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AUSSTELLUNG: Walter Steiner oder der Traum vom Fliegen

Eine Ausstellung im ehemaligen Wartesaal im Bahnhof Lichtensteig widmet sich dem Toggenburger Skispringer und Bildhauer Walter Steiner. Beim Ortstermin gewährt der 67-jährige Pionier Einblicke in seine "Traumschlösser".
Der Toggenburger Skispringer und Bildhauer Walter Steiner posiert in der ihm gewidmeten Ausstellung. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Lichtensteig, 21. März 2018))

Der Toggenburger Skispringer und Bildhauer Walter Steiner posiert in der ihm gewidmeten Ausstellung. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Lichtensteig, 21. März 2018))

Nathalie Grand, sda

Schon als Kind hatte Walter Steiner den Traum vom Fliegen, von der Schwerelosigkeit. "Ein fantastischer Traum", sagt er zwischen Fotos seiner Erfolge, Trophäen, Skizzen und Skulpturen. Eine Kinderzeichnung Steiners zeigt einen Skispringer, der aus dem Bild zu fliegen scheint. "Sport und Handwerk waren wie eine Rettung für mich", sagt Steiner, der mit zwei Schwestern in Wildhaus aufwuchs und an Legasthenie leidet.

Bestnoten erhielt der "Vogelmensch" - wie der Ausnahmesportler im Toggenburg liebevoll genannt wird - erst beim Skispringen. 1972 holte er Gold an der Skiflug-WM, 1974 flog er mit 169 Metern Weltrekord mit seinem 2,5 Meter langen "blauen Elan", der in der Ausstellung zu sehen ist.

1978 musste er seine Skisprungkarriere aus gesundheitlichen Gründen bereits beenden. Seit 1990 lebt er im schwedischen Falun, wo ihm die Verbindung von Natur und Kultur besonders gefällt. Nach der Heimat gefragt, kommt es wie aus der Kanone geschossen: "Mir fehlen die Berge." Das Toggenburg sei landschaftlich ein Paradies. "Jeder Berg ist eine Skulptur", sagt Steiner.

Von Bergen und Skulpturen

Steiner kennt sich mit Bergen und mit Skulpturen aus. Parallel zu den Erfolgen als Skispringer und Skiflieger absolvierte er von 1968 bis 1972 eine Ausbildung zum Holzbildhauer. Einige seiner Arbeiten sind in der Ausstellung "Ein Stück weit Pionier - Walter Steiner" zu sehen.

Für Steiner bedeutete das Schnitzen die Möglichkeit, das Skispringtraining während der handwerklichen Tätigkeit mental voranzutreiben. "80 Prozent ist beim Skispringen mental", sagt er. Beim Schnitzen habe er seine Traumschlösser bauen können.

Etwa das Traumschloss von der perfekten Sprungschanze. "Sie hören erst zu, wenn ich aufhöre zu fliegen", sagte er im März 1974 an der Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica. Zu hören ist der Satz im Dokumentarfilm "Die Ekstase des Bildschnitzers Steiner" von Werner Herzog.

Von Visionen und Technik

Mit dem Film des international angesehenen Regisseurs hat sich Steiner in die kollektive Erinnerung eingeschrieben und ist zur Kultfigur weit über die Sparte Sport hinaus geworden. "Durch den Film bin ich bei den Jungen immer noch populär", sagt der Überflieger.

Er selber sah in der Dokumentation allerdings weniger die Gelegenheit, sich als Star feiern zu lassen, als vielmehr die Möglichkeit, sein dringendes Anliegen bekannt zu machen: Die Sprungschanzen müssen neu gebaut, den Entwicklungen angepasst werden, damit sie dem Menschen und seinen Möglichkeiten zu fliegen und nicht dem Spektakel und Profit dienen.

"Die Schanzen waren falsch konstruiert", sagt er rückblickend. Steiner sprang in den 1970er-Jahren deswegen zu weit, flog über die Weltbestmarken im Skispringen hinaus und landete beinahe im Flachen statt am Hang - das war bisweilen lebensgefährlich. Freiwillig verkürzte er darum auch im Wettkampf den Anlauf und startete weiter unten.

Rund 20 Jahre hat es gedauert, bis sein Anliegen und seine Vision Realität geworden und die Schanzen neu gebaut worden sind. Auch das Material und die Technik der Skispringer hat sich weiterentwickelt. "Heute könnte man die Skispringer zum Flugzeug hinauswerfen", sagt Steiner.

Von Falun und Sapporo

Auch in anderen Bereichen ist er ein Pionier: Autogenes Training, gesunde Ernährung, das perfekte Material - Steiner tüftelt bei allem was er macht. Noch im Pensionsalter kann er sportliche Erfolge feiern. Vergangenes Wochenende hat der 67-Jährige in Sedrun GR bei den Senioren im Langlauf den Schweizer Meistertitel errungen.

Dabei musste er auf seine Doppelstock-Schiebetechnik verzichten, welche die FIS-Regeln nicht erlaubt. Im Weltcup mache das Sinn, sagt Steiner, der beim klassischen Stil und bei der Free Style Technik, Probleme mit seinen Bronchien und den Füssen hat. Daher habe er wie viele andere Amateure auf die reine Schiebetechnik gewechselt.

Nach Jahren als Trainer in Deutschland und den USA arbeitete er in Falun als als Koch und Therapeut, aber auch als Handwerker und Restaurator. Auch heute träumt er noch oft vom Fliegen, er kommt aber nicht mehr in die Luft. Dafür nimmt Steiner heute ab und zu das Flugzeug, um auf Reisen zu gehen.

Bei einer dieser Reisen möchte er Wojciech Fortuna besuchen. Der Pole gewann 1972 überraschend Olympia-Gold auf der Grossschanze. Favorit Walter Steiner blieb nur die Silbermedaille.

Erst zehn Jahre später habe er erfahren, dass die DDR-Offiziellen das Resultat manipuliert hatten. "Trotz aller Schiebereien hatte ich grosses Glück und die Olympia-Medaille hat mir zu einem Eintrag in die Geschichtsbücher verholfen", betont Steiner.

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