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AUSSTELLUNG: Nationale Viechereien im Landesmuseum Zürich

Die Schweiz hat kein offizielles Nationaltier. Dafür kämen vier Kandidaten in die engere Auswahl: Kuh, Murmeltier, Steinbock und Bernhardiner. Zu sehen sind sie aktuell im Landesmuseum Zürich.
Katja Fischer De Santi
Bild: Nationale Viechereien im Landesmuseum Zürich

Bild: Nationale Viechereien im Landesmuseum Zürich

Katja Fischer De Santi
kultur@luzernerzeitung.ch

Nationaltiere kann man nicht ernennen, nicht wählen, es gibt keine Kommission dafür. Es sind die Geschichten, die Mythen, die aus Hähnen französische Gockel machen, den Bären zum Symbol der russischen Seele erklären oder den Bernhardiner zum schweizerischsten aller Hunde machen.

Zum offiziellen Nationaltier hat es der massige Hund mit Lebensretterqualitäten dann trotz Napoleons Hilfe nicht gebracht. Zu lokal sei die Verbreitung auf dem Grossen Sankt Bernhard gewesen, vermutet Jacqueline Perifanakis, Kuratorin der Ausstellung «tierisch schweizerisch».

Diese präsentiert statt eines Nationaltiers deren vier: Steinbock, Murmeltier, Bernhardiner und Kuh hätten laut Austellung das Zeug, die Schweiz zu repräsentieren. Dass man sich nicht festlegen konnte, liegt wohl auch am föderalistischen Geist. Vielleicht war da auch einfach kein Tier in der Schweiz, «das der Veranschaulichung eines Staates und seiner Ideologie diente».

Die Kuh: Omnipräsent, aber mit zwiespältigem Image

Wohl am ehesten das Nationaltier wäre die Kuh. Omnipräsent im ganzen Land, sind ihre Glocken der Soundtrack der ländlichen Schweiz. Und ohne Kühe gäbe es keine Milch, keine Schweizer Schokolade, keinen Käse. Das Land sähe anders aus ohne die vielen Weideflächen. Aber da ist eben auch das Image der «Kuhschweiz», mit rückständigen, gutgläubigen Bauerntölpeln. Wer will schon eine Kuh als Nationaltier, wenn in Nachbarländern bullige Stiere schnauben.

Dann doch lieber der Steinbock. Wie er da auf den Gipfeln steht, einsam, stolz und stur. Schade, haben ihn die Bündner schon seit 1806 als Wappentier annektiert und sogleich fast ausgerottet. Auch das Murmeltier wäre einst fast bündnerischer Schiesswut zum Opfer gefallen. Die cleveren und geselligen Tierchen leben versteckt und reagieren äusserst sensibel auf Veränderungen. Das würde gut zu uns Schweizern passen. Aber so viel Selbstironie wie die Bevölkerung Costa Ricas, die das Faultier zum Nationaltier erhoben hat, haben wir dann doch nicht.

Steinbock: Verehrt, gejagt und ausgerottet

Das mystischste Tier im Nationenquartett. Der Steinbock ist in 50 Schweizer Gemeindewappen zu finden und seit 1806 das Wappentier des Kantons Graubünden. Dem «König der Berge» wurden auch allerlei Kräfte zugeschrieben. Fast alles Verwertbare des Steinbocks, vom Blut über die Haare bis hin zu den Exkrementen, wurde als Medizin gehandelt. Dies und seine Rolle als Fleischlieferant führten fast zum Aussterben in Europa. Anfang des 19. Jahrhunderts war der Steinbock im ganzen Alpenraum bis auf etwa 100 Tiere im italienischen Gran Paradiso ausgerottet. Nur dank dem riesigen, geschützten Jagdrevier von König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont konnte sich die Population retten. Weil der König aber keinen Export seiner Tiere erlaubte, schmuggelte die Schweiz 1906 einige Tiere illegal über die Grenze in den Wildpark Peter und Paul in St. Gallen. (kaf)


Bernhardiner: Lebensretter und Gefährte

40 Menschen soll Barry, der berühmteste Bernhardiner, auf dem Grossen Sankt Bernhard aus den Schneemassen gerettet haben. Vor 200 Jahren soll es geschehen sein, Napoleons Soldaten ist es zu verdanken, dass sich diese Legende in ganz Europa verbreitete. Seit dem 17. Jahrhundert hielten die Geistlichen im Hospiz grosse Bauernhofhunde. Sie waren ihnen treue Gefährten, bahnten den Weg im Schnee vor und halfen verirrten Reisenden auf den richtigen Weg. Gezielt gezüchtet wurden Bernhardiner erst nach Barrys Tod 1804. (kaf)

Kuh: Treu und gut vermarktet

Zum Wappentier hat es die Kuh nicht geschafft. Dafür ist sie die touristische Hauptwerbeträgerin der Schweiz. Über eine halbe Million Kühe produzieren jedes Jahr knapp 3,5 Millionen Tonnen Milch. Die Kuh symbolisierte den Reichtum der bäuerlichen Schweiz und steht bis heute für Qualitäten, die wir für landestypisch halten: Verlässlichkeit, Treue, Bodenständigkeit, Friedfertigkeit, Naturnähe. Sie spielt in der Produkt- und Politwerbung eine Rolle. Die Hochleistungskuh, die bis zu 25 Liter Milch pro Tag liefert, ist jedoch kaum ein Thema. (kaf)

Murmeltier: Herzige Zwerge mit Pfiff

In der Regel bekommen Bergwanderer in der Schweiz nur selten ein Murmeltier zu Gesicht. Man hört allenfalls ihre Warnpfiffe, dann sind sie auch schon im Boden verschwunden. Gerade ihre Seltenheit macht sie aber touristisch interessant. Für die Bewohner der Schweizer Alpen waren die Munggen oder Murmeli früher aber vor allem zuverlässige Fleischlieferanten. Sie wurden stark bejagt. Aus ihrem Fett wird bis heute Salbe hergestellt. Die Murmeli gelten als vorsichtig, clever und sozial. Weniger bekannt ist, dass sie früher dressiert wurden. Mit «tanzenden» Murmeltieren bettelten Bauernkinder in den Städten. (kaf)

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