AUSSTELLUNG: Sie sind ein Paar – und zwei Künstler

Von der Rigi haben Barbara Baumann und Stephan Brefin nicht nur Erinnerungen mitgebracht – sondern viele poetische Arbeiten. In Baar sind sie nun zu sehen.

Monika Wegmann
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Die Rigi war für sie Quelle der Inspiration: Barbara Baumann und Stefan Brefin mit Benjamin und Hanna. (Bild Werner Schelbert)

Die Rigi war für sie Quelle der Inspiration: Barbara Baumann und Stefan Brefin mit Benjamin und Hanna. (Bild Werner Schelbert)

Wer wünscht sich das nicht, mal eine gewisse Zeit weg von der Alltagshektik und dem Lärm zu leben. Das Künstlerpaar Barbara Baumann und Stephan Brefin hat dies mit den Kindern vor rund zwei Jahren auf Rigi-First realisiert. «Wir haben das einfache Leben gesucht; die Nähe zu den Sternen und zur Natur», erzählt Barbara Baumann. Auch wenn die Familie heute in Ebikon lebt, wird das Kunstschaffen der beiden durch die Rigi-Zeit inspirierend beeinflusst. So zu sehen in der aktuellen Ausstellung «Schlafend im Wind» in der Galerie Billing Bild in Baar.

Alltagsmaterial wird Sujet

Im ersten Moment kommen dem Betrachter der Fotogramme an der Wand beim Eingang Wolken in den Sinn, die lustige Fantasiefiguren darstellen. Stephan Brefin schmunzelt: «Das sind alles Brotscheiben, die wir im Labor auf das Fotopapier gelegt und belichtet haben.» Sie hätten sich bei diesen gemeinsam entstandenen Arbeiten von den Kindern inspirieren lassen und mit kleinen Eingriffen die Ansichten verändert, sodass die Dinge neue Bedeutungen erhalten.

Den spielerischen, fantasievollen Umgang mit verschiedenen Materialien leben beide ebenso in den Einzelwerken aus. So sorgen Barbara Baumanns poetische Makro-Fotogramme, die wie im Wind schwankende Äste oder – in der Serie daneben – wie kosmische Landschaften wirken, für viel Überraschung. «Es sind Mandarinen-Bäumli, entstanden aus den Samensträngen der Frucht, die wir gerne sammeln», erklärt sie. Speziell sind jedoch die fast märchenhaften Effekte, welche sie durch die Bestickung der Fotos erreicht, die sie sehr vorsichtig – und darum mit Handschuhen – ausführen muss. «Ich benutze hier echte Gold- und Silberfäden, auf anderen Werken auch weisse, schwarze oder rote Fäden.» Die Bearbeitung ist für sie jeweils ein spannender, vorwiegend intuitiver Prozess: «Und es ist unglaublich, welche Gestaltungsmöglichkeiten mir dieses Material ermöglicht», hält die Künstlerin voller Begeisterung fest.

Normalerweise arbeitet die 40-Jährige mit grossformatigem Japanpapier und mit Textilien. Aus zeitlichen Gründen und bedingt durch die derzeitige Schwangerschaft sind jetzt viele kleine Werke entstanden. Dazu gehören auch die bestickten Fotos der roten Flaggen (einige baumwollene Exemplare sind in der Ausstellung über dem Eingang deponiert), die sie damals auf der Rigi als Protest gegen eine Baumfällaktion aufgehängt hatte. «Ich musste reagieren. Die Entwurzelung der Bäume hat mich an meine eigene Geschichte erinnert», hält die Künstlerin fest, welche als Kind in Kioto, Japan, lebte und später ins Schächental, nach Küssnacht am Rigi und Ebikon zog. Die künstlerische Aktion hatte zwar für Aufsehen gesorgt, das Fällen der Bäume aber nicht verhindern können, wie sie mit heute noch spürbarer Enttäuschung zugibt.

Kassettenbänder verwandelt

Stephan Brefins Zeichnungen entstehen nach seinen Erinnerungen und den Fotos früherer Reisen. Auf teilweise riesigem Schmirgelpapier kreiert er mit Grafit schemenhafte Städte- und fantastische Wolkenbilder. Das Schleifpapier als Grundmaterial habe ihn gereizt. Das Zeichnen sei darauf schwierig, bei den Motiven gebe es zwangsläufig Ungenauigkeiten. Und genau dieses Auflösen von klaren Situationen fordere ihn heraus.

Auf den Sujets von Kioto oder den pakistanischen Bergen scheint er von oben zu blicken. «Auf der Rigi hat mich diese Sicht von oben immer fasziniert, diese Weite und die Freiheit», sagt der 43-Jährige und erklärt weiter, dass ihm die Leerflächen auf seinen Bildern wichtig seien, die ihnen eine zusätzliche Dimension verleihen würden: «Das Auge des Betrachters wird irritiert, manchmal weiss er nicht, was der Vorder- oder Hintergrund ist.» Von Stephan Brefin, der in Unterägeri aufgewachsen ist, stammt auch das wandfüllende, aus Kassettenbändern modellierte Motiv mit bekannten Märchenfiguren: «Die Musik ist in unserer Familie wichtig. Wie man sieht, sind wir altmodisch, weil wir immer noch Kassettli hören.»

Die Ausstellung der beiden Künstler, die für ihre Werke bereits mit Stipendien und Preisen geehrt worden sind, wurde am vergangenen Sonntag mit einem speziellen Anlass umrahmt: Der Chili-Experte Beat Heuberger aus Zürich, informierte über das Gewürz, von dessen Vielfalt sich die Besucher gleich selber überzeugen konnten.

Hinweis

Ausstellung «Schlafend im Wind» von Barbara Baumann und Stephan Brefin, bis 3. Juni in der Galerie Billing Bild, Baar.