungen offen», sagt Ausstellungskurator Thomas Bochet, «das Festival setzt bis heute auf interkulturelle Begegnungen von Jazz bis Punk.»

In der Ausstellung zu sehen sind haufenweise Gegenstände, die Nobs von den Stars über die Jahre hinweg geschenkt bekommen hat, Exponate die er jahrelang in seinem Chalet feinsäuberlich aufbewahrte. In einer Vitrine ist die Gitarre von B. B. King, in einer anderen die Trompete von Miles Davis zu sehen. Auch Schubladen, vollgestopft mit Kleinigkeiten und Habseligkeiten aus seinem Büro, eröffnen einen skurrilen Blick hinter das Äussere des Menschen Nobs. Da liegen beispielsweise seine Identitätskarte, unzählige Visitenkarten oder Stempel, Mobiltelefone und Kabel, einige Packungen Fisherman’s Friend oder eine Fotokamera aus Lego. «Es ist ein Kuriositätenkabinett, Nobs war ein ausgeprägter Sammler», sagt Bochet. Auch eine Auswahl aus seiner Kleidersammlung fehlt nicht. «Er war ein leidenschaftlicher Fashion-Freak.» Da ist unter anderem sein legendärer rotgestreifter Anzug, den er oft bei Konzertansagen auf der Bühne trug. Neben unzähligen Fotos sowie der gesamten Plakatreihe seit 1967 gibt es auch audiovisuelle Dokumente von Konzerten.

Einer der Räume im Landesmuseum ist dem «Visionierungsraum» des Chalets nachempfunden, in dem Nobs seine Gäste in bequeme Swissair-Sessel setzte und ihnen Filme vorführte. Auch die Besucher der Ausstellung dürfen es sich auf den Flugzeugsitzen bequem machen und Livemitschnitte vom Festival der vergangenen Jahrzehnte anschauen. Seit 1967 sind rund 5000 Stunden Konzertaufnahmen entstanden. Das Videoarchiv ist seit 2013 Unesco-Weltdokumenterbe.

Legende um «Smoke on the Water»

Erzählt wird auch die Legende des Deep-Purple-Songs «Smoke on the Water». 1971 bricht während eines Konzerts von Frank Zappa ein Feuer aus und zerstört das Casino vollständig. Deep Purple, die sich zeitgleich für Plattenaufnahmen am Genfersee aufhalten, werden Zeuge des Brandes. Ihr davon inspirierter Song «Smoke on the Water», der ein Welthit wird, macht Mon­treux noch berühmter. Verraten wird auch Claude Nobs Tierliebe zu seinen zwei Sennenhunden. «Immer wenn Nobs einige Tage verreiste, skypte er mit seinen Hunden, die im Chalet blieben.»

Hinweis
Ausstellung «Montreux Jazz seit 1967», Landesmuseum Zürich, bis 21. Mai

Die Trompete von Miles Davis zeigt sich in der Ausstellung "Montreux. Jazz seit 1967" im Landesmuseum in Zuerich, aufgenommen am Donnerstag, 18. Januar 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza) (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 18. Januar 2018))

Die Trompete von Miles Davis zeigt sich in der Ausstellung "Montreux. Jazz seit 1967" im Landesmuseum in Zuerich, aufgenommen am Donnerstag, 18. Januar 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza) (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 18. Januar 2018))

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