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AUSSTELLUNG: Lorenzo Mattotti – Ein vielseitiger Meister

Das Cartoonmuseum Basel würdigt den international renommierten Comicpionier, Zeichner und Illustrator Lorenzo Mattotti mit seiner ersten Retrospektive in der Schweiz.
Hans Keller
Neben Schwarzweisszeichnungen malt Lorenzo Mattotti öfter auch in expressiver Farbigkeit Cover und Illustrationen für Magazine wie hier «The New Yorker». (Bild: Lorenzo Mattotto/The New Yorker)

Neben Schwarzweisszeichnungen malt Lorenzo Mattotti öfter auch in expressiver Farbigkeit Cover und Illustrationen für Magazine wie hier «The New Yorker». (Bild: Lorenzo Mattotto/The New Yorker)

Hans Keller

Lorenzo Mattottis Anfänge als Comiczeichner fallen in eine wilde Zeit. Punks torpedieren den etablierten Rock und führen mit ihrem Nihilismus die Ideale der Hippiegeneration ad absurdum. Zu Bruch geht unter anderem auch die gängige Comicästhetik samt ihren Inhalten. Das so aufgeladene Medium speit in expressiv hingehauenen, schrägen Plots den Geist der Revolte wie ein Flammenwerfer aus. Umwälzungen liegen schlicht in der Luft – auch in Italien, einem Land mit einer genuinen Populärcomic-Tradition.

Mattotti, der zur Aufbruchsgeneration gehört, wurde 1954 in Brescia geboren. Er studierte Architektur, begann jedoch bald schwarzweisse Comics mit einem Horror- und Fantasy-Drall zu zeichnen. Mit gleichgesinnten Kollegen wie Igort, Daniele Brolli und anderen gründete er Ende der 70er-Jahre das Kollektiv «Valvoline». Hier entwickelte man eine Ästhetik, die sich von jeder gängigen Comicoptik unterschied: Röhrenbeine ragten aus kugel- und zylinderförmigen ­Körpern, Haare wie romanische Rundbögen schossen aus gelben Kürbisköpfen, hinter denen ­violette Wolken vorbeizogen und preussischblaue Nächte dräuten.

Mit «Feuer» steckt er die Szene in Brand

Man knüpfte nicht zuletzt bei der italienischen Malerei der 20er- und 30er-Jahre, den Futuristen und bei De Chirico an. Mattotti arbeitete bunt, er strich mit Pastellkreiden und schummerte mit Farbstiften seine frühen monströsen Helden wie «Spartaco» und «Doktor Nefasto» in kubistische Gefilde hinein, durch welche hellblaue Dampfer mit orangen Kaminen schwammen. 1986 steckte Mattotti mit «Feuer» sozusagen die internationale Comicszene in Brand. Im einflussreichsten progressiven Comic seiner Zeit gerät ein Kriegsschiff in den Bann einer geheimnisvollen Insel. Der Einbruch von Irrationalem in die Normalität sowie die Entfremdung von Einzelnen gegenüber der Gesellschaft bleiben wichtige Themen.

Der Zeichner hinterfragte bald einmal die expressive Farbigkeit seines Werkes, die ihn berühmt gemacht hatte und die er auch in Illustrationen für Top-Magazine einsetzte. Diese lukrativen Auftragsarbeiten kippten öfters ins Gefällige. Die Rettung vor Oberflächlichkeit: die wiederholte Rückkehr zu Schwarzweiss und zu exzentrischen Plots. Da brechen beispielsweise in «Stigmata»(1998) an einem verkommenen Alkoholiker die Wundmale Christi auf; eine in schwarze Strichgespinste aufgelöste Geschichte, in deren fatalem Netz auch der Leser hängenbleibt.

Mattotti selbst nannte diese Schwarzweisszeichnungen «Ligne Fragile», die Brüchigkeit der Optik umschreibend, mit der er ganze Skizzenbücher füllte. Ein zur Werkschau herausgekommenes Buch enthält eine gute Auswahl aus diesen vielleicht persönlichsten Arbeiten, deren Spontaneität unmittelbarer wirkt, als so manches elaborierte Œuvre.

Bis 11. März, Cartoonmuseum Basel, www.cartoonmuseum.ch Buch: Lorenzo Mattotti: Ligne Fragile, Christoph-Merian-­Verlag, 120 S., Fr. 31.-

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